Alfred Panschar stöbert im Archiv: „Die Gildekutsche von Eschbänken“/Plattdeutsche Geschichte von „Hänel“ Spille (Teil 1)

„Koop dien Keerl man bold ne nee Büx, sien oole is all döörseeten“

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Auch im Jahr 2002 saß „Hänel“ Spille (2. von rechts) in der Kutsche. Archivfoto: Dejo

Wildeshausen - Das Wildeshauser Gildefest rückt immer näher. Da kommt die plattdeutsche Geschichte „De Gildekutsche von Eschbänken“ aus dem Archiv von Alfred Panschar genau zur richtigen Zeit. Geschrieben hat sie im Jahr 2001 Gilde-Generalmajor Hans „Hänel“ Spille:

„De Wilshüser Schüttengilde is nu bold 600 Johr old. Dor is so allerlei passeert, un ok in de oolen Protokollböker upschreben. Aber so wat, wie mit de Gildekutsche von Eschbänken passeert is, is bit hüte noch nich upschreben worn. Een Drama, unner mir at Oberst von de Gilde. Ick hebb uck upschreben, woveel Glück de veer Offiziere, un dat ock noch allns Stabsmitglieder, hat hebbt.

Wie is dat nu allens anfungen? Worum hatt de Gilde unbedingt ene nee dritte Kutsche nödig? In use Satzung un in de Dienstvörschriften steiht: ,General und Oberst steigen zu Pferd‘ un wieter heet dat ,de Adjutanten un de berittenen Majore sowie de Hauptmann von de Wache draapt sick toon Übungsreiten“ an’n tweeten Pingstdag‘.

De Kutschen sind dacht vör öllere Offiziere, de nich mehr loopen köönt, un vör besünnere Gäste. Dat weer immer en schönet Bild mit de Offiziere von‘n Stab too Peerd. Dat güng so lange good, bit een Unfall bi’n Innmarsch von dat Regiment ut den Krandel passeerde. De Stabsmitglieder weern Jüst an dat oole Raathus vörbi un vör de Afteek ankoomen, as dat Peer von denn Adjutanten Oberstleutnant Hans Kern stolterte un utrutschte. Hans keem noch ut den Saddel, ober dat Peer füllt up em. He breek sick de Knacken un is denn an de Folgen von den Unfall to Dood kamen.

Van de Tied an sind de Stabsmitglieder un de Offiziere nich mehr beritten un darum mööt unbedingt ene nee dritte Kutsche her. Oberstleutnant Heinrich August Schütte hett sick nu allerwegens kunndig maakt, sogar bie een Gestüt in Neustadt/Dosse hett he vörsprocken un sogar in Polen hett he sick erkundigt, wat so een Kutschwagen woll kösten kunn.

Twintigdusend Mark un mehr, kreeg he to hörn. Un denn noch nich mool neet, un dat Renoveern kost uck noch allerhand. Kummt nich in Fraage – veel to düür. Eenes gooden Daags keem de Adjutant Helmut ganz uppgereegt too sein Oberst Hans un seegt: ,Ick heff eene wunnerbore Kutsche vör de Gilde, nee överholt un in besten Toostand. Ick heff jüst Wuddeln holt vor use Kanienken un dor heff ick se seehn. Steiht bie denn Buurn up de Deel‘.

Oberst, Schatzmeister un de beiden Adjutanten Edo un Helmut makten sick nu gau up denn Padd no Eschbänken um de Kutsch antokieken. Een Prachtstück, neet lackiert, nee’e Bezüge, Besttoostand. Man weer sick foorts eenig. (Man hatte ja schließlich genügend Fachwissen und Sachverstand durch jahrelanges Sitzen in der Kutsche). ,Ist gekauft‘, flüsterde de Oberst denn Schatzmeester in’t Ohr. ,Half geschenkt‘, seeg de Adjutant Helmut to Adjutant Edo. Edo wull natürlich noch watt runnerhanneln.

Kort un good, de Kutsche ward kofft, man weer sick hannelseenig. De nee’e Gildekutsch ward nu to Major Otto henbrocht. Dor mössen noch Bremsen un Lichter anboot waarn. De Gilde ha nu eene nee’e dritte Kutsche un de weer bie Otto in de Warksteed, dat hett sick gau rumspraaken. Al de Kutschenplatzanwärter (de öllsten Offiziere von de Gilde) funnen sick bold bie Otto in, um Sitzprobe aftoholen. För allen de Offiziere mit korte Beene, keemen besonners goot to Geltung. Allen voran Oberstanwärter Hans hett als erster Kutschenplatzanwärter so manch eene Sitzproov vörnohmen. Eenes Dages güng dat Telefon bie Otto: ,Is mien Hans noch bie die?‘, fraag Hildegard. ,Joo‘, segg Otto, ,de is noch hier. Aber koop dien Keerl man bold ne nee Büx, denn von all dat Probesitten is sien oole Büx all döörseeten‘.“

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