Hurricane-Aufenthaltsverbot gegen zwei einschlägig bekannte Rotenburger

„Wer schlägt, bleibt draußen!“

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Keine SOS-Maßnahme, sondern prophylaktische Gefahrenabwehr: Der kommissarische Leiter der Scheeßeler Dienststelle Joerg Donhöfner setzt auf Prävention.

Scheeßel - Wenn in drei Tagen 73 000 Menschen auf dem Eichenring das Hurricane feiern, werden zwei Rotenburger wohl nicht dabei sein. Nach wiederholten Ordnungswidrigkeiten, zuletzt beim Frühtanz in Appel, hat das Ordnungsamt auf Betreiben der Polizei ein Aufenthaltsverbot für die beiden jungen Männer ausgesprochen.

Wenn sie sich auch nur den Zufahrtsstraßen nähern, drohen saftige Strafen und ein Zwangsaufenthalt im Hannoveraner Gefängnis. Unsere Zeitung sprach mit dem kommissarischen Leiter der Scheeßeler Polizeiwache Joerg Donhöfner.

Herr Donhöfner, wie muss man sich ein Aufenthaltsverbot konkret vorstellen?

Jörg Donhöfner:Dabei handelt es sich um eine Gefahren abwehrende Maßnahme der Ordnungsbehörde, quasi einen prophylaktischen Platzverweis. Wenn wir schon im Vorfeld Erkenntnisse haben, dass hier Gefahr im Verzug ist, informieren wir die Gemeinde und leisten eine Gefahreneinschätzung. Da können wir auf eine gute Zusammenarbeit mit Scheeßel, aber auch Fintel bauen. Auf Grundlage dieser Prognose verhängt der Ordnungsamtsleiter ein zeitlich beschränktes Aufenthaltsverbot für bestimmte Bereiche. Das kann ganz schnell umgesetzt werden und hat sich bei meiner Arbeit in Sottrum mit Intensivtätern mehrfach bewährt. Einer der Täter bat sogar um Verlängerung – es gab ihm einen roten Faden ...

Bei Tausenden von Besuchern ist das aber doch gar nicht zu überprüfen, oder?

Donhöfner:Sie würden sich wundern, wie schnell wir es schaffen, auch bei 73 000 Besuchern Vermisste zu finden. Die Wahrscheinlichkeit, dass Alkoholisierte – und über die reden wir hier – so auffallen, dass wir dessen gewahr werden, ist relativ groß. Dann reicht ein Abgleich des Ausweises mit der Platzverweisdatei.

Womit hätten die Uneinsichtigen dann konkret zu rechnen?

Donhöfner:Mit einem Zwangsgeld von 250 bis 500 Euro und einem Langzeitgewahrsam in Hannover für die Dauer des Verbots. Dazu kommen noch die Transport- und Aufenthaltskosten.

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Ist das nicht eine recht drastische Maßnahme?

Donhöfner:Nun ja, die wird auch nicht mal eben so bei Leuten verhängt, die einmal auffällig geworden sind, sondern der Polizei einschlägig Bekannten. Auch in diesen Fällen gab es im Vorfeld schon mehrfach erhebliche Straftaten, zuletzt in Appel, wo die Betreffenden drei Mal auffällig geworden waren, bevor wir sie, einen davon mit mehr als zwei Promille, zur Ausnüchterung in die Zelle verbrachten. Auch nüchtern zeigten sie sich beratungsresistent. Wir bedauern, wenn wir in Appel wegen einiger Weniger eingreifen müssen und es dann heißt: „Ihr macht uns Appel kaputt!“. Aber dass einige Wenige Tausenden die Veranstaltung kaputt machen mit mehrfacher gefährlicher Körperverletzung – einem der Beteiligten wurde ins Gesicht getreten –, dann geht das einfach so nicht. Dieses Verbot überlegen wir uns ganz genau – nicht nach dem Salzstreuerprinzip, sondern fallbezogen für kurze Zeit und sehr gezielt. Die Leute sollen auch ohne Polizei feiern können. Aber letztlich gilt immer: Wer schlägt, bleibt draußen! · hey

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