Veranstalter stellt beteiligten Behörden Leitfaden für das Hurricane-Festival vor

„Müssen den Kopf hinhalten“

Vom Veranstalter: Folkert Koopmans und Jasper Barendregt. Von der Gemeinde: Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele sowie Frank Thies, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales (v.l.).

Scheessel - Von Pascal Faltermann„Bei 70 000 bis 80 000 Menschen müssen wir vorher alle Gefahren durchspielen. Jede erdenkliche Lage muss geregelt sein“, betont Scheeßels Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele. Doch zu einem Notfall soll es beim Hurricane-Festival (17. bis 19. Juni) niemals kommen. Die Gemeinde als Ordnungsbehörde bündelt die Punkte aller beteiligten Behörden und fügt sie in einer ordnungsbehördlichen Verfügung für den Veranstalter zusammen.

In dieser Woche trafen sich die Vertreter von Gemeinde, Feuerwehr, Polizei und FKP Scorpio, um das Fein tuning am Sicherheitskonzept – ein 45-seitiges Dokument – für das Musikfestival auf dem Eichenring vorzunehmen. Der Veranstalter präsentierte dabei den erstellten Leitfaden „Sicherheit und Brandschutz in der Veranstaltungstechnik“.

Darin ist ein Krisenmanagement-Team vorgesehen, das zusammen kommt, wenn ein Unglücksfall eintritt. Die Team-Leitung hat die Bürgermeisterin inne. Die Notfall-Gruppe besteht aus den Einsatzleitungen von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr, Vertretern des Landkreises, des Ordnungsdienstes (Security), der Veranstaltungstechnik sowie als beratende Mitglieder der Hurricane-Veranstalter, FKP Scorpio Konzertproduktionen, und der Produktionsleiter.

Der Zusammenkunft in dieser Woche vorausgegangen war ein Abstimmungstreffen im Rathaus mit allen am Festival beteiligten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, kurz BOS (siehe Hintergrund). Diese kommen während des Festivals täglich zu zwei Besprechungen zusammen. Die erste wird am Donnerstag vor dem Festival einberufen. Auch weil es mittlerweile die 15. Auflage des Festivals ist, sagt Dittmer-Scheele: „Wir sind ein sehr eingespieltes, professionell arbeitendes Team.“

Das Frittenbude-Konzert musste wegen Massenandrangs 2010 abgesagt werden. ·

In dem nun vorgestellten Leitfaden wird unter anderem die Höchstzahl der Personen, die sich auf dem Festivalgelände aufhalten dürfen, vorgeschrieben. Sie ist auf insgesamt 78 000 Personen festgesetzt. Darin enthalten sind allerdings auch sämtliche Einsatzkräfte, das Team des Veranstalters, die Pressevertreter und V.I.P.s. „Die Grenze, bei der der Veranstalter ausverkauft melden muss, ist also geringer“, so Frank Thies, Fachbereichsleiter Ordnung und Soziales.

Impressionen aus dem Vorjahr

Hurricane 2010: Der Sonntag - Teil 2

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Vor dem Hintergrund der Loveparade-Katastrophe gab es für den beratenden Kreis auch Bereiche, die es weiter zu verbessern galt. Zum Beispiel wie die Kommunikation geregelt ist, wenn das Telefonnetz ausfällt. Frank Thies erklärt: „Wir sind zusätzlich mit Funkmeldeempfängern der Feuerwehr ausgerüstet.“

Verwaltungschefin Käthe Dittmer-Scheele veranschaulicht: „Wenn etwas passiert, muss ich den Kopf hinhalten. Ich bin im Prinzip Frau Sauerland von Scheeßel.“ Das Gesicht von Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland wird auch fortwährend mit der Loveparade-Katastrophe in Verbindung gebracht.

Alle Wahrscheinlichkeiten und Horrorszenarien versucht der Kreis zu minimieren. Rettungswege werden mit allen Beteiligten mehrfach durchgesprochen. „Wir alle schaffen Ventile, wo die Massen in einem Notfall von dem Gelände kommen“, so Thies weiter. Und fügt hinzu: „Der Veranstalter ist super professionell und zuverlässig“.

Wichtig sei es, im Ernstfall die Besucher zu informieren: Megafone, Durchsagen und Informationen auf den Leinwänden seien nur ein paar der Hilfsmittel, um die Massen zu lenken. Auch aus den Erkenntnissen des Unwetters 2006 habe man seine Schlüsse gezogen. Viele kleine Punkte müssen dabei zusammengeführt werden. „Bauchschmerzen dürfen wir bei keine haben“, merkt Thies an.

Einige Gedanken haben sich Veranstalter und Gemeinde auch über die Abbrüche der Konzerte von den Bands Frittenbude und Bonaparte im vergangenen Jahr gemacht. Denn anfangs verwunderte es, dass Frittenbude erneut im Zelt auf der weißen Bühne spielen wird. Aber: „Es gibt ein größeres Zelt, dessen Seiten offen sind und auch außerhalb wird es Sicherheitsvorkehrungen geben“, betont Thies. Die zuständige Baubehörde kontrolliere außerdem den Aufbau, die Statiken und die Zelte.

Die Auflagen der Gemeinde sind demnach äußerst umfangreich. Von der Abfall- oder Fäkalienentsorgung über Naturschutzauflagen (beispielsweise Veerse-Niederung) bis hin zur Anzahl der Toiletten und Wasserstellen oder der Notfallbeleuchtung muss alles geregelt sein. Für 2011 steht zudem fest: „Eine Erweiterung des Geländes gibt es nicht“, so Dittmer-Scheele.

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