„Schwieriger, große Namen zu bekommen“

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Trotz stolzer Eintrittspreise immer noch ein Publikumsmagnet – allein im vergangenen Jahr feierten rund 70 000 Besucher auf dem Scheeßeler Eichenring ihre musikalischen Helden. ·

Scheeßel - Von Lars Warnecke Er ist der Herr der Musikfestivals, und auch das Hurricane auf dem Scheeßeler Eichenring gehört zu seinen „Baustellen“: Folkert Koopmans (50). Im Interview mit unserer Zeitung spricht der Heeslinger über das Massenphänomen „Hurricane“ und gibt ganz nebenbei einen Künstler bekannt, der bis jetzt noch nicht auf der offiziellen Line-up-Liste stand.

Herr Koopmans, lassen Sie doch mal die Katze aus dem Sack: Wen haben Sie für dieses Jahr als dritten Headliner verpflichtet?

Folkert Koopmans:(lacht). Wenn ich das nur selber wüsste. Bedauerlicherweise sind wir noch auf der Suche, aber eines kann ich versprechen: Einen weiteren Headliner neben Arcade Fire und Volbeat wird es definitiv geben.

Wer zieht eigentlich die Bands an Land? Ein Folkert Koopmans doch wohl nicht alleine ...

Koopmans:Inzwischen nicht mehr, das stimmt. Das war vor vier, fünf Jahren noch anders. Mittlerweile habe ich einen Kollegen an meiner Seite, der sich darum schwerpunktmäßig kümmert. Hin und wieder nehme ich das bei den Headlinern aber noch selbst in die Hand. In diesem Jahr nicht so, aber letztes Mal habe ich Rammstein und Queens of the Stone Age an Land gezogen. Auch ein paar Nachwuchs-Acts bringe ich mit ein. Nein, es gibt inzwischen jüngere Leute, die mehr am Puls der Zeit sind.

Welcher Künstler wird zu Ihrem Bedauern nie beim Hurricane spielen?

Koopmans:Das sind ganz klar Rage Against the Machine. Obwohl die nicht das Hurricane als solches ablehnen, sondern generell zum Touren „Nein“ sagen. Bislang war das mit denen immer ein zeitliches Problem.

Rage Against the Machine kommen aus den USA. Dort gibt es momentan ja einen regelrechten Festival-Boom. Erschwert das Ihre Möglichkeiten, hierzulande hochkarätige Headliner zu verpflichten?

Koopmans:Ja klar, und zwar deutlich! Früher war es so, dass die amerikanischen Bands im Sommer hierher auf Festivals kamen, inzwischen gibt es drüben Gruppen, die dort teilweise sehr viel mehr Geld angeboten bekommen. Vampire Weekend sind so ein Beispiel. Die hätten wir gerne letztes Jahr gehabt, allerdings lockte sie an diesem Wochenende ein für sie lukrativeres Angebot in den Staaten. Und diese Entwicklung steht erst ganz am Anfang. Es wird in Zukunft immer schwieriger werden, eben auch die entsprechenden Bands zu bekommen. Das spiegelt sich ja auch darin wieder, dass wir auf der Suche nach einem dritten Headliner sind. Seeed hätten beispielsweise durchaus Potential für diesen Posten gehabt, wir schauen aber lieber nach einem internationalen Act.

Unzählige Zugpferde wie Aracade Fire, Casper und Kraftklub sind auf dem Eichenring alte Bekannte. Macklemore & Ryan Lewis, diesmal wieder mit von der Partie, waren sogar erst im vergangenen Jahr dabei.

Koopmans:Nennen Sie mir einen bekannten Namen, der noch nicht auf dem Hurricane gespielt hat. Klar, Rage Against the Machine wäre einer, ja. Deshalb muss man hier und dort auch mal wiederholen – das beschränkt sich in der Regel auf zwei bis drei Künstler, die im Folgejahr auch wieder dabei sind. Sie sprachen Macklemore & Ryan Lewis an. Auch wenn die stark polarisieren, sie verkaufen entsprechend Tickets. Mit dieser Band hätte ich Ende vergangenen Jahres auch schon ein Stadion ausverkaufen können. Somit sind sie natürlich auch wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg beim Hurricane.

Also geht dem Festival in musikalischer Hinsicht nicht das Licht aus ...

