„Hat mit Pop nichts zu tun“

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Mit besonderem Draht zu Deutschland: Tom Linton.

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Die Indierocker von Jimmy Eat World, in den 1990ern bekannt für Schrammelrock und emotionale Gesänge, sind mit ihrem neuen, deutlich gefälligerem Album nicht nur auf Gegenliebe gestoßen. Vor ihrem Konzert beim Scheeßeler Hurricane-Festival sprach unsere Zeitung mit dem Gitarristen Tom Linton.

Mr. Linton, am Sonnabend haben Sie Ihre Europa-Tournee in Prag eingeläutet. Wie war’s?

Tom Linton: Beeindruckend. Wir waren 1999 schon mal dort, als unser Album „Clarity“ herauskam. Der Auftritt war ganz anders als die üblichen Festivals: Die Bands haben ohne Barrieren direkt vor den Fans gespielt, nicht von der Bühne runter, sondern auf Augenhöhe – einfach klasse. Aber auch unsere Gigs in Deutschland sind uns besonders wichtig. Als wir zum ersten Mal hier waren, „Clarity“ war gerade herausgekommen, sind wir von unserem Plattenlabel abgezogen worden. Die Tour hier hat uns das nächste Album „Bleed Amerika“ finanziert, das uns zum Durchbruch verholfen hat. Schon deshalb ist Deutschland für uns immer etwas Besonderes gewesen, auch jetzt spielen wir eine Tournee auch in kleineren Städten.

Also quasi aus Dankbarkeit?

Linton: Ja, das auch. Aber das deutsche Publikum ist einfach klasse.

Wie vergleicht sich denn Europa mit Ihrer Heimat Amerika – gibt es da Unterschiede im Publikumsverhalten?

Linton: In Europa haben die Fans keine Scheu mitzusingen, auf- und abzuspringen und abzugehen. Das kennt man in Amerika eher nicht – zumindest nicht überall.

Wollen die Fans bei Konzerten eher die alten Songs hören oder die neueren?

Linton: Bei Festivals haben wir nicht so viel Zeit, da spielen wir nur zwei oder drei neue Sachen. Die aktuelle Scheibe ist ja erst seit einigen Wochen draußen. Da müssen wir den Leuten Zeit geben, sich die neue CD zu holen und die Songs kennen zu lernen. Bei unseren Konzerten ist sie ziemlich gut angekommen. Auf Facebook gab es aber doch auch ziemlich viele enttäuschte Kommentare von Fans der ersten Stunde. Einer schrieb: „Mein Gott, was macht Ihr da bloß?“ Das war bis jetzt bei jeder neuen Platte so, die wir rausgebracht haben. Zum Beispiel bei „Futures“ oder „Clarity“. Man muss sie einfach ein paar Mal hören.

Aber der Vorwurf, seichter zu werden – trifft der zu?

Linton: Wir hoffen natürlich immer, dass unsere Alben auch unseren alten Fans gefallen und wir noch ein paar neue dazubekommen. Aber einen Einfluss haben wir darauf ja nicht.

Sie sind ja schon geraume Zeit im Musikgeschäft, bald 20 Jahre. Hat Ihre Entwicklung vom rauen Indierock mit Gitarrenteppichen zu eher poppigeren Klängen auch etwas damit zu tun, dass Sie gesetzter werden?

Linton: Das hat mit Pop überhaupt nichts zu tun. Wir wollen halt nicht immer das gleiche machen, sondern immer etwas Neues. Wir entwickeln uns mit jedem Album weiter.

Und die derzeitige musikalische Richtung ist bestimmt auch radiotauglicher ...

Linton: Ob wir jetzt öfter im Radio gespielt werden? Ehrlich gesagt: Ich habe keine Ahnung. Zuerst waren wir intensiv im Studio, jetzt sind wir auf Tournee – da habe ich das nicht verfolgt.

Sie zertrümmern keine Hotelzimmer, sondern gelten als solide Familienmenschen – für die Medien fast langweilig. Könnte das mit dazu beigetragen haben, dass der ganze große Erfolg bisher ausgeblieben ist?

Linton: Hotelzimmer zertrümmern? Nein, dafür hätte ich kein Geld. Wir wollen einfach mit möglichst guter Musik überzeugen.

Bands und Menschen am Hurricane-Sonntag

Wenn Sie gleich auf die Bühne gehen, warten mehrere zehntausend Besucher auf Sie. Wie stimmen Sie sich ein – gibt es Rituale?

Linton: Nein, eigentlich nicht. Natürlich machen wir Gesangsübungen, und Drumsticks hängen für Zach auch immer irgendwo herum. Aber sonst – irgendwelche Beschwörungsformeln haben wir nicht. Ich glaube nicht an Vodooismus!

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