Lidl-Supermarkt auf dem Hurricane:

„Ein Schlag ins Gesicht der Gewerbetreibenden“

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Der Lidl-Supermarkt auf dem Gelände des Hurricane-Festivals steht bereits. 

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Eine der wohl weitreichendsten Neuerungen für die Besucher des Hurricane-Festivals wurde erst vor einigen Wochen angekündigt: Auf dem Gelände hält eine mobile Lidl-Filiale Einzug.

Statt „Tante Emma-Laden“ wie im Vorjahr heißt es nun zum Einkauf in den Rock Shop zu gehen – vorbei sind die kilometerweiten Märsche zu den Supermärkten im Kernort. Was aber bedeutet das neue Angebot konkret für Festivalbesucher wie Scheeßeler? Wir holten Stimmen aus der Bevölkerung ein.

Andrea Müller: „Der Gewerbeverein hätte mehr machen müssen.“

Die weitgehend einhellige Meinung: Für die Besucher selbst sicherlich eine Verbesserung, für Scheeßel ein weiteres Beispiel dafür, dass die Einnahmen, die aus dieser Mammutveranstaltung generiert werden, am Ort vorbei fließen. So meint Ralf Jürges, Ortsbürgermeister von Westervesede: „Der Lidl – ein zweischneidiges Schwert. Von Vorteil ist sicherlich, dass die Gäste nicht mehr in den Ort müssen und somit auch keinen Müll hinterlassen können. Für den Einzelhandel bedeutet das bestimmt Verluste – früher sind die Besucher in den Ort gepilgert und haben auch einen Teil ihres Geldes dort gelassen. Was ich mich frage ist, ob die Umsatzsteuer im Ort bleibt?“

Ähnlich sieht es Andrea Müller, Verkäuferin und Ausbilderin bei der Bäckerei Stelling: „Als Festivalgängerin – allerdings bin ich eher in Wacken – finde ich es schon praktisch, dass man auf dem Gelände alles bekommen kann. Als Anwohnerin denke ich allerdings, dass die lokale Wirtschaft eine große Chance verpasst hat. Der Gewerbeverein hätte mehr machen müssen – jetzt kommt eben Lidl.“

Ihre Filiale werde das allerdings wohl weniger betreffen: „Hier kommen die Besucher eh höchstens bei der An- und Abreise vorbei. In unserer Filiale in der Bahnhofstraße wird es wohl deutlicher zu spüren sein.“

Angelika Dorsch: „Sich zusammenzusetzen, scheint nicht gewünscht zu sein.“

Bedenken haben die örtlichen Supermärkte auch, auf dem Leergut sitzen zu bleiben. Die Befürchtung des „Leergut-Tourismus“ hat Bürgermeisterin Käthe-Dittmer Scheele dem Veranstalter gegenüber angesprochen: „Man hat uns zugesagt, für genügend Rücknahmestellen zu sorgen.“ Sie sieht in dem Lidl auch Vorteile: „Die Beschwerden von Anwohnern der Bahnhofstraße wegen Vermüllung durch Einkäufer vom Gelände werden sicherlich zurückgehen.“ Sorge macht ihr ein anderer Aspekt: „Das Auftauchen von Kleingruppen im Ort und die zufälligen Begegnungen mit den Einwohnern waren meist sehr harmonisch und haben die Akzeptanz für die Festivalgänger erhöht. Das wird nun wohl ein Stück weit wegfallen!“ Sie will sich nach dem Festival mit den Einzelhandelstreibenden zusammensetzen und mögliche Anregungen und Wünsche gebündelt an FKP Scorpio weitergeben.

Marketingexpertin und GVS-Mitglied Angelika Dorsch findet es „unmöglich“, dass der Lidl kommt: „Ein Schlag ins Gesicht der Gewerbetreibenden – seit Jahren haben wir versucht, mit den Veranstaltern Kontakt aufzunehmen, damit wir vor Ort nicht nur Nachteile haben.“

Auch ihre Einladung an Scorpio-Chef Folkert Koopmans beim Neujahrsempfang zum runden Tisch sei abgeblockt worden. Sie fordert, dass auch den Unternehmen vor Ort der Ticketverkauf erlaubt sein soll. „Sich zusammenzusetzen, scheint jedoch nicht gewünscht zu sein.“

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