Nur wenige Spuren deuten auf Hurricane-Festival hin / MSC entfernt jedes Jahr die Verewigungen

Die Legende von Helga

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Wer ist Helga? Die Festival-Besucher sind sich nicht einig. 

Scheeßel - Von Ulla Heyne - Große Ereignisse werfen üblicherweise ihre Schatten voraus. Das scheint allerdings nicht für das Hurricane zu gelten, das in gut acht Wochen über die vier Bühnen des Eichenrings geht.

Wer auf dem Eichenring nach Relikten vergangener Festivals sucht, wird nämlich enttäuscht. Keine Graffitis und keine Inschriften auf den Bänken der Besuchertribünen, die darauf hinweisen, dass hier nicht nur Jahr für Jahr mehr als 70 000 junge Menschen vieler Nationen gemeinsam feiern, sondern dass es hier auch zu zwischenmenschlichen Begegnungen kommt.

Das ist auch nicht verwunderlich, denn die ehrenamtlichen Mitglieder des MSC Eichenring entfernen zum Festivalende jegliche Verewigungen. Damit sorgen sie dafür, dass die Sitzbänke für mehrere Tausend Zuschauer auch in der neuen Renn- und Musiksaison im neuen Glanz erstrahlen. „Herzen mit Inschriften finden Sie höchstens im Wald“, so MSC-Sprecher Hans-Jürgen Koslowski.

Das Umsehen auf dem Gelände lohnt sich hingegen doch: „Helga“, wie es auf einer Leitplanke keine 50 Meter vom Haupteingang entfernt steht, deutet allerdings weniger auf eine Liebesromanze hin. Vielmehr handelt es sich um einen Ruf der Festivalbesucher, der im Laufe der Jahre Kultstatus erlangt hat und Wikipedia sogar einen eigenen Eintrag wert ist.

Allerdings kann auch dort nur über die Herkunft des Schlachtrufs spekuliert werden, der sich in den vergangenen Jahren wie ein Lauffeuer auf dieser und ähnlichen Massenveranstaltungen verbreitete und sogar Eingang auf T-Shirts fand. Ein Bericht, in dem ein Bremer Programmierer behauptete, den Spruch beim Hurricane 1999 in die Welt gesetzt zu haben, zog die Gegendarstellung eines Anwalts nach sich, nach dem es sich um eine Frau aus Niedersachsen handelt, die sich 1992 beim Bizarre-Festival so sehr mit ihrem Mann um eine Dose Ravioli gestritten hatte, dass sie kurze Zeit später im Backstage-Bereich mit einem Roadie anbandelte. Die ebenso verzweifelte wie lautstarke Suche des Gatten solle dazu geführt haben, dass bald die Festival-Besucher mitriefen.

Eine andere Theorie besagt, dass es an einem Festivaltag in Strömen auf dem Zeltplatz regnete, obgleich im Wetterbericht zuvor das Hochdruckgebiet Helga angekündigt worden war. Dieses kam allerdings nicht, und so soll der Brauch eingeführt worden sein, auf jedem Festival in der Hoffnung auf gutes Wetter „Helga“ zu rufen.

Die Ruhe vor dem Sturm

Die Ruhe vor dem Sturm - das Hurricane-Gelände

Sogar in die Literatur hat das Helga-Ritual es geschafft. In seinem Buch „Überleben auf Festivals“ widmet Autor Oliver Uschmann dem Phänomen ein Kapitel. Auf dem Eichenring hat Helga es immerhin geschafft, neben einigen Zigarettenschachteln, Ohrstöpseln und Kondomen im nahegelegenen Wäldchen als einziges gut sichtbares Relikt auf das Musikspektakel hinzuweisen – verewigt auf einer Leitplanke. Ob das reicht, den Wettergott gnädig zu stimmen, sei dahingestellt.

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