Training für den Katastrophenfall

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Bei ihm laufen die Fäden für die medizinische Versorgung zusammen: der leitende Hurricane-Notarzt Dr. Friedrich-Wilhelm Caliebe.

Rotenburg / Scheeßel - Von Anja Segschneider. Zehntausende wollen in diesem Jahr beim Hurricane feiern und Spaß haben. Für die Ärzte und Sanitäter vor Ort bedeutet das vor allem eins: Sie haben wieder alle Hände voll zu tun.

Zwei Tage vor Festivalbeginn sprach unsere Zeitung mit dem leitenden Notarzt Dr. Friedrich-Wilhelm Caliebe über seine Arbeit im Rettungszelt.

Herr Caliebe, wie oft waren Sie jetzt schon als Arzt beim Hurricane in Scheeßel dabei?

Friedrich-Wilhelm Caliebe: Es müsste jetzt mein 15. Festival sein. Seit 1999 bin ich dabei, seit 2001 als leitender Notarzt.

Melden Sie sich denn immer freiwillig, weil Sie die Musik so mögen?

Caliebe: (lacht) Nein, ich höre etwas ganz anderes, eher Frühbarock.

Und trotzdem jedes Jahr wieder Krach?

Caliebe: Einer muss es ja machen. Der Lärm ist auf Dauer schon ziemlich anstrengend. Aber es ist letztlich wie eine Großübung mit 80 000 Freiwilligen, bei der man ja letztlich auch für den Katastrophenfall trainiert. Alle Einsatzkräfte aus der Region kommen da zusammen – Polizei, Feuerwehr, Deutsches Rotes Kreuz. Mit denen kann man sich sonst in der Form so nicht abstimmen. Übungen sind doch immer sehr künstlich. Hier auf dem Hurricane kommt es dem Realfall nahe. Ich finde das sehr wichtig.

Wie ist es um die medizinische Versorgung vor Ort bestellt?

Caliebe: Wir bilden ein Team aus insgesamt etwa 25 Ärzten, neun in jeder Schicht, darüber hinaus sind zahlreiche Sanitäter im Einsatz. Zwei meiner Kollegen reisen sogar freiwillig aus Österreich an, weil sie gerne dabei sein wollten. Es sind jeweils sechs Mediziner im Rettungszelt und zwei im Rettungswagen tätig. Auch Backstage sind Ärzte zugegen. Im Rettungszelt können wir leichtere Verletzungen ohne weiteres behandeln. Wir halten auch zwei Intensivbehandlungsplätze für Notfälle vor, auf denen wir akut lebensbedrohliche Zustände behandeln können, und die Patienten für den Transport ins Krankenhaus vorbereiten. Wer genäht werden muss, der kommt ins Krankenhaus. Wer etwas Schlimmeres, als eine mittelschwere Alkoholvergiftung hat, auch.

Womit haben Sie es denn am häufigsten zu tun?

Caliebe: Alkohol und seine Folgen. Oder auch Alkohol- und Drogenmischintoxikationen. Und alles was so passiert, wenn die Motorik durch Alkohol nachlässt: Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen oder Verbrennungen.

Verbrennungen?

Caliebe: Ja, zum Beispiel durch Campingkocher.

Was sind denn die verrücktesten Geschichten, die Sie auf dem Hurricane erlebt haben?

Caliebe: Es passieren jedes Jahr verrückte Geschichten. Vor einigen Jahren hatten wir einen 18-Jährigen mit einer Alkoholpsychose, der konnte gar nicht mehr gebändigt werden. Den mussten wir für kurze Zeit in die geschlossene Psychiatrie einweisen. Am nächsten Morgen hatte ihn seine Mutter abgeholt, die ihm erstmal links und rechts eine klebte.

Haben Sie selbst Kinder?

Caliebe: Ja, drei Töchter. Die beiden ältesten sind 16 und 18. Sie dürften also selbst zum Hurricane. Die Älteste war vergangenes Jahr auch da, mit einer lettischen Austauschschülerin.

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Und da haben Sie keine Bedenken, obwohl Sie die schlimmsten Szenen sehen?

Caliebe: Nein. Wir hatten im vergangenen Jahr 1 600 Behandlungsfälle bei 80 000 Besuchern. Das ist prozentual gesehen nicht so viel. Ich habe meiner Tochter nur mit auf den Weg gegeben, sie solle sich warm anziehen und ausreichend zu trinken mitnehmen, nicht nur Alkohol. Abends habe ich dann meine Schicht so gelegt, dass ich sie nach Hause fahren konnte – und etliche andere Töchter.

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