Best of Hurricane 2012

Hurricane 2012

Unser Festival: Schlamm, Schlafmangel und Sauerkraut

Brötchen

Ausschlafen ist nix für den Magen. Er knurrt schon, wenn wir noch Schlaf im Auge haben. Also schnell rein in die Klamotten, und los zum Brötchen holen. Die Warteschlange ist gefühlte 100 Meter lang. Kein Wunder bei 70.000 hungrigen Festival-Besuchern. Kaum haben wir uns angestellt, wissen wir auch schon, was Vorder- und Hintermann letzte Nacht erlebt haben. Und wenn wir am Stand angekommen sind – vorausgesetzt, der Brötchenvorrat hält so lange – ist ein gelungener Tag sicher: Von allen Seiten wurden wir zu der einen oder anderen verrückten oder geselligen Aktion eingeladen. Ob Mitternachtsgrillen oder um die Zelte ziehen mit der von Autobatterien betriebenen Musikanlage – alle Nachbarn haben Bock auf Gesellschaft!

Bilder vom Montag nach dem Festival

Der Rest vom Hurricane-Fest: Trashmob in Scheeßel

Morgens halb zehn: Sauerkraut

Wenn die Brötchen nicht gereicht haben, muss trotzdem was Essbares her – zur Not eben eine Dose Sauerkraut. Dabei sollte man unbedingt darauf achten, dass die Dose noch richtig verschlossen ist. Sonst läuft man Gefahr, auf einen Zigarettenstummel zu beißen. Also: Aufpassen, um einen Besuch im Erste-Hilfe-Zelt und unter Umständen eine Lebensmittel-Vergiftung zu vermeiden. Der Magen reagiert morgens um halb zehn übrigens überrascht, aber flexibel auf Sauerkraut. Hauptsache: satt.

Einfach mal ganz anders!

Auf dem Hurricane kann man ein paar Tage Urlaub von seinem normalen Leben machen. Alle Verhaltensmuster aus unserem Alltag lassen wir vor dem Festivalgelände. Als wir den Zeltplatz betreten, werden wir gleich von der Atmosphäre überwältigt. Schon am ersten Tag lernen wir einen Haufen neuer Menschen kennen, mit denen wir über Gott und die Welt reden können. Wildfremde geben uns Bier ab oder tragen Schilder, auf denen sie kostenlose Umarmungen anbieten. Wir setzen uns für eine Stunde unter einen Pavillon und fachsimpeln mit einer Gruppe über „Dosentiere“ (Tiere, die aus leeren Bierdosen gebaut werden). Den unbekannten Nachbarn, die Probleme beim Zeltaufbau haben, helfen wir natürlich. Genauso selbstverständlich ist es, dass wir unser Fleisch mit auf den Grill der Nachbarn legen dürfen. Deswegen kommt für uns auch das sogenannte „Green Camping“ auf keinen Fall infrage – wer weiß, wie da die Stimmung ist. Festival-Besucher, denen Ruhe und Sauberkeit wichtig sind, können das Wochenende wahrscheinlich deutlich gelassener erleben. Aber Spaß haben sie bestimmt nicht so viel.

Bilder vom Festival

Hurricane-Festival: Regen, Boy Kraftklub und mehr

Foto

Hurricane Festival: Blink 182 und Rise Against am Abend

Schlafen – was ist das?

Ohrstöpsel sollten griffbereit neben der Luftmatratze liegen. Nach den Bühnenshows ist noch lange nicht Schluss – in der Disco oder gleich neben dem eigenen Schlafplatz wird laut weitergefeiert und rumgegrölt. Musik ertönt aus allen Ecken, und teilweise wird dazu auch noch getanzt. Als wir morgens aus dem Zelt krabbeln und die Sonne schon aufgegangen ist, sehen wir die letzten Verbliebenen des Nachtlebens in ihren Zelte verschwinden.

Die zweite Haut

Schon am Ende des ersten Tages ist unsere Haut deutlich gebräunt. Als wir abends die Socken ausziehen, fällt der Kontrast sofort auf: Im Vergleich zu den Beinen sind unsere Füße käseweiß. Aber: So schnell wird man nicht wirklich braun – obwohl am Freitag eitel Sonnenschein herrscht. Die Farbe hat einen anderen Grund: Dreck. Denn wir zelten auf einem Acker, der natürlich nicht aus englischem Rasen besteht, sondern aus Stoppeln und Erde. Diese Erde wird den ganzen Tag über aufgewirbelt und setzt sich dann auf der Haut, in den Haaren und sogar in der Nase ab. Deutlich wird das Ausmaß auch beim Händewaschen – das Wasser fließt in einem hellbraunen Farbton von den Händen ins Waschbecken.

Hygiene

Gehört haben wir davon: Es soll Festival-Besucher geben, die täglich duschen. Viele können es nicht sein. Die meisten gehen einfach das ganze Wochenende gar nicht unter die Dusche. Warum auch? Nach dem Pogen ist man sowieso wieder dreckig wie ein Schwein, das sich im Schlamm gewälzt hat. Gut, dass der Knoblauch-Faktor stimmt: Wenn alle stinken, riecht’s auch keiner mehr. Hygienefanatiker müssen aber nicht verzweifeln: An mehreren Stationen auf dem Campingplatz sind Sanitäranlagen aufgebaut, wo man geschlechtergetrennte Gruppenduschen kostenlos nutzen kann. Und was ist mit Zähneputzen? Überbewertet. Nach dem Aufstehen kann man das schon mal machen, wenn einen der Geschmack von Dreck und die Sandkörner im Mund zu sehr stören. Aber nachts, nach der Rückkehr zum Zelt, haben wir echt keine Lust mehr, noch sowas Nutzloses zu tun.

Und die Musik?

98 Bands auf drei Bühnen und in einem Zelt. „Sportfreunde Stiller“, „Rise Against“, „The Cure“ und „Blink 182“ – für jeden war was dabei. Für uns war die Musik allerdings zweitrangig, das Wichtigste war die Festival-Atmosphäre. Freitagabend gab es dank Casper gleich das erste Highlight. 45 Minuten stand er auf der Bühne und brachte die Masse mit pathosgeschwängertem Emo-Rap zum Toben. Stimmungsvoll ging es das ganze Wochenende weiter. Bis zu unseren absoluten Favoriten: „Die Ärzte“ waren Sonntagabend dran, und sie nennen sich zu Recht „die beste Band der Welt“. So einen guten Auftritt haben wir noch nie gesehen, die Jungs sind toll aufs Publikum eingegangen. Überzeugend. So wie das ganze Hurricane.

Lennart Schmidt und Sebastian Gräber (beide 18 Jahre) aus Syke

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