Dauerschichten beim Hurricane

„Die Atmosphäre ist der Kick“

Scheeßel - Etliche Festivalgänger haben gestern die kilometerlangen Staus hinter sich gebracht, die Campingplätze gestürmt und ihre Zelte aufgeschlagen. Doch nicht nur die Musikfans können den Beginn des Hurricanes auf dem Eichenring kaum erwarten – auch die Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes stehen bereits in den Startlöchern.

Wie in jedem Jahr, ist auch die Bereitschaft aus Lauenbrück unter der Leitung von Sascha Masemann mit dabei. Wir sprachen mit ihm über die Vorbereitungen. 

Herr Masemann, wie geht es Ihnen und Ihren Leuten kurz vor dem Festival?

Sascha Masemann:Ganz klar, wir fiebern alle dem Startschuss heute Nachmittag entgegen. Von den rund 60 Mitgliedern sind etwa 40 mit dabei. Wir sind alle auf freiwilliger Basis dabei und bekommen für die Arbeit kein Geld. Trotzdem haben sich viele extra Urlaub genommen. Zum Beispiel auch Kristen Newson, die extra jetzt aus Australien zurückgekommen ist, um beim Hurricane dabei zu sein. Generell ist es wie in einer Familie, einer muss sich auf den anderen verlassen können – auch wenn es mal Differenzen gibt. Während des Festivals ist alles andere abgeschaltet.

Das klingt alles sehr aufregend. Sie sind aber doch sicherlich nicht alleine dort?

Masemann:Natürlich kommen Helfer aus den Kreisverbänden aus ganz Niedersachsen und darüber hinaus zusammen. Pro Schicht, das sind jeweils zwölf Stunden (von acht bis acht), werden etwa 200 Helfer gebraucht. Diese gehen dann „Fußstreife“, sind im Bereich Technik und Sicherheit, Logistik, Material, in der Einsatzleitung, im Behandlungsbereich und beim Shuttletransport unterwegs oder geben den Einsatzkräften das Essen aus. Man lernt viele neue Leute kennen oder trifft Bekannte. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal, bedingt durch den Hochwassereinsatz, keine warme DRK-Küche, sondern einen Catering-Service.

Wenn sich jemand verletzt hat, was geschieht dann?

Masemann:Es ist wie im normalen Leben. Entweder man sucht eine der sieben Unfallhilfsstellen auf oder spricht einen Helfer an. Der setzt sich bei größeren Verletzungen, Herz- oder Atmungsbeschwerden und Kreislaufproblemen mit der Unfallhilfsstelle in Verbindung. Kurzfristig kommen weitere Helfer hinzu, oder es wird ein Transportmittel eingesetzt, um den Patienten abzuholen. Er kommt dann ins große Behandlungszelt. Dort sind Notärzte vor Ort, die weiterbehandeln und wenn es nicht anders geht, den Patienten ins Diakoniekrankenhaus überweisen. Im vergangenen Jahr wurden 2 750 Patienten behandelt, das waren rund 1000 mehr als 2011. Wie viele es diesmal werden, bleibt abzuwarten.

Während des Festivals leben an die 80 000 Menschen, die vielen Helfer an allen „Fronten“ – Feuerwehr, Polizei, Security, Putz- und Müllkolonne, Stromversorger und andere – eingerechnet, auf engstem Raum zusammen. Kracht es da nicht manchmal?

Masemann:Klar, man muss ja während seines Dienstes immer einsatzbereit sein, ist ständig angespannt und steht sozusagen immer „unter Strom“. Diese besondere Atmosphäre ist vielleicht auch der Kick, warum wir uns dem stellen. Alle persönlichen Fragen und Probleme treten in den Hintergrund. Das Hören oder Sehen von Bands – so man dienstfrei hat – spielt eine eher untergeordnete Rolle. Klar, ist das schön und einmalig, Bands zu hören, die man sonst nur aus dem Fernsehen oder dem Rundfunk kennt. Nach dem Zwölf-Stunden-Dienst ist man aber häufig geschafft. Wir sind schließlich dabei, um zu helfen. Das Wichtigste hierbei ist die Rotkreuzgemeinschaft, das Team wenn man so will.

Wenn alles vorbei ist, wie geht es Ihnen dann? Würdetn Sie das noch einmal machen?

Masemann:Ich denke für die meisten zu sprechen: Ja! Wir spüren dort an Ort und Stelle, dass wir gebraucht werden. Beim Hurricane können wir zeigen, was wir so drauf haben. Nach dem Festival gibt es dann noch Nachbesprechungen. Alles wird ausgewertet, um Rückschlüsse für das nächste Mal zu ziehen. Dann geht’s wieder ruhiger zu. Schließlich gibt es zum Abschluss noch eine große Helferparty für alle eingesetzten Kräfte. · hr

Rubriklistenbild: © Foto: Rutzen

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