Werbekampagne für Hurricane-Trolley

Mit Schnellzugriff aufs Bier

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Seit seinem 16. Lebensjahr regelmäßiger Hurricane-Gänger: Uli Drömann.

Scheeßel / Hamburg - Von Ulla Heyne. Das Müllproblem beim Hurricane scheint gelöst, genau wie die Anreise: Statt mit Rucksack und Bollerwagen reisen die Festivalfreunde in Zukunft mit einem praktischen Rollkoffer an, im stylischen Polygonlook, der nicht nur das aufblasbare Zelt beinhaltet, sondern auch eine Soundmachine und – ganz wichtig, das Fach mit eisgekühltem Bier.

 

Das Konzept steht, und viele, die den Werbefilm sehen, fragen sofort: „Wo kann ich das kaufen?“ Der Haken an der Sache: Der „Donkey“ ist fiktiv und soll nie das Licht der Welt erblicken.

Ersonnen hat ihn der Scheeßeler Uli Drömann als Abschlussarbeit für das Design-Studium an der Hochschule für Bildende Künste. Für ihn war ein Projekt im Zusammenhang mit „seinem“ Festival naheliegend: „Damit bin ich aufgewachsen, mit der Materie kenne ich mich aus.“

Der aufwändige Werbefilm, auch mit eigenen Filmszenen vom Dockville, entstand in mehreren Monaten am heimischen Computer.

Auch wenn Fachleute warnen, wenn die eigene Person und Zielgruppe sich vermischen: In diesem Fall ist die Rechnung aufgegangen. Das Projekt sahnte die Traumnote 1,0 ab, Drömann darf sich seit einigen Wochen „Kommunikationsdesigner“ nennen. Dabei ging es primär gar nicht um das Produkt und den Präsentationsfilm. „Das habe ich mehr aus Spaß gemacht“, gibt der Perfektionist zu, der bereits als Schüler zusammen mit Marco Ivers die Kampagne „Ich mag dich“ kreierte und schon seit Anfang des Studiums eine eigene Werbeagentur betreibt.

Nichtsdestoweniger: Den umweltfreundliche Hightech-Trolley hat er genau nach eigenen Bedürfnissen designt: Das Bier muss zuoberst und immer griffbereit sein, und auch die breiten Reifen fußen auf eigenen Erfahrungen: „Dünne kippen zu schnell um, selbst wenn sie groß sind.“ Wie oft ihm das selbst passiert ist? „Eigentlich jedes Mal, sogar mit Bollerwagen.“ Ob er selbst auch zu den von ihm im Werbespot titulierten „Festivalspießern“ gehört? „Klar, ich benehme mich beim Hurricane auch gern mal daneben – aber es darf schon mit Stil sein“, kontert der 23-Jährige.

Stilvoll inszenierte er auch seinen rund dreiminütigen Werbetrailer: Professioneller Sprecher, 3D-Modelle, Schnitt, Social Media-Kampagne inklusive Gewinnspielen, Campsharing und Bilderupload, um die Käufer „emotional einzubinden“, dazu die auch mit Promille merkbare Twitterkennung #iA – das alles überzeugte die Jury. „Denen musste ich mit dem Material vom Hurricane und Dockville, darunter auch selbst gedrehtes, erst mal das besondere Lebensgefühl bei Festivals vermitteln, aber auch die Anreiseproblematik“, erzählt der Neu-Hamburger, der selbst seit dem 16. Lebensjahr keine Auflage auf dem Eichenring auslässt.

Er selbst hatte sich, nachdem die ursprüngliche Idee – ein Edel-Notfallpaket für Verlassene – im letzten Moment gefloppt war, auf Anraten von Agenturpartner Ivers sein Zelt in der heimischen WG aufgebaut, „um sich in die richtige Stimmung zu bringen“. Was folgte, waren zwei Monate Arbeit unter Hochdruck: Täglich von zehn Uhr morgens bis drei, vier Uhr nachts, von Juli bis zum Abgabetermin Ende September. „Gefeiert habe ich auch, aber das ging dann von der Schlafenszeit ab“, konstatiert der Student.

Trotz der Begeisterung, die sein Konzept und die äußerst gelungene Medienkampagne auslöst: Weiter verfolgen will der angehende Brand Manager die Vision nicht: „Betriebswirtschaftlich gesehen würde sich der Donkey wohl nicht rechnen“, meint er realistisch. Selbst möchte er auf keinen Fall Zeit und Geld investieren. „Aber wenn es jemand dazu inspiriert, der Festivalwelt einen Gefallen zu tun, hätte ich natürlich nichts dagegen.“

Zeit, seinen Erfolg zu feiern, hat Drömann kaum: Eine Woche nach dem abgeschlossenen Studium wartet der nächste BA an der Akademie.

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