Zwei Festival-Welten auf dem Hurricane

Rocker gegen Raver

+
Party vor der White-Stage - das Hurricane lockt immer mehr Electro-Anhänger an.

Scheeßel - von Lars Warnecke. Sven ist bekennender Rocker, Angie eine Anhängerin der elektronischen Spielart. Während der eine, 33 Jahre alt, vor der Hauptbühne seine lange, blonde Mähne zu den Gitarren-Riffs der Donots schüttelt, zappelt die andere, 27 Jahre alt, vor der White-Stage zu den pumpenden Electro-Beats von Egotronic.  

Sie mit Knicklicht, umgehängter Plüschfigur und rosafarbender Sonnenbrille; er mit Pommesgabel, Jeansweste und Nietenarmband.

Ein Zwillingsfestival ist es ohnehin. Seit Anfang an geht das Hurricane-Festival eine Symbiose mit dem Southside in Neuhausen ob Eck ein. Die Sache mit dem Zwilling, sie muss jedoch im doppelten Wortsinn gelten. Denn Norddeutschlands größtes Festival ist weiterhin im Begriff, sich im musikalischen Sinne zu teilen. Der Rocker, quasi in Sichtweite zum Raver. Diese Entwicklung nahm mit der vor drei Jahren erfolgten Inbetriebnahme der White-Stage, auf der nicht nur, aber eben vor allem Acts aus dem elektronischen Bereich auftreten, ihren Lauf. An diesem Wochenende war sie besonders zu beobachten. Besucher erlebten quasi zwei Festival-Welten auf einem Gelände. Hier die Punkrock-Urgeisteine Bad Religion und ihre Headbanger-Gemeinde, dort ein House-DJ mit Namen Duke Dumont und seine im Strobolicht auf- und abtanzenden Party-Jünger.

Den will sich übrigens auch die vergnügungssüchtige Angie nicht entgehen lassen. „So ein Open-Air ist doch schon viel gemütlicher, als stickige Technohallen“, sagt die aus Hannover angereiste Ergotherapeutin. Nach Love Parade, Mayday, Nature One und dem Lovefield - nun also das Hurricane. Angie findet die Öffnung hin zu anderen, ganz und gar rockuntypischen Genres „richtig geil“. Es seien ja nicht nur Electro-Nerds wie sie, die das Festival bedient. „Hier ist vom Rocker über den Raver und Rasta bis hin zum Hiphopper wirklich für alle Geschmäckle etwas dabei“, sagt sie.

Das hat auch Sven, der Typ mit der langen Mähne, festgestellt. „Rock ist für mich eine Lebenseinstellung“, meint der Krankenpfleger aus Hamburg. „Es geht doch nichts über ein leidenschaftliches Gitarrensolo.“ Bumm-Bumm-Musik aus dem Rechner, dem könne er entsprechend nichts abgewinnen. „Das ist für meine Verhältnisse zu stumpf, hat überhaupt keine Seele“, sagt der Wacken-Fan. Angie zeigt sich da toleranter: „Ich will nicht sagen, dass ich Rock und Metal nicht mag, viele Lieder aus diesem Genre haben sogar Texte, die mir persönlich total gut gefallen - auf Electro-Mucke kann ich nur einfach besser abgehen.“

So unterschiedlich ihre Motivation, zum Hurricane zu kommen, auch ist – eines eint den Rocker und die Raverin dann doch an diesem Wochenende: Beide teilen sich auf dem Zeltplatz ein und dieselbe Wäscheleine. lw

Selah Sue, Lykke Li, Lily Allen und mehr

Hurricane-Festival: Skindred bis Fünf Sterne Deluxe 

Party beim Hurricane Festival in Scheeßel

Der Samstag auf dem Hurricane Festival

Das könnte Sie auch interessieren

Ansgar geht baden und Matthias versaut die Prüfung: Bilder von Tag 3 im Dschungel

Ansgar geht baden und Matthias versaut die Prüfung: Bilder von Tag 3 im Dschungel

Knappe Niederlage gegen Dänemark: DHB-Auswahl vor EM-Aus

Knappe Niederlage gegen Dänemark: DHB-Auswahl vor EM-Aus

SPD ringt sich zu Koalitionsverhandlungen durch

SPD ringt sich zu Koalitionsverhandlungen durch

Bilder: Deutschland unterliegt Olympiasieger Dänemark knapp

Bilder: Deutschland unterliegt Olympiasieger Dänemark knapp

Meistgelesene Artikel

Kommentare