Festivalisten pflegen Tradition vor dem Hurricane

Die Bierbuddler vom Eichenring

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Mit dem Spaten werden die Bierdosen verbuddelt – nebenbei auch die wohl beste und umweltfreundlichste Art, den Gerstensaft zu kühlen.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Ein beliebiger früher Abend Anfang Juni: Über dem noch verwaisten Eichenring steht tief die Sonne, keine Menschenseele ist auf dem riesigen Areal in Sicht. Moment mal – am Rand des Zauns stehen einige Autos, aus denen laute Musik dringt; ganz hinten auf dem Gelände sind einige Menschen zu sehen. Und Spaten. Sie buddeln. Eine Schatzsuche?

Mitnichten – das beschriebene Szenario im Vorfeld des Hurricane-Festivals hat sich so bestimmt ein Dutzend Mal abgespielt und ist somit fast schon Tradition. Jedes Jahr treffen sich einige Festivalisten, um im Vorfeld Depots mit dem anzulegen, was man dort am dringendsten braucht: Ein kühles Bier.

Mit den Bierpreisen auf dem Mega-Event habe das nichts zu tun, eher mit der Einstimmung auf die Festival-Saison, erzählt einer der Initiatoren: „Das war einfach so eine Aktion: Sich ein paar Wochen vorher auf dem Gelände zu treffen, zusammen zu grillen, dazu – wie es sich gehört – laute Musik aus dem ‚Festivalwagen‘, in denen im Camp auch übernachtet wurde, und man wusste: Es kann losgehen!“ Dazu gehörte eine Zeit lang auch die Ehrenrunde mit dröhnenden Bässen um den Eichenring.

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Um die vier Löcher à zehn Dosen heben die Freunde aus Sittensen, Tostedt, Rotenburg und Hamburg durchschnittlich Jahr für Jahr aus, immer in der Nähe eines markanten Baums, „und dann wird die Entfernung in Fuß abgemessen und man hofft, die ‚Bunker‘ wiederzufinden, erzählt der einzige Scheeßeler im Bunde. Dabei habe sich im Lauf der Jahre die Professionalität gesteigert: „In den letzten Jahren hatten wir eine Plastikfolie für den Aushub dabei, die Resterde wurde woanders verteilt, um keine Spuren zu hinterlassen.“

Die einzigen sind die durchschnittlich vier bis fünf Bierbuddler um den Scheeßeler beileibe nicht: „Einmal cruisten da noch andere Autos herum. Nachdem wir uns eine Weile geduckt hatten, stellten wir fest: Das waren andere, die auch was vergraben wollten – einen kannte ich sogar aus dem Ort“, schmunzelt der Scheeßeler Geschäftsmann, der ob Fragwürdigkeit der Legalität der Tradition nicht namentlich genannt werden will. Im Unterschied zu anderen werde jedoch nicht unter den Sitzplätzen gegraben, wo das Wiederfinden relativ wegen deren Nummerierung relativ einfach sei.

Schnell gehen muss es in jedem Fall: Ein Griff, um mit einer Hand die Grassode anzuheben, mit der anderen die Plastiktüte hervorziehen und Sode wieder fallen lassen – und das Ganze möglichst unbemerkt von den Ordnern. Das gelang nicht immer: „Einmal hatte uns die Security auf dem Kieker. Die dachten, wir verkaufen das Bier.“ Erklärungen halfen nichts: Immer, wenn der Tross sich der Fundstelle näherte, waren 15 Securities zur Stelle. „Nach vier Tagen Katz- und-Maus-Spiel hatten die begriffen, dass wir das nur aus Spaß und für den Eigenbedarf machen“, so der Scheeßeler, „da hat die Verantwortliche ihr Team weggewunken – und nach Dienstschluss war sogar ein gemeinsames Bier drin.“

Nicht immer sind die Ordnungshüter so verständnisvoll – einmal wurden die frisch gehobenen Biere konfisziert. „Da hatten wir vorher einige Dosen verschenkt, weil wir keinen Durst mehr hatten. Die Leute, die das mitbekommen haben, wollten uns ihre Biere später zurückgeben“, erinnert sich der Scheeßeler. Und nicht immer gelingt es, sämtliche Depots wiederzufinden: Als vor einigen Jahren kurzfristig der Bühnenplan geändert wurde, befanden sich die „Bunker“ der Bierbuddler unversehens im Backstage-Bereich.

Ob in diesem Jahr wieder gegraben wird, steht noch nicht fest: Nach so vielen Jahren hat der Initiator eigentlich keine Lust mehr, „zumal der Bühnenaufbau mit dem Wachsen des Festivals immer früher erfolgt und die Sicherheitsauflagen immer rigider werden.“ Sein Schicksal: „In unserem Camp kommen immer neue Leute dazu – und die finden die Aktion richtig cool.“

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