"Es ist der beste Job der Welt"

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Ulla Heyne im Interview mit Frank Turner. 

Der englische Singer-Songwriter Frank Turner ist seit vielen Jahren im Geschäft, gerade bastelt er an einem neuen Album. Nach seinem Auftritt beim Scheeßeler Hurricane-Festival unterhielten wir uns mit dem Sunnyboy über neue Songs, Trends in der Musikszene, Rezepte gegen Heimweh und den besten Job der Welt.

Herr Turner, lange Zeit haben Sie vor allem in kleineren Clubs gespielt, heute auf einer großen Bühne. Müssen Sie sich mehr anstrengen, um auch das Publikum in der letzten Reihe zu erreichen?

Frank Turner: Konzert und Interview

Frank Turner: Ja, schon ein bisschen. Wie beim Tanzwettbewerb zu meinem neuen Song „I want to dance“, damit die Leute mehr mitgehen. Aber das würden wir auf kleinen Bühnen machen. 

Wer hat gewonnen?

Bis jetzt sind die Schweden am meisten abgegangen, aber das Southside gestern und das Konzert heute zusammengenommen – da haben die Deutschen die Nase vorn (lacht).

Southside, Hurricane, am nächsten Wochenende das Eden-Festival in Cornwall – hat jedes Festival seine eigene Atmosphäre?

Fotos vom Sonntag

Foto

Hurricane-Festival: Regen, Boy Kraftklub und mehr

Turner: Auf jeden Fall. Hurricane und Southside sind toll, ein bisschen vergleichbar mit Reading und Leeds in England. In Glastonbury beispielsweise herrscht wieder eine ganz andere Stimmung, das ist mehr was für Hippies, was seine Vor- und Nachteile hat. 

Wie vergleicht sich die Atmosphäre beim Hurricane mit dem Schwesterfestival Southside?

Turner: Au Mann, das ist eine Frage… Also: Gestern beim Southside schien die Sonne, hier schüttet es!

Sie haben eben einige neue Songs gespielt. Wohin geht die musikalische Reise?

Das kann ich erst sagen, wenn das Album fertig ist. Ich weiß vorher nie, was dabei mal rauskommt. Ich schreibe einfach meine Songs und gucke, was passiert. Das ist, wie ein neues Auto zu fahren. Da setzt man sich ans Steuer, schließt die Augen und horcht in sich hinein, wie es sich anfühlt.

Wie viele Songs sind denn schon fertig?

Wir haben noch nichts aufgenommen. Wir haben etwa 20 Songs und sind dabei herauszufinden, welche wirklich gut sind und es aufs Album schaffen.

Sie spielen mal mit Band, mal Solo – was ist Ihnen momentan lieber?

Beides ist toll, aber im Moment spiele ich definitiv lieber mit Band. Weil das der Sound ist, den ich kreieren will.

1000 (?) Konzerte in sechs Jahren – wird das nicht irgendwann zur Routine? Wie motivieren Sie sich immer wieder neu?

Klar ist das Routine – das ist mein Job! Meine Motivation: Es ist der beste Job der Welt. Ich habe in meinem Leben schon viele ätzende Jobs gemacht – und dies ist genau das, was ich machen will.

Ihre musikalischen Wurzeln liegen im Punkrock, jetzt werden Sie der Singer-Songwriter-Szene zugerechnet. Viele andere Musiker gehen einen ähnlichen Weg – ein Trend?

Ja, das machen inzwischen wirklich viele. Das war damals, als ich das vor einigen Jahren gemacht habe, noch nicht der Fall. Einiges ist cool, anderes weniger. Sicherlich hat diese musikalische Entwicklung auch mit erwachsen werden zu tun und damit, dass man am Anfang provozieren will und dann allmählich dazu kommt, die Sachen anders zu spielen. Letztendlich zählt nur, ob die Musik gut ist oder nicht.

Können Sie sich vorstellen, zum Punkrock zurückzukehren?

Klar, warum nicht? So etwas plane ich nicht, sondern lasse es einfach auf mich zukommen. Hauptsache, es fühlt sich gut an.

Gibt es Musiker, mit denen Sie gern mal zusammen spielen würden?

Oh ja, eine Menge. Zum Beispiel die Counting Crows, meine absolute Lieblingsband. Oder Lagwagon, mit den Jungs habe ich heute hier zusammen gesessen, das sind gute Freunde von mir. Manchmal sind Festivals ein bisschen wie Familientreffen, auch wenn man sich oft knapp verpasst, weil man an unterschiedlichen Tagen spielt.

Sie haben beim Konzert mehrfach betont, dass Sie Engländer sind. Fühlt man sich im Ausland englischer als zuhause?

Auf jeden Fall. Das war ja auch Thema meines letzten Albums. Ich glaube, das lag daran, dass ich dort nicht mehr lebe.

Gibt es ein Rezept gegen Heimweh?

Kein Zuhause zu haben! Ich bin seit Jahren nirgendwo mehr zuhause, das erleichtert die Sache ungemein.

Aber Sie haben noch einen starken Bezug zu Ihrer Heimat?

Ja, solange ich nicht dort bin. Wenn ich da bin, will ich gleich wieder weg…

Was kommt als Nächstes – erstmal ein paar Tage frei?

Nein, Proben für die nächsten Aufnahmen. Ich brauche keine Freizeit. Ich habe nichts anderes zu tun. Ich bin Workoholic – frei zu haben, wäre für mich Zeitverschwendung.

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