Andi Brügge im Interview

"Heute kennt die meine Schwester"

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Drummer Andi Brügge kurz vor dem Auftritt noch völlig entspannt.

Scheeßel - von Jessica Tisemann. Eine Stunde lang rockten die Broilers auf der Green-Stage. Schlagzeuger Andi Brügge erzählte uns vorab im Interview, was für Songs auf dem Hurricane laufen und ob es bald auch mal ein Liebeslied gibt.

Spielen Sie lieber auf Festivals oder lieber eigene Konzerte?

Andi Brügge: Beides hat auf jeden Fall was für sich. Festivals sind halt schön, weil man ganz viele Bands trifft, die man irgendwie kennt und mit denen man befreundet ist. Eigene Shows sind natürlich cooler, weil da die Leute nur für dich da sind und du mehr Zeit hast. Da müssen wir nicht drauf achten, ob wir fünf Minuten überziehen. Das hat natürlich auch was für sich. Aber ich möchte weder aufs eine noch aufs andere verzichten.

Sie sagen gerade, die Fans auf einem Festival sind nicht nur für ihre Band da. Stört Sie das?

Brügge: Nö, ganz im Gegenteil. Gerade bei „Mainstream-Festivals“ müssen wir vielleicht ein bisschen mehr arbeiten, damit wir die Leute auch erreichen, aber dadurch können wir uns natürlich auch einem viel größeren Publikum vorstellen und vielleicht noch ein paar Leute von uns überzeugen. Wenn du merkst am Anfang sind sie noch ein wenig verhalten und am Ende hast du sie dann bekommen, dann macht das auch extrem viel Spaß.

Was für Songs gehen besser auf dem Festival. Eher die ruhigen Nummern oder die härteren Songs?

Brügge: Ich glaube, besser gehen die härteren Sachen. Wir spielen auch viele alte Sachen und ein paar Neue und versuchen da einen ganz guten Querschnitt zu machen.

Sie sind ja schon ein bisschen länger dabei. Fällt einem das nicht schwer, den Fans immer wieder etwas Neues zu bieten?

Brügge: Wir haben gar nicht den Anspruch, dass wir sagen, es muss immer etwas ganz Neues werden. Wir lasen uns da eigentlich immer leiten, von dem was wir selbst mögen und wie wir klingen wollen. Und ob es genauso klingt wie auf der letzten Platte oder ob es halt neu ist, ist uns relativ egal, solange wir damit zufrieden sind. Bisher war es tatsächlich so, dass sich jede Platte anders angehört hat als ihr Vorgänger.

Ihr Song „Ich will hier nicht sein“ beschäftigt sich mit der Situation der Flüchtlinge. Warum gerade dieses Thema?

Brügge: Wir kommen alle aus der Punkrock-Ecke. Wir sehen uns auch alle ganz klar als linke, antifaschistische Band und da liegt uns das Thema natürlich am Herzen. Es ist ganz wichtig Statements zu setzen, deswegen haben wir das Lied auch als zweite Single genommen. Das war jetzt keine Entscheidung, wo wir sagen, okay das wird am ehesten im Radio laufen. Sondern wir haben uns gedacht, wir haben mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad und erreichen vielleicht auch ein paar der Mainstream-Medien. Und da haben wir gesagt, wir wollen unsere Bekanntheit ausnutzen, um ein Thema wieder ins Bewusstsein zu rufen, das uns sehr wichtig ist.

Was entgegnen Sie Fans, die sagen die Broilers entfernen sich immer mehr von ihren Wurzeln?

