„Chiromantie“: Ein Blick in die Zukunft

„Frau Norma“ liest den Menschen aus der Hand. Mit ihrem kleinen Wohnwagen ist sie zum ersten Mal auf dem Bremer Freimarkt zu Gast. ·

Bremen - Von Nina Seegers. Drei Stufen führen in den kleinen hölzernen Wohnwagen hinauf. Über dem Eingang steht auf einem Schild in goldenen Buchstaben „Chiromantie“, das ist die Kunst des Handlesens. Die Wahrsagerin „Frau Norma“, mit bürgerlichen Namen Beate Kleuse, ist zum ersten Mal auf dem Freimarkt zu Gast und blickt für ihre Kunden in die Zukunft.

„Der Wohnwagen ist schon 150 Jahre alt, ein altes Familienerbstück und schon mehrmals restauriert worden“, erzählt „Frau Norma“. Gardinen an den Fenstern, Teppichläufer und Biedermeier-Möbel mit einem altrosa Polster verströmen Gemütlichkeit. An den Wänden hängen vergilbte Fotos ihrer Vorfahren. Die Gabe, in die Zukunft blicken zu können, hatte nämlich schon ihre Ururgroßmutter, erzählt die 62-Jährige. Diese Fähigkeit sei von Generation zu Generation weitergegeben worden. „Dass ich dieses besondere Talent besitze, habe ich schon ein kleines Mädchen bemerkt, da man damit aufwächst, ist das ganz normal“, erklärt die kleine, zierliche Frau mit ruhiger, fester Stimme. Auf etwa 15 bis 18 Jahrmärkten in ganz Deutschland ist die Wahrsagerin im Jahr unterwegs und von November bis März in Leer zu Hause. Manche Leute, die zu ihr kommen, haben ein ernstes Anliegen, viele kommen aber vor allem aus Neugierde. „Eigentlich wollen die Menschen ja etwas über ihre Zukunft wissen, ich gehe aber zunächst auch immer auf ihre Vergangenheit und Gegenwart ein, damit sie merken, dass ich ihnen kein Unfug erzähle, denn gerade auf dem Gebiet der Wahrsagerei wird so viel Humbug betrieben“, weiß „Frau Norma“. Nicht selten seien die Leute dann verblüfft. „Zum Beispiel erinnere ich mich an einen Rocker, der mal zu mir kam und sich einen Spaß daraus machen wollte. Als ich ihn aber mit einigen Details aus seiner Kindheit und Jugend konfrontiert habe, fing er an zu weinen.“

Beim Handlesen geht es nicht nur um die Linien im Handinneren, erklärt sie, sondern auch um die Form und die Hautfarbe. Anhand der Schwingungen ihres Gegenübers erhalte sie dann die Informationen. Der Verantwortung, die sie im dem Moment der Zukunftsdeutung eines anderen Menschens übernimmt, sei sie sich dabei durchaus bewusst. „Wenn ich zum Beispiel einen schweren Schicksalschlag wie eine lebensbedrohliche Krankheit voraussehe, weiß ich damit behutsam umzugehen und rate den Menschen eindringlich, so schnell wie möglich einen Arzt aufzusuchen.“ – „Frau Norma“ steht mit ihrem Wohnwagen gleich neben dem „Euro Coaster“ und hat von etwa 15 bis 21 Uhr geöffnet.

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