Polizei blickt Hurricane gelassen entgegen

Festival-Beamte kündigen Drogenkontrollen an

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Hurricane-Festival: Zeltplatz in Scheeßel

Rotenburg - Das dritte Wochenende im Juni rückt näher. Für die Rotenburger Polizei ein fester Termin im Einsatzkalender: Hurricane-Festival in Scheeßel. Über 400 Einsatzkräfte werden auch diesmal für Sicherheit rund um eines der größten deutschen Musikfestivals sorgen.

Schon während der Anreise lenken zahlreiche Beamte als Funk- und Motorradstreifen auf mehreren Anfahrtsrouten den Strom der Festivalgäste in die richtigen Bahnen. Hat das Spektakel erst einmal begonnen, werden die meisten Einsatzkräfte zu Fuß, mit dem Rad und auf dem Rücken von Polizeipferden auf dem Gelände präsent sein. Am Montag nach der Abreise der fast 80.000 Festivalbesucher ist die Arbeit für die Polizei jedoch noch nicht beendet. Strafanzeigen müssen bearbeitet und Täter ermittelt werden.

Geplant wird der zweitgrößte Polizeieinsatz der Polizeidirektion Lüneburg nach dem Castortransport bereits Monate vorher in Rotenburg. Polizeioberrat Jörg Wesemann und Polizeioberkommissarin Janina Stolt tüfteln an Details, um auch die letzten Probleme vergangener Einsätze zu lösen. Zwar können die Beamten auf viele Jahre Festival-Erfahrungen zugreifen. Doch gerade diese Erfahrungen zeigen, dass es fast unmöglich ist, sich auf alle Szenarien vorzubereiten.

In den vergangenen Jahren veröffentlichte die Polizeidirektion im Vorlauf des Festivals eine Pressemitteilung mit Informationen zum geplanten Hurricane-Einsatz. Diesmal wurde eine andere Methode gewählt: In einer Art Selbst-Interview stellt die Polizei die wichtigsten Fragen zur geplanten Vorgehensweise und Polizeioberrat Wesemann antwortet.

Herr Wesemann, im vergangenen Jahr haben Regen und Gewitter die Anreise behindert. Aufgeweichte Parkplätze sorgten für kilometerlange Staus auf den Anfahrtsrouten. Gibt es für diesen Fall eine neue Strategie vom Veranstalter oder der Polizei?

Polizeioberkommissarin Janina Stolt und Polizeioberrat Jörg Wesemann planen den Hurricane-Einsatz der Rotenburger Polizei.

Wesemann: Die Polizei ist - wie alle weiteren Beteiligten des Festivals - auf gutes Wetter angewiesen und auch vom Wetter abhängig. Das hat man im letzten Jahr deutlich gespürt. Seit Jahren sind wir bemüht, alle Erfahrungen der Vorjahre - positive und negative - festzuhalten, zu bewerten und im positiven Sinne Schlussfolgerungen daraus zu ziehen. Unser Verkehrskonzept wurde nochmals überarbeitet. Wir können aber nicht verhindern, dass Fahrzeuge im vom Regen aufgeweichten Boden der Parkplätze einsinken und dadurch Verkehrsstauungen verursachen. Es ist nicht damit getan, die Parkplatzauffahrten zu verdichten. Genauso hilft es bei der Abreise nicht, möglichst viele Traktoren als Schleppfahrzeuge für eingesunkene Autos vorzuhalten, weil die schweren Gefährte den ohnehin lädierten Boden noch weiter aufweichen. Wir betreiben die Verkehrsführung in ganz enger Zusammenarbeit mit dem Veranstalter.

Wird es wieder Rauschgiftkontrollen während der Anreise geben?

Wesemann:Ja! Wir haben beim letzten Festival über 80 Blutentnahmen bei Fahrzeugführern durchführen müssen, die unter Betäubungsmitteleinfluss standen. Damit gefährden sie unbeteiligte Verkehrsteilnehmer und sich selbst. Wir werden auf der An- und der Abreise Fahrzeuge kontrollieren und kündigen das ganz bewusst und offen an.

Was beschäftigt Sie in diesem Jahr am meisten?

Wesemann:In diesem Jahr liegt wieder ein anderes Line-Upvor. Wir versuchen, gemeinsam mit dem Veranstalter und der Gemeinde Scheeßel, die möglichen Gefahrenlagen durch das Auftreten der verschiedenen Bands und mögliche Wechselwirkungen mit dem Publikum zu bewerten und richten daraufhin Sicherheitsmaßnahmen aus. Wir haben für die meisten denkbaren Szenarien und Gefahrenlagen bereits Maßnahmenkataloge erarbeitet, die auf den Einzelfall angeglichen werden müssen und beobachten natürlich auch mögliche Einflüsse, die zum Beispiel durch die Fußball-Weltmeisterschaft oder auch durch den neuen Riesen-Supermarkt auf dem Gelände entstehen können.

Sind Sie rund-um-die-Uhr im Einsatz oder teilen Sie sich Ihren Job in der Einsatzleitung?

