Hurricane: Detlev Kaldinski spricht über Sicherheit, Drogen und Crowdsurfer

„Jedem Ansturm gewachsen“

Problematisch wird es, wenn gedrängelt wird: Für Polizeipressesprecher Detlev Kaldinski steht beim Hurricane vor allem die Red Stage am Freitagabend im Blickpunkt. ·

Scheessel - Von Pascal Faltermann - Crowdsurfer, Massenandrang, Diebstähle, Circle-Pits oder Drogen – die Polizei hat während des Hurricane-Festivals (17. bis 19. Juni) in Scheeßel zahlreiche Aufgabenfelder. Planung und gute Vorbereitung sind somit sehr bedeutsam für die Beamten. Polizeihauptkommissar Detlev Kaldinski ist verantwortlich für die Organisation. Im Interview spricht er über das Sicherheitskonzept oder die Initiatoren von einer „Wall of Death“.

Herr Kaldinski, hat sich nach dem Unglück bei der Loveparade in Duisburg beim Hurricane-Festival 2011 etwas geändert?

Detlev Kaldinski:Wir haben sofort nach den schrecklichen Vorkommnissen bei der Loveparade in Duisburg angefangen neue Überlegungen anzustellen und unser Sicherheitskonzept auf den Prüfstand gestellt. Das hat zu einer umfangreichen Neubewertung geführt, obwohl man deutlich sagen muss, dass die Loveparade und das Hurricane-Festival nicht vergleichbar sind, schon allein wegen der Besucherzahl nicht.

Wie sehen diese Änderungen im einzelnen aus?

Kaldinski:Unser Sicherheitskonzept schließt alle Unwägbarkeiten ein, wir haben uns viele Gedanken auch für Ausnahmesituationen gemacht. Für die einzelnen Bereiche haben wir die Raumberechnungen intensiv geprüft. Die Sicherheitsbestimmungen werden wir anhand von Checklisten detailliert kontrollieren, insbesondere bei den Flucht- und Rettungswegen. Aufgerüstet haben wir nochmals bei der Kameratechnik, um alle gefährlichen Situationen schnell erkennen und darauf reagieren zu können. Wichtig ist, dass die Gäste auf die Durchsagen von Ordnungsdienst und Polizei hören und sie befolgen.

Was unternehmen Sie gegen Crowdsurfing oder wild randalierende Besucher?

Kaldinski:Crowdsurfer und Initiatoren einer „Wall of Death“ oder von Circle-Pits müssen mit einer gelben oder sogar roten Karte rechnen und dann das Gelände verlassen. Die Polizei wird eng mit den Ordnern zusammenarbeiten und diese gegebenenfalls unterstützen. Besonders für den Freitagabend auf der Red Stage sind wir gut vorbereitet. Jüngeren weiblichen Fans von Sum 41 raten wir übrigens, erst kurz vor dem Auftritt dieser Gruppe ins Zelt zu kommen, da es aus unserer Sicht zuvor ziemlich rüpelig zugehen wird.

Wo sieht die Polizei die größten Gefahren?

Kaldinski:Besonders problematisch wird es immer dann, wenn gedrängelt wird. Wir haben das im letzten Jahr beim Frittenbude-Auftritt im weißen Zelt gesehen, als das Fassungsvermögen für den Ansturm nicht ausgereicht hat. Der Veranstalter FKP Scorpio ist aber sehr kooperativ und wir glauben, dass die Sicherheitsmaßnahmen jedem Ansturm gewachsen sind. Das Zelt ist ja bekanntlich dieses Jahr größer.

Wie wollen die Beamten den starken Anreiseverkehr mit in den Griff bekommen?

Kaldinski:Größere Probleme haben wir zuletzt 1999 gehabt. Wir haben die Verkehrslenkung neu geplant und es wurden mehrere Routen auf die Parkplätze geschaffen. Wir parken die Fahrzeuge heute nicht mehr im Fischgrätenmuster ein, sondern die Autos fahren in Kolonnentechnik auf den Platz und bleiben in Doppelreihe sofort stehen. Kontrollen vor dem Einparken gibt es nicht mehr. Auf den Anfahrtsstrecken gewährleisten Motorradfahrer eine störungsfreie Fahrt. An den problematischen Punkten setzt die Polizei Verkehrsregelungsposten ein, die die Autofahrer einweisen.

Wie viele Beamte setzt die Polizei beim Hurricane ein?

Kaldinski:Wir haben fast 400 Beamte im Schichtdienst von Donnerstag bis Montagmittag im Bereich Scheeßel im Einsatz. Diese sind zu Fuß, mit Funkstreifenwagen, auf Mountainbikes, mit Pferden, Motorrädern und sogar mit Quads unterwegs. Auch 2011 wird es übrigens wieder intensive Drogenvorkontrollen auf den Anfahrtsrouten geben. Das sollte jeder bedenken.

Was machen die Ordnungshüter gegen die Diebstähle?

Kaldinski:Probleme sehen wir auch in diesem Jahr besonders bei Taschendiebstählen und Diebstählen aus Zelten. Vor allem vor den Bühnen ist es auf Festivals in den vergangenen Jahren immer wieder zu Taschendiebstählen gekommen, bei denen organisierte Diebe die Geldbörsen aus Gesäßtaschen gezogen haben. Auch hier werden wir alles tun, um das zu verhindern. Geschädigte sollten sich sofort an die Polizei wenden und möglichst viele Angaben zum Täter notieren. Im Falle eines Diebstahls sollten Umstehende um Hilfe gebeten und die Polizei gerufen werden. Wer ein Diebstahl sieht, sollte dem Opfer sofort helfen. Wir raten den Festivalbesuchern, Wertsachen direkt am Körper zu tragen, beispielsweise in einem Brustbeutel. Wertvolle Gegenstände sollten auf keinem Fall im Zelt zurückbleiben, da dies kein sicherer Aufbewahrungsort ist! Kommt es zum Diebstahl von Scheck- oder Kreditkarten, sollten diese gesperrt werden (Telefon: 116 116).

Was sind die Hauptaufgaben der Polizei beim Festival?

Kaldinski: Wir wollen Straftaten, Unfälle, Verletzungen und Störungen verhindern, und dabei den Gästen größtmögliche Freiräume lassen. Wild Campen und offenes Lagerfeuer werden wir aber auf keinen Fall dulden.

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