Nur wenige Verurteilungen im Rahmen des Handwerkermarktes

Als das Gericht tagen wollte, kam der große Regen

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Rolf Tepe (l.) hatte viel mit Auf- und Abbau zu tun.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Dreimal brachte Furier Rolf Tepe das Gerichtsbuch und die flüssige Verpflegung zum Richtertisch. Dreimal musste er alles wieder abräumen, weil der Regen zurück kam. So gelang es dem Gildegericht am Sonntag nur, wenige Fälle zu behandeln, bis das Gewitter alle Bemühungen zunichte machte und sich das Gericht ins Rathaus zurückzog – und auf die Verfolgung weiterer Delinquenten verzichtete.

Das hatte das Gericht bislang noch nie erlebt, seit es vor wenigen Jahren begonnen hatte, für Recht und Ordnung während des Handwerkermarktes und Familientages zu sorgen.

Zu fassen bekamen Staatsanwalt Heinrich Boning und Richter Otto Böttcher sowie deren Kollegen Carsten Kloster, Kay Dannhorn sowie Uwe Gropp zumindest die Tochter von Oberst Ernst Frost, Heide Möllmann. Eigentlich wollte Böttcher schon wegen des anwesenden Obersts auf Freispruch plädieren, doch Frost musste trotzdem zahlen, um seine Tochter auszulösen. Und einen Spruch gab es von Boning noch dazu. „Wie kannst du bei solch einem Gesicht eine so hübsche Tochter haben?“, fragte er ein wenig gehässig.

In der kurzen Zeit, die das Gericht tagte, erwischte es auch noch Anja, die in der „Brasserie“ bedient. Boning vermutete, dass die junge Frau am Abend vorher mindestens 350 Euro kassiert hatte. „Da sind ja wohl 35 Euro für die Gerichtskasse drin“, so die Aufforderung. Erschwerend kam für die Bedienungskraft hinzu, dass sie nicht in Wildeshausen, sondern in Colnrade lebt und dass sie Betriebswirtschaft studiert. „Alles Verbrecher“, wusste Boning. „Die betrügen die Leute.“ Schließlich gab sich das Gericht dann aber mit einer Zahlung von zehn Euro zufrieden.

Bei einem jungen Pärchen herrschte einige Konfusion. Der Vorwurf der Wache lautete, die jungen Menschen hätten ihren Nachwuchs zu Hause gelassen. „Dabei soll das Kind doch das schöne Wildeshausen kennen lernen.“

Wann der Nachwuchs geboren wurde, ließ sich nicht so einfach ermitteln, klar war aber, dass erst im September geheiratet werden soll. „Das geht so nicht“, erklärte Boning. „Nach altdeutscher Sitte wird vier Monate vor der Heirat erst einmal Verlobung gefeiert. Und nach der Hochzeit darf das Kind gemacht werden.“ Böttcher schlug einen kostenpflichtigen Ehe-Anbahnungskurs vor. 50 Euro müssten dafür aber bezahlt werden.

Nachdem auch dieses Urteil gesprochen wurde, kam der Regen. Tepe räumte ein letztes Mal alle Utensilien ins Rathaus, dann war die Sitzung schlagartig beendet.

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