Polizeisprecher Detlev Kaldinski spricht über das Hurricane-Festival – nicht nur als Polizist

Hurricane Festival: „Ein bundesweites Markenzeichen“

Die Sicherheit beim Hurricane im Blick: Detlev Kaldinski wird wieder auf dem Eichenring im Einsatz sein. ·

Rotenburg/ Scheeßel - Von Guido Menker · Vom 22. bis zum 24. Juni steigt in Scheeßel das Hurricane-Festival. Auf dem Gelände wird auch Polizeisprecher Detlev Kaldinski zu finden sein. Im Interview spricht er über das Großereignis – aber nicht nur als Polizist.

Herr Kaldinski, Sie sind nicht nur Scheeßeler, sondern Sie sitzen auch in Ihrer Heimatgemeinde im Rat und sind beruflich als Sprecher der Rotenburger Polizei weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt. Außerdem sind Sie auch selbst Musikfan. Wovon wird Ihr Besuch beim Hurricane-Festival am meisten geprägt sein?

Detlev Kaldinski:Von Arbeit! Einen Besuch würde ich das nicht nennen. Für fünf Tage verlegen wir unseren Lebensmittelpunkt auf den Eichenring. Für die Polizei ist jedes Hurricane Festival eine neue Herausforderung. Auch wenn wir inzwischen viel Routine haben, gibt es in jedem Jahr neue offene Fragen. Diesmal sind es die Viertelfinalspiele der Fußball-EM, die abends stattfinden. Wie viele Besucher kommen schon am Donnerstag, wenn Deutschland spielt? Was heißt das für die Anreise? Aber auch die neue Bühne und das größere Zelt schließen wir in unsere Überlegungen ein.

Als Polizist haben Sie also mit dem Festival viel Arbeit – vor allem auch im Vorfeld. An was müssen Sie alles denken, damit am Ende der Einsatz so laufen kann, wie er geplant ist?

Kaldinski:Für mich beginnt das Hurricane mit Abschluss des vergangenen Festivals. Wir prüfen eingehend: Was ist gut gelaufen? Was ist verbesserungswürdig? Hatten wir für die Aufgaben genügend Personal? Im Frühjahr fangen die ersten Besprechungen an. Wir fordern Unterstützungskräfte und das nötige Material an. Die Erfahrungen aus dem Vorjahr fließen in die Planungen des kommenden Festivals ein. Das ist für uns ein stetiger Verbesserungsprozess. Und wir führen Workshops durch, wo wir denkbare Einsatzlagen durchspielen und uns auf diese vorbereiten. Dazu gehört auch, dass wir uns mit den Musikgruppen intensiv beschäftigen, denn die ziehen ein bestimmtes Publikum. Eine Punkband hat beispielsweise andere Gäste als Milow. Darauf müssen wir uns einstellen und das Personal vor Ort haben.

Bereits in den vergangenen Jahren haben Sie die gute Zusammenarbeit mit dem Veranstalter FKP-Scorpio sehr gelobt. Was zeichnet eine gute Kooperation bei einer solchen Veranstaltung eigentlich aus?

Kaldinski:Die Zusammenarbeit ist von Professionalität und Vertrauen gekennzeichnet. FKP-Scorpio ist einer der versiertesten Konzertveranstalter in Deutschland mit sehr viel Erfahrung und Know-how. In Fragen der Sicherheit werden keine Kompromisse eingegangen, das ist für uns sehr wichtig. Offene Fragen werden schnell und umfassend geklärt und auf neue Lagen wird flexibel reagiert. Das Gegenteil haben wir 1977 in Scheeßel erlebt, als wir einen unprofessionellen Veranstalter hatten, die Bühne brannte und geplündert wurde. Bei FKP Scorpio haben wir Gewissheit, dass jede Band zur rechten Zeit auf der Bühne ist.

Rund 75000 Besucher werden zum Eichenring strömen. Das entspricht einer Stadt, die drei Mal so groß ist wie Rotenburg. Da müssen Regeln gelten, ohne dabei den Menschen den Spaß am Festival zu nehmen. Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten Spielregeln, die es zu beherzigen gilt?

Kaldinski:Selbstverständlich dürfen keine Drogen, Waffen oder gefährliche Gegenstände auf das Gelände gebracht werden! Die Polizei wird wieder umfangreiche Anfahrt- und Abfahrtkontrollen durchführen. Ein neues Phänomen sind „Bengalos“, wie sie am Dienstagabend beim Fußballspiel Düsseldorf gegen Berlin zu sehen waren. Auch beim Hurricane gab es das im vergangenen Jahr. Wir werden das mit Video dokumentieren und Strafanzeigen gegen die Tatverdächtigen erstatten, wenn Bengalos auf dem Gelände gezündet werden. Es sollte auf keinen Fall von hinten gedrängelt werden, vorn entsteht so ein großer Druck, der zu Verletzungen führen kann. Crowdsurfing wird zunächst mit einer gelben und im Wiederholungsfall mit einer roten Karte geahndet. Weisungen von Ordnern und Polizisten sollten in jedem Fall befolgt werden, sie dienen der Sicherheit. Warnhinweise über Apps, Internet und auf den Videowalls sollten unbedingt ernst genommen werden.

Sie und Ihre Kollegen werden ganz sicher wieder alles daran setzen, damit diese Vorgaben auch Wirklichkeit werden. Aber so ganz nebenbei werden Sie ja auch mitbekommen, was auf den Bühnen passiert. Auf welche Band freuen Sie sich persönlich am meisten, bei welchem Auftritt werden Sie sich eine kleine Auszeit vom Dienst gönnen?

Kaldinski:In diesem Jahr sind Bombay Bicycle Club, Boy, The Temper Trap und Beirut meine persönlichen Favoriten, also eher ruhige Musik. Ich werde aber wohl wieder wenig davon mitbekommen, weil mich andere Aufgaben fordern.

In Ihrem Dienstzimmer bei der Polizei hängt immer noch ein Plakat vom legendären Festival in Scheeßel in den 70er Jahren. Sie können vergleichen und sagen uns ganz bestimmt, worin die Unterschiede zu den Festivals von damals und heute liegen – nicht nur aus polizeilicher Sicht.

Kaldinski:Ganz einfach: 1973 konnte man vor der Bühne zelten. Ich habe nachts aus meinem Zelt heraus Lou Reed und Manfred Manns Earth Band angeschaut und dabei im Schlafsack gelegen. Das wäre heute vor der Bühne undenkbar! Es waren aber auch nicht so viele Menschen auf dem Gelände. Drogen spielten in den 70ern übrigens eine viel größere Rolle, als heute. Harte Drogen wurden beispielsweise auf dem Eichenring, aber auch in Scheeßel offen angeboten. Einige hatten Schilder mit ihrem Angebot. Heute wären solche Dealer nach kürzester Zeit festgenommen.

Sie sind ja auch Ratsherr, und als solcher wird es Sie mit Stolz erfüllen, dass dieses Festival in Ihrer Gemeinde angesiedelt ist – und das schon seit vielen Jahren. Weiß die Gemeinde das eigentlich für sich zu nutzen, oder könnte sie aus vielleicht noch viel mehr Kapital daraus schlagen?

Kaldinski:Früher musste ich auf Reisen in Deutschland auf die Frage, wo ich herkomme, zumeist die benachbarten Hansestädte zur Erklärung bemühen. Heute sage ich einfach Scheeßel! Man war entweder schon selbst da, die Kinder sind schon mal da gewesen oder man kennt zumindest einen, der zum Hurricane fährt. Für Scheeßel ist das Hurricane ein bundesweites Markenzeichen.

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