„Die machen alle gerne mit“

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Malte Fiedler (.l.), Vera Pfeiffer, Maximillian Bolgen und Max Beckmann am Oxfam-Stand auf dem Festivalgelände.

Scheeßel - Von Mareike Bannasch - Einige Festivalgänger liegen im Gras und genießen die Sonne, andere ziehen in großen Gruppen zur Red Stage, während sich meterlange Schlangen vornehmlich weiblicher Besucher vor den Toiletten stauen. Mitten in all diesem Trubel auf dem Gelände des 16. Hurricanes stehen in zwei gegenüberliegenden Reihen die Verkaufsstände.

Hier gibt es alles, was das Herz eines Musikfans begehrt: T-Shirts, Piercings oder zeitlich begrenzte Tattoos. Doch nicht nur das: Wer etwas für eine gerechtere Welt tun will, der wird hier ebenfalls fündig.Wand an Wand stehen die Pavillons verschiedener NGOs (Nichtregierungsorganisationen), die sich für eine bessere Zukunft stark machen. Darunter auch das Festival-Team von „Oxfam“, ausgestattet mit Plakaten, Listen, Aufklebetattoos und Kugelschreiber. „Wir sind dieses Jahr mit acht Leuten vor Ort“, berichtet Max Beckmann, Mitarbeiter im Kampagnen-Bereich. Und das schon einen Tag vor Beginn. Während all des Anreisetrubels ist die Gruppe aus Berlin angekommen, um auf dem Hurricane Werbung für die Aktion gegen Nahrungsmittelspekulation zu machen.

Fotos vom Sonntag

Foto

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Laut einer Studie der Organisation seien die Nahrungsmittelpreise auf den Weltmärkten innerhalb von drei Jahren deutlich in die Höhe geschossen. Verantwortlich seien maßlose Spekulationen mit Agrarrohstoffen wie Mais oder Weizen, die so zur globalen Nahrungsmittelkrise beitragen. Maßgeblich daran beteiligt seien Finanzakteure wie Banken, Hedge-, Pensions- und Staatsfonds, die auf steigende oder fallende Nahrungsmittelpreise setzen, heißt es. Dadurch hofften sie, schnell hohe Gewinne zu erzielen.

Die EU-Finanzmarktreform in diesem Jahr bietet nun die Chance, gegen diese Machenschaften vorzugehen, so die Organisation. Um mehr Druck auf die Politiker ausüben zu können, sammeln die Freiwilligen von Oxfam Unterschriften, die im Herbst an Finanzminister Wolfgang Schäuble übergeben werden sollen. Damit versucht die Organisation, unter Berufung auf eine bestimmte Menge Gleichgesinnter ihre Interessen in der Politik durchzusetzen.

Festival am Samstag

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Und das mit Erfolg: Allein am Sonnabendmorgen bekommen die Freiwilligen rund 200 Unterschriften zusammen. „Das ist ein sehr guter Schnitt für einen Vormittag“, so Beckmann weiter.

Doch sind die typischen Festivalbesucher wirklich interessiert daran, das Leben der Menschen in der Dritten Welt nachhaltig zu verbessern? Das scheint angesichts von hunderten leeren Bierdosen, zurückgelassenen Ravioli-Dosen und Müllbergen doch eher zweifelhaft. Dennoch, Max Beckmann ist überzeugt, dass sich die Arbeit lohnt: „Das Thema ist natürlich sehr komplex und man muss es den Leute erst mal genau erklären. Aber sie sind alle sehr aufgeschlossen und machen gerne mit.“

So auch zwei junge Männer, die, obwohl sie bereits in Schlangelinien übers Gelände ziehen, am Stand Halt machen und sich in die Liste eintragen. „Man muss diese Konzerne unbedingt stoppen“, entrüsten sich die beiden und unterschreiben bereitwillig.

Doch das ist nicht das einzige, was sich das Team ausgedacht hat. Die Besucher können sich in einer Fotoaktion mit bunten Würfeln, dem Emblem der Kampagne, ablichten lassen. „Wir müssen natürlich auch etwas am Stand haben, dass junge Festivalbesucher anspricht und ihr Interesse weckt“, so Beckmann.

Besonders gut klappt dies vormittags, wenn die Festivalgänger noch gemächlich über das Gelände schlendern und sich zwischen den Ständen umgucken. „Wir haben eigentlich den ganzen Tag über Zulauf. Zumindest so lange, bis die großen Bands spielen.“ Aus diesem Grund machen die Helfer ihren Stand dann auch gegen 8 Uhr abends dicht – pünktlich zu den Auftritten der Headliner.

Den ganzen Sommer über reisen die Freiwilligen von Oxfam zu Festivals, aber auch bei etlichen Konzerten ist ein Stand der Organisation zu finden. „Wer Interesse hat, kann sich bei uns als Konzerthelfer bewerben. Wir suchen immer Freiwillige“, sagt Max Beckmann. Diesen Sommer sind die Festivalplätze bereits vergeben.

Mehr Infos und das Formular für die Bewerbung als Konzerthelfer gibt es auf www.oxfam.de

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