Koopmans:Wenn man sich mit den bekannten Bands beschäftigt, könnte man das vielleicht so sehen. Fakt ist, dass wir gerade im letztes Jahr viele neue Bands im unteren Bereich hatten, wie Kodaline oder Hudson Taylor. Und auch diesmal werden wir wieder etliche Newcomer haben, die im Prinzip gerade erst vor dem Durchstarten sind. Es wird künftig sicher weniger die riesengroßen Headliner wie meinetwegen die Red Hot Chili Peppers geben, dafür aber umso mehr Mittelklasse-Acts.

Inzwischen müssen Besucher mit 149 Euro fürs Ticket tief in den Geldbeutel greifen. Ist damit das Ende der Fahnenstange erreicht?

Koopmans:Vielleicht klingt es vermessen, aber ich finde die Eintrittspreise sind immer noch am unteren Ende. Die Band-Gagen sind seit 1997 zum Teil um das 20- bis 40-fache gestiegen. Wenn ich das alles auf den Einzelpreis fürs Ticket umgelegt hätte, dann hätte das überhaupt nicht funktioniert. Und: Das Hurricane ist im Laufe der letzten 17 Jahre gewachsen und damit auch die Produktionskosten. Aber im Prinzip ist das auch im europäischen Vergleich immer noch ein Schnäppchen. Für 149 Euro an drei Tagen 80 Bands auf vier Bühnen zu präsentieren, das ist schon knapp. Bei einer vernünftigen Kalkulation müssten wir schon an der 200-Euro-Marke kratzen. Ja, und dann wird auch der Konkurrenzkampf härter, ich komme auf die Amerika-Geschichte zurück. Wenn ich in der Lage sein will, große Bands zu präsentieren wie Arcade Fire – die Band ist weiß Gott nicht billig -, dann muss ich viel Geld ausgeben. Deren Managements sind nur an einer Frage interessiert: Wer bezahlt am meisten? Wenn ich solche Bands in Zukunft präsentieren will, dann muss ich 149 Euro nehmen.

Graben Sie als Platzhirsche mit Exklusiv-Verträgen und hohen Honoraren den kleinen Festivals das Wasser ab? Omas Teich hat beispielsweise schon kapituliert.

Koopmans: Omas Teich hat kapituliert, weil die Veranstalter kein Geld mehr hatten und auch auf die falschen Partner gesetzt haben. Ja, wir haben Exklusiv-Verträge, und die müssen wir angesichts der enormen Risiken – das Hurricane bewegt sich da bei Kosten im zweistelligen Millionenbereich – auch haben. Wir haben hier im Hamburger Büro 80 Angestellte, und die erwarten von mir, dass sie am Monatsende ihren Scheck bekommen. Wenn die Künstler in jeder Stadt an jeder Ecke spielen würden, dann wäre das Hurricane nicht mehr so exklusiv, würde weniger Leute ziehen und letztendlich zu einem wirtschaftlichen Misserfolg führen.

Nostalgiker nörgeln: In die Festivalkultur halte immer mehr der Kommerz Einzug. Und es ist ja in der Tat schon auffällig, dass immer mehr Markenfirmen mit eigenem Verkaufsstand auf dem Eichenring vertreten sind.

Koopmans:Was viele dabei übersehen: Das Hurricane war von Anfang an ein kommerzielles Festival. Hier steht eine wirtschaftliche Unternehmung dahinter, die überleben muss. Das haben wir auch nie abgestritten. Und klar, das Festival ist mittlerweile eine große Veranstaltung geworden, die auch entsprechend von Sponsoren nachgefragt wird. Ich kann auf sie schlichtweg nicht mehr verzichten, andernfalls würde der Eintrittspreis 20 Euro in die Höhe gehen. Ich würde wetten, dass dann mehr als 80 Prozent der Besucher dafür plädieren würden, die Sponsoren wieder mit ins Boot zu holen. Da ist dann doch jeder sich selbst der nächste.

Ob Greencamping, Lotsen-Projekt, Camp FM, Podpads oder Riesenrad – das Festival hat sich im Angebot immer wieder weiterentwickelt. Mit welcher Neuigkeit ist dieses Jahr zu rechnen?

Koopmans: Im Augenblick gibt es da noch nichts Spruchreifes. Wir wollen natürlich den Standard ausbauen. Wichtig ist für uns nochmal das Müll-Problem, worauf wir letztes Jahr ganz massiv nochmals hingewiesen haben. Aber es werden immer mehr Tonnen Abfall. Das steht ganz hoch im Kurs, dass wir das in Zukunft in den Griff bekommen. Aber das Rad ist sehr schwer zurückzudrehen.