Brügge: Natürlich sind wir nicht mehr die Band, die wir noch 1992/93 waren, aber wir bewegen uns immer noch in den Kreisen, wir hören auch immer noch die Bands die wir damals gehört haben. Aber ich kann die Leute verstehen, die vielleicht frisch in die Szene kommen und sagen: ‚Mensch damals war das ne geile Band, heute kennt die meine kleine Schwester.‘ Da wäre ich vielleicht mit 16 auch so gewesen. Man will natürlich eine Band für sich haben und daher verstehe ich das schon. Allerdings wenn es dann in vielen Kommentaren auch ein bisschen unter die Gürtellinie ging, das macht mich dann schon sauer oder auch traurig. Wir lesen das alles und uns nimmt das zum Teil auch mit, aber wir werden uns weder von irgendwelchen Businesspartner vorschreiben lassen, wie wir zu klingen haben und genauso wenig werden wir uns von irgendeiner Szene vorschreiben lassen, wie wir zu klingen haben. Wir machen das, was wir möchten. Alles andere wäre auch unehrlich. Wenn wir jetzt mit Mitte 30, zum Teil mit Kindern und Familien, immer noch nur übers Saufen und den Way of Live singen würden, wäre das ein bisschen unehrlich. So sind wir einfach nicht mehr. Es gibt Themen, die uns mehr interessieren und mittlerweile Musik, die wir kennengelernt haben und die uns auch kickt. Und das versuchen wir alles irgendwie mit in dieses Konstrukt Broilers einzubauen.

Gibt es irgendwann auch eine Art „Liebeslied“, dass sich genau mit der Phase mit Mitte 30 beschäftigt?

Brügge: Wir haben ja mehrere Lieder, die sich mit dem „Erwachsenwerden“ beschäftigen. Nicht unbedingt Liebeslieder, sondern überhaupt welche, die die Zerrissenheit, wenn man noch halb Jugendlicher und halb Erwachsener ist thematisieren. Ob das dann auch nochmal in Richtung Liebeslied geht, wird sich zeigen. Konkret geplant ist da noch nichts, aber das ergibt sich vielleicht mit der nächsten Platte, mal schauen.

Die neue Platte ist ja Anfang des Jahres gerade erst raus. Gibt es trotzdem schon Pläne für neue Songs?

Brügge: Wir waren das ganze Frühjahr auf Tour, jetzt machen wir erstmal die Festivals und im Herbst und Winter geht es dann auf die zweite Tourhälfte. Und dann denke ich dass wir uns so im zweiten Halbjahr 2015 mal dran machen, neue Lieder zu schreiben und gucken wo es so hin geht.

Ist das immer eine Gemeinschaftsproduktion?

Brügge: Das ist schon eine Gemeinschaftsproduktion. Natürlich ist Andy der Hauptsongwriter und kommt dann mit einer Idee, einem Demo oder einer Melodie in den Proberaum und dann setzen wir uns zusammen und schauen uns an wo das so hingehen kann. Das heißt meistens läuft das dann so, wir zählen an und dann spielt jeder erstmal was und dann überlegen wir, wie wäre es da mal mit einem Reggae Part. Wenn wir glauben, so ist es ganz cool und eine gewisse Anzahl an Liedern haben gehen wir ins Studio. Das ist ein alter Bauernhof im Münsterland und da leben wir dann alle zusammen für die Zeit und arbeiten mit unserem Produzenten Vincent Sorg weiter daran. Der gibt dann auch nochmal ein bisschen Input. Und dann schauen wir, bis wir alle der Meinung sind, so ist es gut, so kann es weitergehen. Und dann nehmen wir es auf.

Was können ihre Fans noch von ihnen erwarten? Werden die Broilers noch mehr Mainstream?

Brügge: Wir haben uns tatsächlich, als wir neulich mal beim Bierchen zusammen saßen, überlegt, eigentlich wäre es cool, die nächste Platte mal wieder ein bisschen in die Richtung „Back to the Roots“ zu gehen. Mal wieder ein bisschen mehr Punkrock, weniger Pop. Allerdings meine ich, dass wir das vor der Noir auch schon gesagt haben. Also die Bemühungen oder auch die Lust ist schon dazu da, mal wieder ein klares Punkrock-Album aufzubauen. Ob das dann so kommt, werden wir sehen. Man muss dann schauen, was sich natürlich anfüllt und zu uns passt. jet

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