Hurricane: Ein holpriger Auftakt

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Scheeßel - Von Lars Warnecke und Matthias Röhrs. Gaffa-Tape, Ohropax und wetterfeste Kluft sind in diesen Tagen quasi Pflicht auf dem Scheeßeler Eichenring. Das Hurricane-Festival geht hier bis Sonntag über vier Bühnen. Gut 35 000 Besucher wurden von den Veranstaltern am Freitag erwartet, die andere Hälfte war bereits am Donnerstag angereist. Gestern Mittag herrschte zunächst dichtes Gedränge an den Einlässen, danach ging es flott aufs Gelände.

Rund 3 000 Helfer, Sicherheitskräfte sowie Ärzte und Sanitäter sollen bis Sonntagabend für einen reibungslosen Festivalablauf sorgen. Die vorläufige Bilanz: „Alles ruhig“, so ein Sprecher der Polizei. Und auch die Feuerwehr hatte vergleichsweise wenig zu tun: Mussten die Brandschützer in der Nacht von Donnerstag auf Freitag noch zu sechs Einsätzen ausrücken – zum Beispiel, um ein brennendes Zelt zu löschen – wurden die Kameraden tagsüber gar nicht angefordert. Wilder ging es da schon auf den Bühnen zur Sache. Klare Zugnummern des ersten Tages waren abends die Rockbands Placebo und The Gaslight Anthem sowie die Jungs von der Elektropunk-Formation Frittenbude.

Die altehrwürdige Sandrennbahn trägt für drei Tage bunt. Shirts, Hosen, Kappen, gerne auch Kostümierungen verschiedenster Formen und Farben – erlaubt ist an diesem Ausnahmewochenende, was gefällt. Doch auch viele „Hurricane“-Shirts mit dem Aufdruck des diesjährigen Wildschweinmaskottchens spannen über Bäuchen. Dabei wird demonstriert, wo man ist: Bei drei Tagen Open-Air-Festival auf der grünen Wiese.

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Ortswechsel: Rund um das Infield wächst bis zum Mittag die Camp-Stadt. An Klapptischen warten die Festivalgänger bei Dosenravioli und Gerstensaft aus der Kühlbox darauf, endlich eingelassen zu werden. Ein Meer aus Zelten wogt auf den weitläufigen Flächen, weiter abschüssig stehen die Wohnmobile. An einem haben die Studenten Sebastian, Torben und Michael gerade das Begrüßungsbier geöffnet und die Würstchen auf den Grill gelegt. Aus Oldenburg kommen sie. „Der Platz ist gut, bis auf dass die Organisatoren hier eine Reihe Dixi-Klos hingepflanzt haben“, erzählt Torben grinsend. Das muss man sich wohl schöntrinken.

Steffi und Florian aus Nordrhein-Westfalen haben nach einer kurzen Nacht („laute Musik im Discozelt, das hat schon mächtig gestört“) gegen 13 Uhr ihre Morgentoilette hinter und das Frühstück vor sich. „Gestern fehlte Klopapier, heute Seife, sonst ist aber alles in Ordnung“, berichtet das Paar. George Ezra, Milky Chance und Jan Delay wollen sie bis Sonntag erleben – und ganz nebenbei neue Kontakte knüpfen.

Kurz nach 14 Uhr füllt sich das Festivalgelände, es wird das Sortiment an Shirts, Sonnenbrillen, Hüten und das Gastro-Angebot an den Food-Trucks  gecheckt. Gekauft wird nicht mit Bargeld, sondern via Armbändchen – ein neues Chip-System macht’s nach den Startschwierigkeiten vom Vortag dann noch möglich.

Am Nachmittag tritt Festival-Chef Folkert Koopmans vor die versammelte Presse. Das von der Telekom bereitgestellte Funknetzwerk für die sogenannten RFID-Chips hätte eigentlich funktionieren müssen, sagt er mit gesenktem Kopf. „Komischerweise aber nicht mehr zu Beginn.“ Der Chip sei extrem langsam geworden, eine Verbindung zum Netzwerk nicht zustande gekommen, erklärt er. Die Reaktionszeit habe sich von den üblichen zwei auf 45 Sekunden gesteigert. „Wir haben dann eine eigene Verbindung aufgebaut, sodass es jetzt funktioniert“, so Koopmans weiter. „Jetzt haben wir ein schnelles Netzwerk und hoffen, dass alles bis zum Ende gut geht.“

Dass die Bändchen, die am Donnerstagabend ausgegeben wurden, damit die Besucher wenigstens auf die Zeltplätze konnten, noch nicht aktiviert waren, stellte ein zusätzliches Problem dar. Das musste nachgeholt werden. Von den etwa 30 000 Fans, die schon am Donnerstag angereist waren, seien laut dem FKP-Scorpio-Geschäftsführer „vielleicht zwei oder drei Tausend tatsächlich von technischen Problemen betroffen gewesen. Aber auch das sind zu viele.“ Sein Eingeständnis: „Das ärgert uns maßlos, den Schuh ziehen wir uns an.“

An der Tageskasse bildet sich unterdessen eine Schlange. Schlechte Zeiten für Schwarzhändler. Es gibt noch reichlich Tickets, das Festival ist seit Jahren erstmals nicht ausverkauft. Kerstin und René mit Sohn Hauke (17) aus Kiel haben sich „spontan“ zu drei Festivaltagen entschlossen. Mutter und Sohn finden Hip-Hop „voll geil, wie Marteria oder Cro“, Vater René freut sich auf die Rockveteranen von Counting Crows.

In dieser Liga spielen die Jungs von Sunset Sons noch nicht ganz. Beim Hurricane steht die britisch-australische Alternativerock-Formation zum Auftakt auf der Green-Stage – zwar nur als Eisbrecher und – ab 15 Uhr – zu einer eher undankbaren Zeit. Aber dafür war einer ihrer Songs wiederum programmatisch. Ihr „No way Home“ läutete einen langen Festivaltag ein, der gut 30 Bands später mit Placebo, Deadmau5, Suicidal Tendencies und Madeon einen würdigen Abschluss finden sollte.

Ein paar Eindrücke vom ersten Tag: Viel Lärm, viel musikalisches Facettenreichtum, viel Kälte und Regen – und manchmal die Sehnsucht, die Ohren-stöpsel weit in die Gehörgänge zu schieben. Aber: Es war nur ein Vorspiel für das, was da alles noch kommt.

Hurricane Festival: Bands am Freitag

Hurricane Festival: Mehr Bands am Freitag

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Hurricane-Freitag: Die Tore öffnen

Hurricane: Warm-up am Donnerstagabend

Zeltaufbau beim Hurricane Festival

Bändchenpanne beim Hurricane

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