Wesemann:Nein. Natürlich bin ich nicht rund um die Uhr im Dienst. Ich bin verantwortlich für die Planung dieses polizeilichen Großeinsatzes. Gleichzeitig bin ich polizeilicher Einsatzleiter im Nachtdienst. Den Tagesdienst leitet Polizeidirektor Burkhard Klein, Leiter der Polizeiinspektion Rotenburg, der gleichzeitig auch Gesamteinsatzleiter der Polizei ist.

Es entstehen viele Überstunden, wer bezahlt eigentlich den Polizeieinsatz?

Wesemann:Das ist genau so, wie bei anderen Großeinsätzen. Die Polizei hat unter anderem die drei Aufgaben der Gefahrenabwehr, der Verfolgung von Straftaten und die Erforschung von Ordnungswidrigkeiten. In diesem Zusammenhang ist bei einer solchen Großveranstaltung die Polizei natürlich mit "im Boot". Es wäre nicht opportun, diese Kosten dem Veranstalter in Rechnung zu stellen. Der Veranstalter konzentriert sich auf das eigentliche Gelände und hält auch eine hohe Anzahl von Sicherheitskräften vor. Die Polizei ist aber auch für das "Drumherum" zuständig und hat sich stets neutral zu verhalten und an ihren Aufgaben zu orientieren.

Das Festival "Rock am Ring" wird es 2015 am Nürburgring nicht mehr geben. Hat das künftig auch Auswirkungen auf das Hurricane-Festival in Scheeßel?

Wesemann:In diesem Jahr rechne ich nicht mit direkten Auswirkungen. Das "Rock-am-Ring-Festival" findet ja wohl planmäßig statt. Für die Folgejahre will sich der langjährige Veranstalter eine andere Location suchen. Angeblich will auch die Betreibergesellschaft des Nürburgrings ein ähnliches Festival auf dem Ring fortführen. Das werden wir abwarten. Es gehört jedenfalls ein erheblicher Aufwand dazu, der meines Erachtens nicht zu unterschätzen ist. Die Zukunft bestimmt aber doch das Publikum. Die Besucherinnen und Besucher bestellen und bezahlen die Tickets. Sie bewerten auch die Musik und das Ambiente. Das Hurricane-Festival ist hier gut aufgestellt und wird sich meiner Meinung nach weiterhin gut entwickeln. Von der Besucherzahl her, die durch die Gemeinde Scheeßel festgelegt wird, gehört diese Veranstaltung zu den größten in Deutschland. Ich habe im letzten Jahr das "Wacken-Open-Air"-Festival besucht und den Polizeieinsatz begleitet. Vor kurzem war ich zu einer Fortbildung "Sicherheit bei Großveranstaltungen" am Nürburgring in der Eifel. Durch regelmäßig stattfindende Treffen bin ich auch über Einsatzplanungen für Anlässe wie das Deichbrand-Festival ganz gut im Bilde und denke, dass wir uns in Scheeßel nicht zu verstecken brauchen. Insbesondere die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde Scheeßel, der Feuerwehr, dem Sanitätsdienst und dem Veranstalter sind Voraussetzungen für eine erfolgreiche Einsatzbewältigung.

Haben Sie noch Tipps für Festival-Gäste? Was empfehlen Sie besorgten Eltern, deren Kinder auch in diesem Jahr dem Hurricane entgegenfiebern?

Wesemann:Ich kann nur auf die rechtlichen Bestimmungen hinweisen, die allesamt dem Schutz von Kindern und Jugendlichen dienen. Der Veranstalter weist auf seiner Homepage ebenfalls darauf hin. Wer an der Veranstaltung Spaß haben will, sollte die Möglichkeit nutzen, sich "schlau zu machen". Ich persönlich fand die Handy-App und den Mailnewsletter des Veranstalters im letzten Jahr sehr gelungen. Die Polizei hat über diese Medien ebenfalls Informationen "gestreut". Die Polizei ist für die gesamte Veranstaltungsdauer vor Ort und wird gerne allen Hilfesuchenden weiterhelfen. Wir befinden uns im engen Kontakt mit den Gefahrenabwehrbehörden der Gemeinde und des Landkreises. Der Rettungsdienst ist ebenfalls dabei. Außerdem gilt: Niemand ist gut beraten, Drogen oder übermäßig viel Alkohol zu sich zu nehmen. Man zahlt doch Eintritt, um die Bands zu hören und ausgelassen Spaß zu haben.

Wie erreiche ich die Polizei während des Festivals am besten?

Wesemann:Die Notrufnummer "110" ist nur für Notfälle vorgesehen. Die Polizei in Rotenburg und in Scheeßel ist rund um die Uhr im Dienst. Auf dem Gelände gibt es eine mobile Polizeiwache. Außerdem sind ständig Fuß-, Fahrrad-, Quad- und Funkstreifen unterwegs. Sogar berittene Polizisten tragen zur Sicherheit der Besucher bei.

Haben Sie einen persönlichen Favoriten im diesjährigen Line-Up?

Wesemann:Im letzten Jahr waren MACKLEMORE & RYAN LEWIS ganz gut. Die sind dieses Jahr auch wieder dabei. Aber es gibt jede Menge hörenswerte Bands. Vorwiegend werde ich diese Musikgenüsse aber wohl in der Befehlsstelle der Polizei hören.

Hier sehen Sie Fotostrecken vom Hurricane-Festival 2013:

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Fans am Samstag 

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