Brian Fallon im Interview

"Wie viele Band-Shirts kann eine Person besitzen?"

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Brian Fallon im Interview.

Scheeßel - Von Pascal Faltermann. Verschwitzt, aber tiefenentspannt kommt 15 Minuten nach dem Auftritt Brian Fallon um die Ecke. Im Interviewbereich des Hurricane Festivals in Scheeßel nimmt sich der 35-jährige Sänger der Band The Gaslight Anthem Zeit, um über den Wandel der Musik, sich selbst und seiner Band zu sprechen.

2007 haben Sie „Sink or Swim“ und 2008 die EP „Señor and the Queen“ über das Bremer Label Gunner Records aufgenommen. Wie kam es dazu? 

Brian Fallon: Über einen Freund eines Freundes. Wir kennen Gunnar Christiansen über die Leute von der Band Against me!. Er half uns, zum ersten Mal nach Deutschland zu kommen. Er organisierte für uns eine Tour - das war unser erster Aufenthalt in Europa.

Im ehemaligen Bremer Club Nook spielten sie 2007 und 2008 jeweils ein Konzert vor weniger als 100 Zuschauern. 2009 traten Sie nachmittags beim Hurricane auf, nun abends auf der großen Bühne als einer der Headliner. Was ist da passiert? 

Fallon: Ich habe keine Ahnung. Eine Menge. Wirklich eine Menge. Wir veröffentlichten Alben, tourten und kamen jedes Jahr nach Europa. Ich denke, wir als Band haben uns das Schritt für Schritt aufgebaut. Menschen erzählten ihren Freunden von uns und das Ganze ist gewachsen. Es ist ein beständiger Weg, den Bands gehen sollten: Konzerte spielen. Viele Konzerte spielen. Für uns kam eins nach dem anderen.

In der Zeit hat sich viel für die Band geändert. Wie haben Sie sich verändert? 

Fallon: Alles. Wirklich alles. Ich bin älter geworden und dabei lernst du eine Menge. Mit Mitte 20 denkst du, du weißt genug, merkst aber, dass es nicht alles ist. Mit 35 realisierst du dann, dass du gar nichts wusstest.

Hat sich in diesem Zeitraum als Musiker eine gewisse Routine eingerichtet? 

Brian Fallon und Redakteur Pascal Faltermann.

Fallon: Es ist nicht wirklich Routine. Wir gehen auf Tour, kommen zurück und nehmen ein neues Album auf, um dann wieder zwei Jahre unterwegs zu sein. Das ist etwas routiniert, weil wir es immer wieder tun. Was wir wirklich machen wollen, ist Konzerte geben, live zu spielen. Das versuchen wir, so gut wir es können. Vielleicht wirkt es so, als sei die jetzige Zeit viel aufregender als die Anfangstage, aber es war immer ein Auf und Ab - in jeder Beziehung, die eine Band eingeht. Wir versuchen das alles zu genießen und nicht bequem und faul zu werden.

Ich habe gehört, Sie haben für ihr aktuelles Album „Get Hurt“ insgesamt mehr als 30 Songs geschrieben. Auf der Platte sind aber nur zwölf. Was ist mit den anderen passiert? 

Fallon: Ja, das war eine Menge. Ich habe sie weggeworfen, sie waren schrecklich.

Weggeworfen? Wirklich? 

Fallon: Ich denke nicht, dass es mehr als 30 waren. 25 müssten es gewesen sein. Eine Menge von ihnen haben wir nicht fertiggestellt. Ein paar kommen vielleicht auf das nächste Album.

Wann erscheint das nächste Album? 

Fallon: Nicht im nächsten Jahr. Wir legen erst einmal eine Pause ein. Es ist eine Art Stop für uns. Wir wollen nicht die ganze Zeit über von den Menschen Geld verlangen, um uns zu sehen, weil wir touren und touren. Sie sollen nicht für die immer gleiche Sache Geld ausgeben. Deswegen machen wir nun eine Pause. Wie viele T-Shirts kann eine Person besitzen von der gleichen Band? Wie viele Shows können sie sich anschauen? Lass andere Bands kommen. Die Menschen werden bestraft, wenn sie jedes Jahr von uns etwas vorgesetzt bekommen. Gib mir dein Geld, schau dir meine Show an... - ich denke, das ist zuviel.

Wie lange wird die Pause sein? 

Fallon: Ein oder zwei Jahre, denke ich. Wir lassen uns Zeit, bis wir eine Idee für ein neues Album haben und alle davon überzeugt sind, dass sie wirklich gut ist.

Bruce Springsteen oder Hot Water Music werden immer als ihre musikalischen Einflüsse genannt. Da gibt es doch bestimmt noch mehr. 

Fallon: Ja, ich mag sehr viele Bands. Ich mag U2 während ihrer „The Joshua Tree“-Ära. The Clash ist großartig. Aber ich mag vor allem die Art des Springsteen-Rock. Ich selbst fühle mich gut in dem Genre und er ist das beste Beispiel dafür, wie man eine Karriere lange durchhalten kann. Er ist der Beste. Ohne respektlos gegenüber U2 zu sein, aber er hat über so einen langen Zeitraum die Menschen begeistert. Bei U2 sagen viele, sie gefallen ihnen nur bis oder ab einem bestimmten Zeitpunkt ihres Schaffens. Bei Springsteen lieben die Menschen aber alles.

Sie streamen Shows, nutzen Twitter und Tumblr. Wie wichtig sind sozialen Netzwerke für Bands? 

Fallon: Sehr wichtig. Es ist ein Weg für die Menschen, die Künstler zu verstehen. Ich nutze es, um mit den Menschen zu kommunizieren, um herauszubekommen, wie sie das Konzert fanden, welche Songs sie hören möchten.

The Gaslight Anthem beim Hurricane

Foo Fighters, Springsteen, Pearl Jam - Sie haben mit allen großen Bands bereits zusammengespielt. Gibt es noch einen Wunsch? 

Fallon: Ich würde gerne mal mit U2 spielen. Auch Bob Dylan wäre super cool. Oder Elvis Costello. Aber richtig freuen würde ich mich über Tom Petty. Er ist der Beste.

Zurück zu den nicht veröffentlichten Songs. Können Sie die nicht bei Gunner Records veröffentlichen? 

Fallon (lacht): Nein, wir haben noch einen Vertrag für ein Album bei einem Major Label. Aber mal sehen, was danach kommt.

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