Musikalischer Mix

Bandknigge: Nähe und Echtheit als Etikette

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Manchmal ist es gar nicht die Musik, die im Mittelpunkt steht. Gestern bewiesen das Bonaparte mit ihrem Visual Trash Punk.

Scheeßel - Das „bestmögliche Line-Up aus allen Genres“ zu bieten, das hatte Hurricane-Booker Stephan Thanscheidt versprochen. Nun, was das Beste ist, ist ja bekanntlich Geschmackssache. Wort gehalten hatte der FKP-Scorpio-Geschäftsführer allerdings: Auch bei der 18. Auflage des Mega-Musikspektakels wurden alle Geschmäcker bedient.

Mädchenschwarm-Mucke von Passenger, Ed Sheeran, aber auch den englischen Abräumern 1975 über härtere Gangarten mit Volbeat oder Dillinger Espace Plan zu irischer Dampfmucke mit den Gute-Laune-Garanten Flogging Mollys bis zu den Spärenklängen von Lykke Li – es mangelte an nichts. Und bei jedem Festival gibt es Überraschungen, sowohl in positiver Hinsicht als auch in punkto enttäuschter Erwartungen.

Nicht so an diesem Wochenende – da fehlten die großen Ausschläge. Erfreulich: Casper lieferte eine ebenso gute wie fulminante Show ab wie Volbeat, die ihren Brachialrock mit Feuerwerk und allerlei Bühnendeko untermauerten. Gewiss, die großen Acts stehen unter enormem Erwartungsdruck – nicht alle vermochten selbigen zu befriedigen.

Eher enttäuschend am Vorabend Arcade Fire – und auch Mackelmore & Ryan Lewis wussten nicht alle Fans zu überzeugen. Doch das Hurricane wäre nicht das Hurricane, wenn es nicht musikalische Perlen jenseits der Hauptacts zur Prime Time zu heben gälte. Ob Fucked-Up-Sänger Damian Abraham das Bad in der Menge suchte und auch die (männliche!) Security sich seiner Knutscher nicht erwehren konnte oder Chuck Ragan auf der White-Stage zu früher Stunde am Freitagnachmittag das Zelt beim nur halbstündigen Gig zum Kochen brachte – es sind die geraden Typen, die sich nicht verbiegen und einfach ihr Ding machen, die ankommen. Egal, dass Flogging Mollys-Frontmann Dave King in die Jahre gekommen ist: Der gute-Laune-Folkpunk der Iren brachte das halbe Infield zum Tanzen und wirbelte Sand auf wie die Donots mit ihrer Anleitung zur Staubschlacht. Genauso reell wie Bosse, der seinen Ohrwurm „So oder so“ beim Bad in und mit der Menge sang oder die gern gesehenen Gäste Thees Uhlman oder Marcus Wiebusch, statt mit Kettcar auf Solopfaden unterwegs.

Hurricane-Festival am Sonntag: Mit Wiebusch, Bonaparte, Franz Ferdinand

Überhaupt: Wer sein „eigenes Ding“ macht, scheint beim Publikum anzukommen, jenseits aller Stilrichtungen. Echtheit und Nähe gehören zum Festivalknigge. Fast schade, dass in diesem Jahr kaum Crossover-Projekte dabei waren. Doch auch ohne Genre-Mix: Das Hurricane-Menü hat gemundet.

Man darf gespannt sein, was nächstes Jahr aufgetischt wird.

hey

Hurricane-Festival am Sonntag: Mit Wiebusch, Bonaparte, Franz Ferdinand

Hurricane Festival - der Sonntag

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