René Schulze (16) vor seinem ersten Einsatz beim Hurricane

„Ich weiß noch nicht, was mich erwartet“

Ahrend Hüncken (l.) zeigt René Schulze den Umgang mit der Kübelspritze, die von der Feuerwehr auf dem unwegsamen Festivalgelände für Löscheinsätze verwendet wird. ·

Scheessel - Von Matthias Berger. Ahrend Hüncken ist seit 41 Jahren bei der Feuerwehr, bei jedem Hurricane-Festival war er dabei. Der Einsatz erprobte 61-Jährige hat alles gesehen: Brennende Dixie-Klos, bewusstlose Menschen, die aus der Zuschauermasse geborgen werden müssen, sogar beim Inferno 1977 war er dabei. Dieses Jahr ist für ihn das letzte Mal, er übergibt das Zepter an René Schulze (16), der zum ersten Mal bei dem Großevent im Einsatz ist.

„Ich bin schon seit sieben Jahren bei der Jugendfeuerwehr“, erzählt Schulze. Sein zweiter richtiger Einsatz war im März der tödliche Unfall eines Mercedes-Fahrers zwischen Helvesiek und Scheeßel. „Ich habe mich da bewusst zurückgehalten. Ich muss das nicht so früh haben, Tote zu sehen“, sagt der 16-Jährige, der im vergangenen Jahr noch als Besucher das Hurricane erlebt hat. Auf seine Rolle als Rettungskraft angesprochen, antwortet er: „Ich weiß nicht, was mich erwartet.“

„1977 habe ich wirklich Angst gehabt. Die haben uns die Schläuche kaputt geschnitten und die Scheiben unserer Fahrzeuge eingeworfen. Unser Brandmeister hat gesagt: ‚Rette sich wer kann!‘“, plaudert Heincken aus dem Nähkästchen. Weil bei besagtem Event 1977 auf dem Eichenring viele Bands ihre Auftritte kurzerhand abgesagt hatten, ließen die Fans ihrem Frust freien Lauf und zündeten sogar die Bühne an.

Auf das aktuelle Festival angesprochen, klingt Hüncken fast so, als würde er den alten Zeiten hinterhertrauern: „Früher war Festival Abenteuer. Die Leute wussten nicht, wann sie ankommen und wann sie wieder nach Hause kommen. Heute ist alles durchorganisiert.“ Florian Weidner, Pressesprecher der Scheeßeler Feuerwehr, ergänzt: „Die Organisatoren haben mit den Jahren immer mehr dazu gelernt. So gibt es die Auflage, Wasserspender auf dem Festivalgelände aufzustellen.“

Die Hauptaufgabe für die Rettungskräfte der Feuerwehr ist auf dem Hurricane das Brandlöschen. „Die meiste Zeit passiert aber nichts. Man hat Zeit, sich auch das Gelände und die Bands anzugucken. Solange man ein Funkgerät für Notfälle dabei hat“, berichtet Hüncken. „Die heißeste Nacht ist von Sonntag auf Montag. Da brennen häufig Container.“ Seinem jungen Kollegen gibt der Veteran mit auf dem Weg: „Lass es auf dich zukommen, man weiß nie, was kommt.“

Eingeschüchtert ist René Schulze ohnehin nicht („Ich habe ja erfahrene Kollegen dabei.“), er freut sich auf seinen erste Einsatz auf dem Hurricane. „Die Stimmung bei so einer Großveranstaltung mitzuerleben, das ist ein besonderer Kick.“ Sein erfahrener Kollege klingt da etwas nüchterner: „Am Montagnachmittag ist man aber froh, wenn es vorbei ist. Irgendwann ist auch mal Schluss.“

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