Nachwuchs der Beekscheepers mischt beim Hurricane mit

Grenzgänger zwischen zwei Welten?

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Die Teenager in voller Pracht.

Scheessel - Eine Wall of Death ist ihnen ebenso geläufig wie eine Quadrille, und wenn sie Moshpit hören, wissen sie genauso, was zu tun ist, als wenn ihr Anleiter ihnen „Achterüm“ zuruft.

Jugend zwischen Hurricane und Trachtenbegegnung (v.r.): Simon Herrmann, Michel Brinkmann, Sarah Trochemowitz und Tabea Gerken von den Beekscheepers.

Die Jugend der Beekscheepers mischt sich unter Musikbegeisterte aller Herren Länder – im Juni feiern die Mitglieder mit 70 000 anderen auf dem Eichenring das Hurricane-Festival, vier Wochen später das Internationale Beeke-Festival. Dann heißt es: Tracht statt Mülltütenparka, Polka statt Pogo. Die Scheeßeler Jugend: Grenzgänger zwischen zwei Welten? Das sehen Michel, Sarah, Tabea und Simon nicht unbedingt so. Die Acht- bis Neuntklässler tanzen seit dem Grundschulalter. Simon, der inzwischen auch bei den „Dörpsmusikanten“ Geige spielt, ist von seinen Eltern mitgenommen worden: „Die haben immer schon da mitgemacht“, die anderen wurden in der zweiten Klasse angeworben. „Damals waren fast alle dabei, allein aus unserer Klasse“, erinnert sich Sarah. Heute sind es noch 25 13- bis 18-Jährige, die einmal pro Woche die „Scheeßeler Bunten“ tanzen. „Die meisten anderen haben jetzt einfach andere Interessen“, erklärt Tabea den Mitgliederschwund.

Ja, bei den Beekscheepers zu sein, gelte nicht gerade als cool. Angefeindet würden sie deshalb aber nicht – eher belächelt. „Da hört man irgendwann nicht mehr hin“, verrät Michel. So mancher war schon kurz vorm Aufhören. „Für Jungs ist das nochmal schwerer“, weiß Tabea. In der Gruppe verleiht die Tracht Sicherheit, allein würden sie sie nicht unbedingt anziehen. „Wenn man nach einem Auftritt allein in Tracht nach Hause geht, ist das schon komisch“, erzählt Simon, „nur die älteren Leute, die freuen sich immer total, einen von uns zu sehen.“

Warum sie immer noch dabei sind? Die Faszination, sie liegt eher in der Gemeinschaft als in der Musik. Privat legen sie Mainstream auf, „oder eben so Zeug, das auf dem Hurricane läuft.“ Sie schwärmen vom Gemeinschaftserlebnis in der Gruppe, von den gemeinsamen Reisen ins Ausland und erweisen sich als wahre Kosmopoliten. Sie haben noch zu ihren kroatischen Gastgebern Kontakt, zu Franzosen und werden in diesem Jahr auch selbst Gruppen betreuen – von Brasilien bis Portugal. „Die Leute, die man auf dem Hurricane kennen lernt, sind flüchtige Bekanntschaften. Mit denen hat man einen Moment lang Spaß und sieht sie nie wieder.“

Bei den auf Trachtenfestivals geknüpften Freundschaften sei das anders: Simon und Sarah haben noch zu tschechischen und ungarischen Tanzkollegen Kontakt, Tabea zu ehemaligen Gastgebern in Paris. Und trotzdem: Beim diesjährigen Hurricane, da sind sie alle dabei, abgesehen von Tabea zum wiederholten Mal. In diesem Jahr werden sie zelten, Ravioli essen, das volle Programm.

Ob sie sich trauen würden, in Tracht dort aufzulaufen? „In der Gruppe schon“, meinen die Jugendlichen einhellig. „Das kommt dann rüber wie ein Gag.“ – Aber dazu sind die traditionellen Trachten zu teuer, meint Tabea, und Michel sinniert: „Die Trachten müsste es als Morphsuit geben ...“ · hey

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