Externe Bespaßung statt Hauch von Anarchie – verspießt das Hurricane?

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Engagierte Aliens unterhalten die Fans – ein Konzept, das nur teilweise aufgeht.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Wenige schrille Typen, weniger Kostüme, dafür ein paar neue Sprüche auf den Pappschildern und Bespaßung von offizieller Seite – das könnte das knappe Fazit sein, wenn es um Trends beim diesjährigen Hurricane geht.

Denn jenseits von Bands und Bier sind es genau diese Faktoren, die für viele der mehr als 73 000 Besucher den Reiz des größten norddeutschen Musikevents ausmachen. Das weiß auch der Veranstalter: „Die Zeiten, wo man nur eine Bühne auf eine Wiese stellen und ein paar Gruppen engagieren musste, sind längst vorbei“, weiß auch Festivalleiter Jasper Barenbregt. „Heute wollen die Fans ein Gesamtpaket.“

Dem haben die Organisatoren von fkp scorpio Rechnung getragen. Doch nicht alle diesjährigen Neuheiten gefielen. So wird das 38 Meter hohe Riesenrad nachmittags kaum besucht, dafür abends, wenn der Platz vor den Bühnen bei Headlinern wie Rammstein oder den Arctic Monkeys eng wird, umso mehr. Der angekündigte Bauernmarkt besteht, je nach Tageszeit, aus einem bis drei Ständen. Auch wenn hier keine Schlangen stehen, wie vor den Crèpes- oder Dönerbuden – die Anbieter von „gesundem Frühstück“ und ökologischer Chili Con Carne sind zufrieden. Auch die Idee der Tauschbörse hat sich noch nicht rumgesprochen. „Das Konzept von „Tausch dich satt“ ist wohl noch nicht in den Köpfen der Besucher angekommen“, haben die Lotsen Nina und Anne festgestellt.

Auf den Campingplätzen gewohnte Bilder: Immer wieder das Trinkspiel Flunkyball, allgemein wirkt es aber etwas ruhiger – „die sind nach der heftigen Anfahrt einfach platt!“, mutmaßt ein Mitarbeiter der Security. Andere Camper lassen vor ihren Zelten Vorbeikommende Limbo tanzen oder bauen Kunstwerke aus leeren Bierdosen. Die unvermeidlichen Raviolidosen weichen immer mehr dem Snack am Asia-Stand. Neben Basisnahrung wie Crepes, Hotdogs und Fritten sind immer mehr Varianten zu haben, vom Burito bis zum Rösti. Verspießt das Hurricane?

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Fans am Hurricane-Sonntag

Auch wenn über das Eichenringgelände längst nicht mehr der Geist der Anarchie weht – was geblieben ist, ist die Freundlichkeit. Aggressionen gibt es kaum, im Ort sieht man Festivalgänger einträchtig mit Bewohnern des Seniorenheims ein Pläuschchen halten. Mit der Anarchie scheint auch ein guter Teil Kreativität flöten gegangen zu sein. Die bunten Morphsuits sind seltener geworden, Schlümpfe und Pacmänner flitzen nur noch vereinzelt über das Gelände. Stattdessen staunt man über die Walking Acts, die der Veranstalter organisiert hat: Marsmänner im Moonwalk, überdimensionale Steinfiguren oder riesige Fantasietiere. Ein bisschen fremd fühlt sich die nicht extraterrestrische, aber externe Bespaßung allerdings schon an.

Samstag: Bands, Campingplatz und endlich Sonne

Bands und Festivalisten am Samstagabend

Hurricane-Samstag: Bands, Campingplatz und endlich Sonne

Bands und Fans am Samstag 

Der Campingplatz am Samstag

So knutscht das Festival

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