Hohe Frauenquote beim Hurricane-Festival 2014

Lack-Lily und die Babyfläschchen

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Lily Allen trat in Lack-Kleidchen auf. 

Scheeßel - Von Pascal Faltermann. Mit hautengem, schwarzem Lackkleid, orange-rot gefärbten Haaren und neonleuchtenden High Heels stolziert Lily Allen auf die Bühne. Leicht bekleidete Tänzerinnen in Hotpants aus Jeans tanzen um sie herum. Überdimensionale Babyfläschchen überzeichnen dekorativ die Szenarie.

Eine pompöse Pop-Show liefert die britische Sängerin beim Hurricane-Festival und ist damit nur die Speerspitze der außergewöhnlich hohen Frauenquote bei einer der größten Rock-Großveranstaltungen in Deutschland.

Die 18. Auflage des Hurricanes bietet von Freitag bis Sonntagnacht rund 100 Bands für musikverrückte, mehr als 70.000 Festivalbesucher. Auf vier großen Bühnen verteilt, finden sich musikalisch alle Stilrichtungen: Von Elektro bis Punk, von Rock bis Pop. Besondere Merkmale, eine Richtung des Festivals herauszuziehen, fällt schwer. Das dreitägige Spektakel in eine Schublade zu stecken - nicht möglich. Aber die zahlreichen Frontfrauen, die weiblichen Bandmitglieder, die fallen auf. Festival-Booker Stephan Thanscheidt erklärte in einem Interview, dass der Anteil an deutschen Bands über die Jahre kontinuierlich gestiegen sei. Auf die Frauenquote fällt kein gesonderter Blick.

Lily Allen spielt nach einer fünfjährigen Pause, in der sie geheiratet und zwei Kinder geboren hat, erneut auf der Sandrennbahn. Und mit Nachwuchs-Plastik-Fläschchen auf der Bühne gibt es Songs darüber, wie es ist, von Kopf bis Fuß mit Babybrei beschmiert zu sein („Life for me“) oder, dass das Leben einer Mutter eben auch mal hart ist („Hard out Here“). Heraus stechen andere. Selah Sue zum Beispiel. Die 25-Jährige, die eigentlich Sanne Putseys heißt, mit ihrer rauchigen Stimme. Eine junge, blonde Belgierin, die Soul mit funkigen Elementen verbindet und Einflüsse von Reggae, Rock und Hip-Hop zulässt. Sie gehört zu einer Generation von Musikerinnen, für die es keine stilistischen Abgrenzungen gibt.

Auch Mette Lindberg, Sängerin der dänischen Band The Asteroids Galaxy Tour, bewegt sich zwischen Soul und Funk. Mit unbeschwertem Sound kreiert sie Songs mit Ohrwurm-Potential. Das dritte Werk der Band "Bring Us Together" steht übrigens ab September in den Plattenläden.

Lykke Li, Maja Ivarsson (The Sounds), Jennifer Weist (Jennifer Rostock), Hannah Reid (London Grammar), Isabella Manfredi (The Preatures), Chvrches (Lauren Mayberry) sind weitere Beispiele für die ausdrucksstarken Performances der Damen. Ungehemmte, raue Stimmen von starken Frauen auf der einen Seite, überspitzt-übertriebene Shows mit Selbstironie auf der anderen.

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Und Herren der Schöpfung? Sie transportieren ihre Emotionen auf dem Eichenring mehr durch Nähe zum Publikum. Viele Sänger steigen in den Bühnengraben hinab, gehen in die Menge, fahren im Schlauchboot über den Händen der Besucher, trinken Schnaps mit den hartgesottenen Gästen in der ersten Reihe oder werfen ihre Plektren und Wasserflaschen den ausgestreckten Händen entgegen.

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