Geschäftsbeziehung zwischen Hurricane-Veranstalter und dem MSC fruchtet seit Jahrzehnten

„Längst ein Selbstgänger“

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Dietmar Hornig (v.l.), Johann Gerken und Hans-Jürgen Koslowski vom Vorstand können stolz sein auf das vom Verein ein Eigenarbeit geschaffene und gepflegte Stadion. 

Scheeßel - Von Ulla Heyne. „Ohne den MSC Eichenring würde es das Hurricane so nicht geben.“ Eine selbstbewusste, fast vermessen anmutende Aussage, die Hans-Jürgen Kowslowski, zweiter Vorsitzender des vor 63 Jahren gegründeten Vereins, da trifft.

Doch wer sich von dem „Hurricane-Veteranen“, der die Anfänge des Festivals nicht nur miterlebte, sondern in den ersten Jahren selbst prägte, die Historie der Zusammenarbeit zwischen dem Rennsportverein und dem Veranstalter des größten norddeutschen Musikspektakels schildern lässt, der merkt: Nichts liegt ihm ferner, als die eigene Person oder andere Einzelne in den Vordergrund stellen zu wollen.

Immer wieder betont der Elektromeister: „Namen spielen hier keine Rolle“. Im Klartext: Wichtig ist, dass überhaupt der Kontakt hergestellt wurde zum Veranstalter des Hurricane, damals, vor 17 Jahren. „Eine reine Geschäftsbeziehung“, wird das Oberhaupt eines mittelständischen Betriebs nicht müde zu betonen, eine sehr fruchtbare, wie die Vergangenheit gezeigt hat. Ein anderes Vorstandsmitglied habe Folkert Koopmanns, den „jungen Mann mit dem alten Ford Kombi“, damals ins Boot geholt – heute Kopf einer der größten deutschen Konzertveranstalter mit mehr als 80 Angestellten. Überzeugt sei er nicht sofort gewesen, nach dem Debakel des letzten Festivals, das 1977 so unrühmlich endete. Nach drei Monaten gegenseitigem Beschnuppern stand jedoch fest: „Wir arbeiten zusammen.“

Bis heute hat sich die Geschäftsbeziehung gehalten, auch wenn nichts mehr so ist wie früher: Statt damals 20 000 Musikjüngern tummeln sich mittlerweile 77 000 Fans auf dem Gelände, das der Verein nach seinem Umzug aus Appel vor 50 Jahren, wo die Sandbahn zu kurz für das Austragen internationaler Rennen geworden war, buchstäblich aus dem Boden einer brachliegenden Fläche gestampft hatte. Und Koopmans greife heute auch nicht mehr zum Telefon, wie in den ersten paar Jahren, wenn es darum ging, praktischen Rat einzuholen. „Das hat sich inzwischen so eingespielt, dass es längst ein Selbstgänger geworden ist“, so Koslowski.

Die Verwandlung des Renngeländes in ein Festival-Mekka ist schon lange an professionelle Firmen outgesourct, vom Abbau der Bandenbretter über Trinkwasserentkeimung. Ebenso das Abtragen des Walls auf 30 Metern Länge inklusive dreier Birken, um den Durchgang zur roten Bühne zu erweitern – in der Vergangenheit ein Engpass. Auch ein Teil des Infields soll geschottert und Drainagen gelegt werden, damit aufkommender Regen das Gelände nicht wie so oft unversehens in eine Matsch-wüste verwandeln.

Schotter statt Rasen – ob das schön sei? Diese Frage stelle sich nicht, in einer Geschäftsbeziehung sei es ein Geben und Nehmen, meint Koslowski pragmatisch. Und die klappt: Der Verein hält das Gelände in Schuss, drei Wochen vor und zwei danach erfolgt eine gemeinsame Begehung mit Überprüfung der Gebäude, des Turms und der Zäune auf Reinigungszustand und Beschaffenheit sowie Übergabe. Dass dabei Bänke demoliert werden, Banden ausgewechselt werden müssen und die Bahn zu erneuern ist, sieht das Vorstandsmitglied gelassen: „Ist doch klar, wenn da mehr als 70 000 Menschen rumlaufen. Das wird dann natürlich in Ordnung gebracht“.

Reich wird der MSC, neben den Eigentümer als Pächter Vertragspartner von FKP Scorpio, allerdings nicht: „Es reicht gerade einmal, um die laufenden Kosten zu decken“, erzählt Pressesprecher Dietmar Hornig: „Der Verein kann von Glück sagen, wenn er zum Jahresabschluss eine schwarze Null schreibt.“ Das liege auch an der gesunkenen Popularität der Sportart und den niedrigen Zuschauerzahlen beim Sandbahnrennen im Mai: „Früher hatten wir 20 000 Besucher, heute sind es gerade mal 2 000 bis 3 000. Es wird einfach zu viel angeboten“, ergänzt Schatzmeister Johann Gerken.

Um die Attraktivität des Sports zu erhöhen und den Nachwuchs jenseits jeglichen Wettkampfgedankens zu begeistern, vor allem aber Familien aus Scheeßel und umzu ein attraktives Freizeitangebot zu unterbreiten, will der Verein nach dem Hurricane eine Sandbahn von 285 Metern Länge für Kinder und Jugendliche bauen. Doch zunächst stehen jetzt, sieben Wochen vor dem Renntermin, andere Eigenleistungen an: der Zaun will inspiziert, je nach Bedarf zwischen 30 und 50 Pfähle erneuert, verwitterte Plankenflächen ersetzt, die Bahn mit Hilfe eine Lasergraters platt geschoben werden.

Allein im vergangenen Jahr wurden 900 Tonnen Ziegelmehl verdichtet und mit Bindemittel gegen den Staub versetzt, um aus dem Gemisch eine neue Bahn herzustellen. Instandsetzung der Gebäude, des Turms, Anschrauben der Tribühnenbretter für 5 000 Zuschauer – nicht nur die des international anerkannten Sandbahnrennens, einem der renommiertesten in Deutschland, sondern auch die des so unterschiedlichen, aber nicht weniger dezibelstarken Bruders.

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