Politisch korrekt oder Spießertum? Festival setzt mit Aktionen Akzente

Quo vadis, Hurricane?

+
Das Schmücken des eigenen Wohnmobils gehört zur Festivalkultur.

Scheeßel - Wohin entwickelt sich die norddeutsche Festivalkultur? Das Hurricane, mit mehr als 73 000 Besuchern eine der größten Veranstaltungen hierzulande, geht in diesem Jahr mehr denn je neue Wege: „Rent a Tent“, Bauernmarkt, Anreise mit dem Metronmom sowie eine Ausweitung des Green-Camping-Areals sind nur einige der neuen Akzente.

Nicht allen Besucher gefällt das. Fest steht jedoch eins: Ein gutes Line-Up allein reicht nicht mehr. Große Brüder wie Roskilde mit einer Woche Kunstaktionen, Schöner-Wohnen-Campkultur und Workshops machen es vor: Die Festivalkultur geht hin zum Rundum-Package mit Erlebnischarakter. Und: Bei den neuen Konzepten spielt auch der Umweltschutz eine entscheidende Rolle – zumindest für den Veranstalter.

Angefangen hat es mit wohl vor einigen Jahren mit dem „Green Camping“ – ein Areal beim Hurricane für Besucher, die trotz Feiern und Partylaune nicht in Dreck, Lärm und Anarchie hausen wollen. Für Hardcorefans ein Stein des Anstoßes, schließlich lassen sie jedes Jahr bei Flunkyball, Dosenravioli und jeder Menge Bölkstoff die Sau raus. Und haben für ihre umweltbewussten, naturliebenden und zumeist auch gesetzteren Mitmenschen reichlich viel Spott übrig, der gern in Foren wie dem Hurricane-Facebook-Account abgelassen wird. Doch die Macher der Mammutveranstaltung, die unter einigen Fans als „eines der dreckigsten Festivals Deutschlands“ gilt, haben gerade den Bereich für das „grünere Wohnen“ vergrößert.

Und sie haben eine Imagekampagne gestartet. Letztes Jahr zum ersten Mal mit ehrenamtlichen Müllsammlern, den so genannten „24/5-Lotsen“ dabei, die ihr Freiticket durch Arbeitseinsätze wie dem viel beachteten „Trashmob“ am Montag abarbeiteten, setzt FKP Scorpio diesmal mit zahlreichen Aktionen Zeichen in Punkto Umweltverträglichkeit. Das geht schon bei der Anreise los: Der Veranstalter ruft auf seiner Website zu Mitfahrgelegenheiten auf, besser noch zur Anreise mit der Bahn. Zur Steigerung der Attraktivität ist die Zugfahrt im Ticket enthalten, allerdings nur mit dem Metronom.

Probleme der multimedialen Neuzeit werden mit einem Smartphone-Akku-Auflade-Service begegnet, die Eule als neues Maskottchen soll lila Schwung in die Internetpräsenz bringen und den Timetable gibt es als App natürlich je nach Musikgeschmack individualisiert. Neben Fahrraddisco locken Poetry Slams und Riesenrad, für den ökologisch bewussten Festivalgänger gibt es einen Bauernmarkt. Und wem das fertig aufgebaute Mietzelt nicht genug Luxus ist, der mietet sich ein „Podpad“ – eine Holzhütte mit Lattenrost und Schaumstoffmatratze.

„Die Festivallandschaft geht zu Grunde, bald haben wir auf dem Zeltplatz ein Hotel stehen! Hat nicht mehr viel mit Leben auf dem Festival zu tun!“, macht Patrick Swolana im Forum seinem Unmut über diese Entwicklungen Luft. Ein User namens Sascha Nö stänkert gar: „Ich hab schon ’nen Pool gebucht, einen Bodybuilder, der unser ganzes Zeug auf ein Mal schleppt und der Bagger hebt gerade das Fundament für den Weinkeller unter dem Zelt aus ...“ Die Veranstalter nehmen die Kritik auf Facebook gelassen: „Wir bieten eine Plattform für unterschiedliche Arten von Musik. So ist es außerhalb des Festivalgeländes auch. Wir bieten auch auf dem Camping für unterschiedliche Gäste unterschiedliche Plattformen“, so Jasper Barendregt von FKP Scorpio, „plattformübergreifend wollen wir aber den Müll in den Griff kriegen, das gilt für den ganzen Campingplatz, nicht nur für das Grüner Wohnen oder unsere Pod Pads.“

Hurricane-Aufbau

Aufbau am Hurricane-Gelände

Es geht los: Der Hurricane-Aufbau startet

Egal, ob Bier aus dem Trichterschlauch, Caipi bei Elton im Vip-Campingbereich oder Knabbern am frischen, ökologisch korrekt gezogenen Kohlrabi vom Bauernmarkt: Das Hurricane verspricht bunter denn je zu werden. Man darf – wieder einmal – gespannt sein. hey

Die Bilder aus dem vergangenen Jahr

Hurricane Festival startet - die ersten Bilder

Hurricane-Festival: Regen, Boy Kraftklub und mehr

Hurricane 2012: Ganz viele Bands am Samstag

Hurricane-Festival läuft: Broilers und Casper am Nachmittag

Hurricane-Festival: Die kuriosesten Kopfbedeckungen

Die Homepage des Veranstalters ist hier

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Zu Gast im Botín: Schlemmen bei Spaniens uralter Attraktion

Zu Gast im Botín: Schlemmen bei Spaniens uralter Attraktion

Schüler getötet: Polizei nimmt Mitschüler fest

Schüler getötet: Polizei nimmt Mitschüler fest

Bluttat an Gesamtschule in Lünen - Bilder vom Einsatzort

Bluttat an Gesamtschule in Lünen - Bilder vom Einsatzort

Die 50 besten Abi-Mottos aller Zeiten

Die 50 besten Abi-Mottos aller Zeiten

Meistgelesene Artikel

Bandwelle früher als geplant: Papa Roach beim Reload Festival 2018

Bandwelle früher als geplant: Papa Roach beim Reload Festival 2018

Kommentare