Bosse: Auf Augenhöhe mit den Fans

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Popsänger Bosse im Hurricane-Interview

Scheeßel - Axel Bosse (34) sieht aus wie der Typ von nebenan. Aber wenn er singt, reißt er seine Fans aus den Stühlen. Kurz vor seinem Auftritt beim Hurricane stand der gebürtige Braunschweiger unserer Zeitung Rede und Antwort.

Bosse, Ihre Auftritte beim Hurricane und Southside an diesem Wochenende sind die ersten in einer Reihe von Open-Air-Gigs in diesem Sommer.

Wie haben Sie sich auf die nächsten Wochen vorbereitet?

Axel Bosse: Gar nicht! Das aktuelle Set, das wir spielen, haben wir schon vor zweieinhalb Jahren eingeprobt. Dabei können wir uns aus einem Pool von 16 Songs bedienen. Natürlich ändern wir regelmäßig die Setlist, ansonsten würde es ja schnell langweilig werden. Was mich betrifft, halte ich mich gerade körperlich extrem fit. Heute morgen nach meiner Ankunft bin ich zum Beispiel schon durch die Heidelandschaft gejoggt. Gleich werde ich mich noch kurz im Nightliner aufs Ohr legen, was essen – ja, und dann ist schon mein Auftritt.

Bekommen die Fans heute schon neues Material zu hören?

Bosse: Nein, noch nicht. Zwar haben wir vor kurzem ein paar neue Lieder geprobt, allerdings bin ich mit den Texten noch nicht soweit. Bei mir ist das letzte Wort erst dann richtig gefixt, wenn ich es auch eingesungen habe.

Der Abschluss des ersten Teil Ihrer „Kraniche“-Tour liegt schon ein Vierteljahr zurück. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?

Bosse: Vor allem viel geschrieben - ach ja, und ich war für zwei Wochen im Urlaub. Erst neulich habe ich in Köln mein Live-Album geschitten, das Mitte Juli rauskommen wird.

2012 war Ihr erstes Mal auf dem Eichenring. Damals sind Sie auf der mittelgroßen Blue-Stage aufgetreten, heute geht`s auf die kleinste Bühne. Wurmt Sie das nicht ein bisschen?

Bosse: Nein, überhaupt nicht. Gestern beim Southside habe ich noch so bei mir gedacht: Eigentlich spielst Du lieber zu späterer Stunde und dann nicht vor 40000 Leuten. Unser Gig war im Zelt, da herrschte dichtes Gedränge. Das ist mir aber letzendlich lieber, als nachmittags in der Sonne aufzutreten.

Heute ist Ihr Auftritt aber an der frischen Luft ...

Bosse: Ja, zum Glück! Im Zelt ging mit gestern auch ehrlich gesagt ziemlich schnell die Luft aus. Okay, es ist auch irgendwie schön, wenn es beim Konzert von der Decke tropft. Aber da hatte ich echt das Gefühl, dass ich alt geworden bin.

Was ist das Schöne, bei so einem Festival zu spielen?

Bosse: Für mich ist das auch immer ein bisschen Urlaub. Schließlich liegt die Verantwortung nicht bei uns, sondern beim Veranstalter. Die Leute sind wegen ganz vielen Bands hier, bei unseren Konzerten sind sie für ein zweieinhalbstündiges Programm in die Halle gekommen. Das fühlt sich dann nochmal anders an. Wir kommen ja aus einer Ecke, wo man sich die Leute noch erspielt. Und das muss man hier auch auf eine geweisse Art und Weise. Das mag ich ganz gerne.

Sie kommen ja ursprünglich aus Braunschweig, leben heute in Berlin. Waren Sie früher auch schon einmal auf dem Hurricane – als Fan vor der Bühne?

Bosse: Nicht direkt. Seitdem ich 13 bin, bin ich mit Bands rumgefahren und habe für die T-Shirts verkauft. Das heißt, ich war auf allen Festivals schon tausendmal. Aber nicht als Zuschauer, sondern als Arbeitender. Und gecampt habe ich auch noch nie, da ich damals schon im Nightliner mitgewohnt habe.

Welcher Hurricane-Auftritt ist Ihnen aus dieser Zeit denn noch in besonderer Erinnerung geblieben?

Bosse: Der von Rage Against The Machine! Die Band war um die Jahrtausendwende voll mein Ding. Was mich aber wirklich umgehauen hat, war vor zwei Jahren Casper. Der hat damals hier direkt nach uns gespielt. Ein richtig geiler Typ! The xx fand ich auch ganz toll – die hatten übrigens bei der Fußball-EM auch parallel zum Deutschlandspiel ihren Auftritt – genauso wie ich heute Abend.

Heute stehen Sie selbst im Rampenlicht. Wie gehen Sie mit dem ganzen Hype um Ihre Person um?

Bosse: Also dieses Hype-Gefühl habe ich irgendwie immer noch nicht. Mir ist es wichtig, dass wenn ich auf der Bühne stehe, alles auf Augenhöhe passiert. Ich schaue aufs Publikum und denke mir: Mensch, mit 95 Prozent könntest Du auch mal einen Kaffee trinken gehen – und es wäre in Ordnung. Und so passiert es auch, wenn mich Leute auf der Straße ansprechen. Nein, das ist ziemlich unanstrengend.

Wieviel bekommen Sie eigentlich selbst vom Festival mit?

Bosse: Eine ganze Menge. Ich nehme mir einfach die Freiheit, mir so viel anzuschauen, wie möglich. Gestern auf dem Southside waren es vier Bands. Ja, und irgendwann muss ich mich dann zwingen, aufzuhören – immerhin will man ja seinen eigenen Auftritt nicht verpassen.

Was unterscheidet das Hurricane von anderen Open-Airs?

Bosse: Klar, es ist eine supergroße Veranstaltung, fühlt sich aber nicht so an. Das liegt wohl auch an der Natur drumherum. Das macht es gemütlich. Ich habe schon kleinere Festivals erlebt, wo es ungemütlicher zur Sache ging, wo man regelrecht als Künstler durchgeschoben wurde. Das ist hier nicht der Fall.

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