Bernd Zahn aus Salzwedel fotografiert seit zehn Jahren für den Hurricane-Veranstalter FKP Scorpio

„Es sind die Erinnerungen, die bleiben“

Das Hurricane-Lieblingsbild von Bernd Zahn.

Scheeßel - Von Pascal Faltermann - Umarmungen, Küsschen, laute Ausrufe – wenn Bernd Zahn ins Pressezelt des Scheeßeler Hurricane-Festivals kommt, passiert einiges. Ihn kennt man, ihn schätzt man und behält ihn in Erinnerung.

Sagen die meisten. Nicht wegen des langen Bartes. Auch nicht wegen der riesigen Kameraausrüstung, die er mit sich schleppt oder der Bilder, die er macht. Der 52-jährige Fotograf aus Salzwedel arbeitet seit zehn Jahren für den Veranstalter FKP Scorpio und schafft Nähe durch freundliche Bescheidenheit. „Die menschlichen Beziehungen sind es, warum ich immer wieder komme“, sagt Zahn selbst.

Bernd Zahn (r.) mit Richard Kruspe von Rammstein.

Auf Festivals wie Highfield, Mera Luna oder Melt lässt er sich sehen. Seine Auftraggeber variieren: Mal sind es Musiker, Gitarrenhersteller wie Gibson oder eben Veranstalter. Dabei hat er das Privileg, als einer der wenigen in den Backstage-Bereich zu dürfen. „Das ist aber für mich nur ein Weg zum Abkürzen und um Freunde zu treffen.“ Das Hurricane sei für ihn wie ein Familientreffen. Festivals bedeuten für ihn „positiven Stress“, wenn die Saison vorbei ist, sei er froh, nur einen Monat später könne es aber wieder los gehen. In Scheeßel freue er sich auf Fotolegende Rudi Keuntje, der seinem Alter sei. „Wir sind dann immer gern den jungen Kollegen behilflich“, so Zahn.

„Früher habe ich viel gesammelt, aber es sind die Erinnerungen, die bleiben“, erklärt der 52-Jährige. Oliver Riedel, Bassist der Band Rammstein, habe ihn zu dieser Einsicht gebracht, weil dieser gefragt habe, was er mit den ganzen Autogrammen und Postern eigentlich wolle.

Bernd Zahn hat Schornsteinfeger gelernt. Doch seitdem er elf Jahre alt war, faszinierte ihn die Musik. In der DDR reiste er mit den „bösen Bands“ durch die Lande. Beispielsweise Teufel (Mike Paulenz), der durch Bands wie Tanzwut und Corvus Corax bekannt war oder In Extremo. Als Geschäftsführer einer Videokette erhielt er Waschzettel von Plattenfirmen, da diese aber oft fehlerhaft waren, begann er selbst Texte zu schreiben und diese an die Labels zu schicken. Einen seiner ersten Texte schrieb er für den Kulturteil der Altmark-Zeitung (Ippen-Verlag). Bei der Arbeit für andere Verlage benötigte er später auch Fotos und machte diese eben selbst. Sein Netzwerk – auch durch die Arbeit für die Bravo – wuchs immer weiter an. Er lernte Musiker, Manager, A&Rs (Artists and Repertoire) und Veranstalter kennen. 1997 arbeitete er ein- und erstmalig für den Veranstalter des Hurricane-Festivals. 2002 fragte ihn Pressefrau von FKP Scorpio, Elke Ulferts, ob er nicht mal wieder kommen wolle. Dieses Jahr ist er zum zehnten Mal in Folge da.

Anreise am Donnerstag

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Wenn er auf 30 Jahre Musikgeschäft zurückblicke, müsse er feststellen, dass nicht viel geblieben sei, von „Sex, Drugs and Rock 'n' Roll“. Musik sei mittlerweile wie ein zertifiziertes Unternehmen, es funktioniere wie bei VW die Fließbandarbeit. „Die wirklichen Perlen gehen dabei unter, denn Musik braucht wie jede Kunst Zeit“, so der Freiberufler. Die besten Erfindungen seien durch Langeweile entstanden. Der Rock-Fotograf sieht sich selbst nur als Kontakt zwischen Künstlern und dem entsprechenden Medium und diesen Job wolle er bestmöglich machen, schließlich sei er Dienstleister. Das mittlerweile jeder Festivalbesucher mit dem Smartphone fotografiert, sieht er entspannt. „Ich kann mit dem Handy einen Schnappschuss machen, aber man braucht für gute Bilder eben auch das Equipment, das Wissen und Können. Journalisten müssen allerdings immer mehr in immer kürzerer Zeit machen und zudem auch digital funktionieren. „Das geht nicht“, betont Zahn. Dennoch halte er es für richtig, dass man schreibe und fotografiere. So bekomme er ein viel besseres Gefühl, einen ganz anderen Blickwinkel auf die Geschichte, das Produkt. 

Anreise, Kopfdeckung und Gefährte

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Das Konkurrenzdenken in Deutschland hält er für zu stark. In Amsterdam habe er zu Analog-Zeiten miterlebt, wie sehr sich die Fotografen gegenseitig helfen. Nicht nur mit Batterien und Objektiven, sondern auch mit Bildern, wenn der andere ein bestimmtes nicht gemacht habe. Teamwork eben. „Wir brauchen untereinander diese Unterstützung und müssen uns helfen. Ich fotografiere gerne Kollegen, damit ich im Nachhinein Bilder von ihnen habe. Das freut mich.“ Auf seinen Kultstatus angesprochen, verneint er diesen sofort. Er sei jemand wie alle anderen.

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