In der 14. Auflage ist das Hurricane-Festival in Scheeßel noch einmal deutlich gewachsen

Eine Plattform für Elektronik

Festivalbesucher, die sich vor allem auf die Elektro-Bands Frittenbude und Bratze freuen.

Scheeßel - Von Pascal Faltermann (Eig. Ber.) · Sie reisen mit alten Autos an. Sie tragen Jogging-Anzüge und große Sportschuhe. Es sind nicht nur die gewöhnlichen Rocker, die seit gestern bei der 14. Auflage des Hurricane-Festivals in Scheeßel auf der Bühne stehen. Erstmalig gibt es bei dem größten Rockfestival in Norddeutschland auch eine vierte Bühne – die so genannte White Stage.

Allerdings hat diese eher weniger mit harten Gitarrenriffs, schreienden Punk-Legenden oder verrückten Frontmännern zu tun. Neben Rock, Metal, Hardcore, Punk und Pop bekommt die elektronische Musik eine eigene Plattform.

Musikgruppen wie FM Belfast aus dem isländischen Reykjavík, das Musikprojekt des französischen Musikers und Filmemachers Quentin Dupieux, Mr. Oizo, oder Bands wie Frittenbude und Bratze aus Deutschland präsentieren Elektro auf der Großveranstaltung. Knapp 80 Bands werden an den drei Tagen auf dem Eichenring auftreten. Für die etwa 70 000 Besucher heißt das: volles Programm.

Zu seinem 14. Geburtstag ist das Festival noch einmal gewachsen. Auf der zusätzlichen Bühne werden nachmittags Artisten, Zauberer und andere Varieté-Künstler für Unterhaltung sorgen. Und am Abend hat die Elektro-Szene die Bühne für sich. „Wir haben festgestellt, dass Rock und Electro sehr kompatibel sind“, erläuterte FKP-Scorpio-Sprecherin Alexandra Mierau. „Wir sind schon jetzt zufrieden, dass wir so eine gute Mischung aus großen Namen und Newcomern gefunden haben.“

Gewählt haben die Veranstalter unter anderem FM Belfast. Die zwei Freunde Arni Hlodversson und Loa Hjalmtysdottir aus Island produzierten aus Geldmangel als Geschenk einen Elektro-Popsong, den sie unter den Tannenbaum von Freunden und Verwandten legten. Am Heiligabend 2006 wurden sie durch zwei weitere Freunde verstärkt. Dies war der Beginn einer Band, die mit einem eigenen Sound alle Klischees der Isländischen Popszene bricht und das Publikum mit ihrem groovigen Electro-Pop in eine Art Ekstase versetzt. So ist es auch kaum verwunderlich, dass bei ihren Auftritten schon mal Gruppen des Publikums auf die Bühne stürmen und zusammen mit der Band feiern. Ein absoluter Geheimtipp für das Festival.

Auch bei Frittenbude, einer deutschen Elektropunk-Band aus Geisenhausen, ist es fast schon üblich, dass die eigenen Fans die Bühne stürmen. Songs wie „Pandabär“, „Mindestens in 1 000 Jahren“ oder die Kettcar-Coverversion „Raveland“ sind in Elektro-Kreisen schon Hymnen. Auch der Stil von Bratze, ein 2007 gegründetes Indie-Elektronik-Projekt der Musiker Kevin Hamann und Norman Kolodziej, geht in die gleiche Richtung. Sie kombinieren die elektronischen Klängen mit teils tiefgründigen Texten und beweisen richtige Songschreiberqualitäten. Und da schließt sich der Hurricane-Kreis: Denn damit ist Elektro nicht so weit entfernt von britischen Rockern wie Frank Turner, der nur mit Gitarre und seinen Texten die Besucher in seinen Bann zieht. Auch wenn er nicht mit Jogging-Anzug, sondern in Jeans auf die Bühne kam.

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