Das Stichwort Nachhaltigkeit wird beim Hurricane seit drei, vier Jahren recht groß geschrieben. Doch in puncto Energiegewinnung ist da sicher noch Nachholbedarf, oder?

Koopmans:Natürlich, aber das lässt sich nicht verhindern. Wir brauchen sehr hohe Leistungen in einem kurzen Zeitraum. Das heißt, mit einem Windrad, mit Sonnenkollektoren, ja selbst mit einer Feststromleitung könnten wir diese Leistungen nicht bedienen. Die sind nur mit Generatoren machbar. Der Traum wäre natürlich, dass komplett Scheeßel ein Veranstaltungsgelände wäre, wo man von überall auf den Wiesen und Weiden Feststrom legen würde. Das verträgt sich aber natürlich nicht mit der landwirtschaftlichen Nutzung.

Mit Everlaunch und Who killed Frank? standen in den letzten Jahren zwei in der Region verwurzelte Bands auf der Bühne. Für welchen Local-Hero wird dieses Mal Spielzeit eingeräumt?

Koopmans:Im Augenblick für gar keinen. Wenn wir eine Band finden würden, die für unseren Geschmack groß genug ist und nicht nur einmal im Jahr auf einer Schulparty spielt, würden wir sofort zugreifen. Mir ist im Moment aber keine Band aus dem Bereich bekannt, die in dieser Liga spielen würde und die wir noch nicht hatten.

Vielleicht sollten Sie sich vorab mal beim Heimatfestival umschauen.

Koopmans:Das was?

Heimatfestival – eine neue, von Scheeßelern organisierte Veranstaltung, die im Mai erstmals stattfinden wird – übrigens gar nicht mal so weit vom Eichenring entfernt. Dort treten gleich sechs Local-Heros auf. Welchen Tipp gibt der Experte den Machern mit auf den Weg?

Koopmans:Ich weiß nicht, ob man so ein Festival nur mit Amateurbands abwickeln kann. Es gab ja meines Wissens nach in Scheeßel schon kleinere Veranstaltungen mit Fury in the Slaughterhouse und Revolverheld – und das recht erfolgreich. Ich würde erst immer dafür sorgen, dass man eine Band hat, die eine gewisse Zugkraft besitzt.

Besuchen Sie überhaupt noch kleinere Festivals?

Koopmans:Hier und da gucke ich nochmal vorbei, ja. Letztes Jahr war ich zum Beispiel beim Mans-World- Festival in der Nähe von Zeven. Da waren um die 700 Besucher. Das finde ich nett und natürlich hilft es auch den ganzen kleinen Bands, dass es solche Initiativen gibt.

Infos und Fotos vom Hurricane Festival hier

Eine sportliche Frage: Was halten Sie davon, dass sich die Basketballer der BG 89 Hurricanes bei der Auswahl ihres Vereinsnamen am Hurricane bedient haben?

Koopmans:Ach, da habe ich kein Problem mit. Natürlich gibt es beim Hurricane einen Marken-Schutz. Und den würden wir wenn es hart auf hart kommt auch rechtlich verteidigen. Was ich beispielsweise nicht tolerieren würde wäre es, wenn sich im Umkreis von Rotenburg jede Party Hurricane-Party nennen würde. Aber bei den Basketballern finde ich das in Ordnung.

Angeblich ist mit denen ja auch noch eine Kooperation geplant.

Koopmans:Ja, nur das Problem was wir haben ist der Platz. Wir versuchen da noch eine Lösung zu finden. Das scheint aber noch relativ schwierig zu sein.

Welches Konzert hat der Privatmensch Koopmans zuletzt besucht?

Koopmans:Im Sommer die Rolling Stones im Hyde-Park. Das war prima!

Zum Schluss einen Tipp vom Festival-Chef: Welche Band sollten sich Besucher in diesem Jahr auf keinen Fall entgehen lassen?

Koopmans:Wer sehr gut ist – Reignwolf. Das ist ein Musiker, der diverse Instrumente gleichzeitig spielt. Der war auch schon mal beim Rolling Stone Weekender vor zwei Jahren. Beim Hurricane ist er das erste Mal dabei. Oh, dieser Act war noch gar nicht bekannt gegeben, jetzt wissen Sie es.

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