Mit den DRK-Rettern auf dem Hurricane-Gelände unterwegs

Von Schnapsleichen und Schnittwunden

+
Im Trailer der Einsatzzentrale laufen die Fäden zusammen.

Scheeßel - Von Anja Segschneider. Spaß und Feiern im Matsch bei literweise Bier, das kann eigentlich gar nicht gut gehen. Kein Wunder also, dass täglich Hunderte Besucher des Hurricanes im Sanitätszelt landen. Ein Lagebericht zwischen Schnapsleichen und Schnittwunden.

Im Schneckentempo schiebt sich der Rote-Kreuz-Bulli im Getümmel auf dem Festivalgelände voran. Die Reaktionen sind bei mehreren pro mille Alkohol im Blut nicht mehr sonderlich schnell. Es ist Freitagabend, 21 Uhr, der erste Tag beim Hurricane. „Die meinen es nicht böse, die bekommen es nur nicht mit“, sagt Jan Bauer vom Beifahrersitz aus. Er ist Einsatzleiter für den Sanitätsdienst beim Festival. „Auch Blaulicht hilft nicht.“ Bauer ist auf dem Weg zu einer von drei Behandlungsstationen im Infield, also mitten in die Menschenmenge vor den Bühnen. Ein paar Minuten zuvor wurde er angefunkt, er müsse sich das dringend ansehen, hieß es. Das Auto kommt nur bis zum äußeren Rand der Menge, den Rest muss Bauer zu Fuß erledigen. Das heißt für ihn drängeln, trotz neongelber Warnweste und resolutem Auftreten. „Stellen Sie sich vor, Sie müssten hier einen Verletzten durchtragen!“, ruft er.

Die Behandlungsstation ist mit Bauzäunen abgetrennt und Plastik blickdicht gemacht. Der Eingang ist so eng, dass die Sanitäter eine junge Frau, die auf einer Barre liegt, kaum hindurchbekommen. „Die Zuschauer haben die Zäune zusammengeschoben“, erklärt Bauer und schaut sich skeptisch in dem etwa fünf mal fünf Meter großen Bereich um. „Eventuell müssen wir hier dicht machen, wenn wir die Verletzten nicht mehr herausbekommen.“

Das Hurricanefestival ist eine echte Herausforderung für die gut 500 Rettungskräfte. Beinahe 80 000 Besucher und mehrere Tausend Personen, die dort arbeiten. „Das ist eine Stadt“, meint Bauer. Und die benötigt Infrastruktur. In den Trailern der Einsatzzentrale läuft daher alles hoch technisch ab. Jeder Mitarbeiter ist farblich mit Standort markiert. Etliche Sanitäter und Ärzte, vor der Bühne, dahinter und an verschiedenen Stationen, die zentral koordiniert werden.

Das Sani-Zelt ist einer der festen Punkte. Es liegt ein wenig versteckt hinter den Hügeln beim Haupteingang. Äußerlich weist es einige Ähnlichkeit mit der White Stage auf, innerlich hat es dann doch mehr von einem Bundeswehr-Feldlager. Das Gedränge an der Rezeption ist groß. Im Minutentakt kommen Krankenwagen mit Verletzten an. 750 Personen mussten die Ärzte und Sanitäter bereits in den ersten 30 Stunden versorgen.

„Es gibt zwei Sorten von Hurricanes: die staubigen und die schlammigen. Bei den staubigen haben wir es oft mit Nasenbluten und Bindehautentzündung zu tun. Bei den schlammigen mit Umknicken, Verstauchungen und Schnittverletzungen. Viele Leute laufen barfuß herum“, sagt Daniel Marx, einer der Ärzte. Ein junger Mann wird auf einer Trage an ihm vorbei gefahren, die schuhlosen Füße sind bis zu den Knien schwarz. „Das meine ich“, erklärt Marx. 

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Das Sanitätszelt ist in zwei separate Bereiche abgeteilt: links ein Raum für Behandlungen, rechts ein Ruhebereich mit Matten auf dem Boden. „Dort können sich alle auskurieren, die eigentlich nicht behandelt werden müssen. Bei Kreislaufproblemen – oder zu viel Alkohol“, erläutert Jan Bauer. Der Ruhebereich ist voll an diesem Abend.

Samstag: Bands, Campingplatz und endlich Sonne

Bands und Festivalisten am Samstagabend

Hurricane-Samstag: Bands, Campingplatz und endlich Sonne

Im Sanitätszelt wird es wohl noch voller werden, wenn die Behandlungsstation im Infield zugemacht werden muss. „Wir versuchen jetzt erst mal umzubauen“, sagt Bauer. Wieder wird er angefunkt. Es gibt noch viel zu tun für die Retter an diesem Hurricane-Wochenende.

So knutscht das Festival

So knutscht das Hurricane-Festival

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

US-Bundesregierung im Zwangsstillstand

US-Bundesregierung im Zwangsstillstand

Bilder: Abfahrer Dreßen stellt die Ski-Welt in Kitzbühel auf den Kopf

Bilder: Abfahrer Dreßen stellt die Ski-Welt in Kitzbühel auf den Kopf

Fotostrecke: Abschlusstraining vor dem Bayern-Spiel

Fotostrecke: Abschlusstraining vor dem Bayern-Spiel

Das sind die 99 beliebtesten Strände der ganzen Welt

Das sind die 99 beliebtesten Strände der ganzen Welt

Meistgelesene Artikel

Kommentare