„Gutmenschen machen eine sehr schlechte Welt“

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Nico und Maxim (v.l.) im Interview.

Scheeßel - Von Matthias Berger - Der Titel der kontroversesten Band auf dem Hurricane geht in diesem Jahr eindeutig an K.I.Z. Mord, Geschlechtsteile, ein Song gegen die Deutschland-Euphorie – die Hip-Hop-Formation lässt keine Gelegenheit zur Provokation aus. Im Interview sprechen die Rapper Nico und Maxim über Patriotismus, Ironie und ihre homosexuelle Zukunft.

In „Biergarten Eden“ macht ihr euch über den wiederentdeckten Nationalstolz der Deutschen lustig. Was stört euch daran?

Nico: Weil Patriotismus, oder Nationalismus, ganz schnell umschlägt in ‚Ich mag die anderen nicht‘.

Maxim: Wenn 2005 Leute im Autokorso durch die Straßen gefahren wären, hätte jeder die Polizei gerufen und gesagt: ‚Die NPD fährt hier gerade durch meine Straße und macht eine unangemeldete Demonstration.‘ Das war ein staatliches Angebot, jetzt mal wieder richtig stolz auf die Flagge zu sein. Gerade in Zeiten, in denen die Unterschiede zwischen den Menschen, die Gegensätze zwischen arm und reich, so deutlich sind, ist es umso wichtiger, dass man eine Flagge hat, die die Leute zusammenhält – obwohl sie eigentlich gar nichts zusammenhält. Ich finde albern, wenn sich die Leute für dieses Deutschland aufopfern wollen, obwohl es für sie nichts Gutes bedeutet.

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Eure Texte sind sehr provokativ. Ist die Ironie da eine Art Sicherheitsnetz für euch?

Maxim: Ironie macht einfach unfassbar Spaß. Oft ist es bei mir so, dass ich keine tolle Message rüberbringen will. Aber es kommt dadurch nicht so von oben herab, wenn ich mich selbst mit dem ‚Feind‘ gleichsetze, wenn ich mich in die Rolle des Bankers oder Nazis versetze.

Gibt es für euch Tabu-Themen, die ihr in euren Texten nicht aufgreifen würdet?

Maxim: Über Hämorrhoiden würde ich nicht rappen, das geht mir zu weit.

Nico: Aber es gibt doch jetzt Anal-Wehen-Trombosen, also ist das nicht so schlimm.

Die Ärzte haben auch mit provokanten Texten angefangen und sind dann gemäßigter geworden. Könnt ihr euch eine ähnliche Entwicklung vorstellen?

Maxim: Wenn ich in 20 Jahren so aussehe und so auf der Bühne stehe, wäre ich nicht unglücklich. Aber wir haben noch Zeit. Die sind ja doppelt so alt wie wir.

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Ihr wünscht euch eine Welt ohne Frauen. Homosexualität ist im Hip-Hop-Geschäft eigentlich ein Tabu-Thema. Aber Hand aufs Herz: Seid ihr schwul?

Nico: Nein, aber das können wir ja noch werden. Wenn die Welt endlich von den Frauen bereinigt ist, kommen wir nicht umhin. Das ist dann auch in Ordnung. Jetzt ist es noch ziemlich schwul.

Maxim: Der Song ist entstanden, weil alle immer gesagt haben, wir seien so antisexistisch. Da haben wir uns gesagt, wir machen mal einen Song gegen Frauen.

Ihr habt kein Interesse daran, bei den Gutmenschen anzukommen?

Maxim: Nö. Gutmenschen machen eine sehr schlechte Welt.

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