Wäre die Welt ein Festival

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Anne Meerpohl und Simon Müller.

Scheeßel - Von Anja Segschneider. Wenn eine junge Frau auf einem Rock-Festival mit „Gay ist O.K.“-Schild vor einer christlichen Einrichtung steht, ist ein Eklat normalerweise programmiert. Doch auf dem Hurricane ist vieles anders – sogar die Art, wie unlösbare Probleme diskutiert werden.

Seit Jahren haben die freien Christen auf dem Festivalgelände ihr Zelt aufgeschlagen. Sie wollen „anregen, dass die Leute über Gott nachdenken“, erklärt einer der Freiwilligen, Simon Müller, 26. Er selbst ist im typischen Festivalalter, trägt Jeans und T-Shirt und hat kurze schwarze Haare. Bis auf die ruhige Art würde er sich selbst gut in das Bild des Hurricanes einfügen. „Es ist eine coole Möglichkeit, mit jungen Leuten zu diskutieren“, sagt er. Neben ihm steht Anne Meerpohl, 18, Jeans, T-Shirt, blonde Haare und bunte Farbe auf den Wangen. In der Hand hält sie ein Pappschild, „Gay ist O.K.“ steht darauf.

„Heute ist einer der freien Christen bei unserem Camp aufgetaucht. Wir sind ins Gespräch gekommen und im Laufe der Diskussion meinte er dann, dass Homosexualität eine Sünde sei. Eine meiner Freundinnen ist lesbisch“, erzählt sie, hält ihr Schild noch ein bisschen deutlicher vor die Brust und lächelt dabei freundlich. „Ich möchte ja nur wissen, was daran nicht in Ordnung sein soll, lesbisch zu sein“, fragt sie nun Simon Müller. Der freie Christ lächelt ebenfalls. „Gott liebt jeden Menschen wie er ihn gemacht hat“, sagt er. „Er liebt nur manche Dinge, die wir tun nicht. Wie die Homosexualität. Das steht an mehreren Stellen der Bibel, zum Beispiel in Römer 1, 26 bis 27.“

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Fans am Hurricane-Sonntag

Es sind unvereinbare Positionen, die da aufeinanderprallen. Dass es dabei so ruhig zugeht, sieht man selten. „Als meine Freundin gesagt bekommen hat, so wie Du bist, bist Du nicht O.K., hat sie erst mal angefangen zu weinen“, erzählt Meerpohl. Das sei auf keinen Fall, was die Christen beabsichtigten, betont Müller. Auch er habe Freunde „die so leben. Die kennen meine Meinung dazu. Aber die wissen auch, dass ich ihr Freund bin. Aber es ist nun mal mein Gott, und er hat diese Meinung.“

Am Ende reichen sich die beiden Festivalteilnehmer mit den so gegensätzlichen Ansichten nicht nur die Hände, sondern umarmen sich. Eines wünschen sie sich beide: Verständnis.

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