Hurricane Festival: Westervesedes Bürgermeister spricht über die Auswirkungen

„Zwei Seiten der Medaille“

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Ortsbürgermeister Ralf Jürges betreibt keine Schwarz-Weiß-Malerei.

Westervesede - Von Ulla Heyne. Die Campingflächen sind gemäht, die ersten Dixiklos stehen in Reih und Glied auf der Wiese gegenüber dem Eichenringgelände und warten auf ihren Einsatz: Untrügliche Zeichen, dass das Hurricane vor der Tür steht. Und zwar vor der Tür der nächsten Nachbarn. Und das ist, abgesehen von einigen versprengt stehenden Häusern, die Ortschaft Westervesede.

Das größte norddeutsche Musikfestival: Fluch oder Segen? „Das kommt ganz drauf an“, meint Ortsbürgermeister Ralf Jürges, „die Medaille hat immer zwei Seiten.“ Er muss es wissen, schließlich ist er – neben einer Kontaktperson des Veranstalters – der Hauptansprechpartner für die Bürger. Etwa, wenn die Zufahrtswege zugeparkt sind, Dixiklos direkt vor der Auffahrt aufgestellt werden oder wenn nach dem Festival die Reinigungsarbeiten von innen nach außen erfolgen, zunächst auf dem Gelände selbst und erst später im Ort. „Bis dahin sind die Hinterlassenschaften natürlich schon längst in die Vorgärten geweht“, erzählt Jürges. Sogar einzelne Turnschuhe seien dort schon „gestrandet“. Oder in Getreidefelder gewehte Kleinzelte, die in die Mähdrescher geraten und sie beschädigen – auch das kommt vor.

Schwarz-Weiß-Malerei will der besonnene Familienvater jedoch nicht betreiben. Schließlich verdienen die Landwirte, die dem Hamburger Veranstalter FKP Skorpio ihre Flächen verpachten, gutes Geld. Ansonsten habe man wenig Vorteile – Hotel, Gasthof oder Supermarkt gibt es nicht am Ort, die „Bollerwagenkinder“, die bei An- und Abreise ihr Geld verdienen, kommen eher aus Scheeßel, von wo die Gäste mit der Bahn anreisen. Keine nennenswerten Einnahmequellen also, mal abgesehen von Landwirten, die mit ihren Treckern bei starkem Regen Autos aus dem aufgeweichten Gelände aus dem Matsch befreien. Dafür gibt es immer wieder Einquartierungen. Mal Einsatzkräfte der Polizei im Sportlergebäude oder, wie vor zwei Jahren zuletzt, die DRK-Einsatzzentrale im DGH. Und auch die Toilette in der Friedhofskapelle hat Jürges die letzten Jahre aufgeschlossen für die Polizei, „einfach aus Mitleid für die Jungs“, auch wenn sich hinterher die Frage stellte: „Und wer macht das alles wieder sauber?“ Klagen liegt dem passionierten Motorradfahrer jedoch fern: „Bisher hat die Zusammenarbeit mit dem Veranstalter gut geklappt. Nach Randalen auf dem Grillplatz wurden die Materialkosten für den Ersatz der demolierten Sichtschutzwände anstandslos übernommen, „dabei wären wir eigentlich in der Beweispflicht gewesen.“ Was des einen Leid ist – „einige ältere Einwohner nehmen an diesem Wochenende vor Trubel und Lärmbelastung Reißaus“ –, ist des anderen Freud: „Für die jungen Leute ist es toll, so etwas vor Ort zu haben und quasi Gastgeber zu sein.“

Und dann gibt es noch die kleinen Kuriositäten am Rande: Als im vergangenen Jahr das Ortsschild entwendet wurde und in Wismar wieder auftauchte, hat Jürges es persönlich abgeholt: „Die daraus entstehende Einladung, inklusive medialer Aufmerksamkeit – das hatte schon was“, erinnert er sich schmunzelnd. Dieses Jahr habe man, zumal es sich bereits um den zweiten Diebstahl einer Trophäe zur Erinnerung gehandelt hatte, schon über das Abschrauben der Schilder für die drei Tage nachgedacht. „Die Bürgermeisterin hat aber versichert, dass diebstahlsichere Schrauben verwendet wurden.“ Anketten will sich Ortsbürgermeister Jürges jedenfalls nicht. Und wer weiß, wohin die nächste „Dienstreise“ geht?

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