Mehr als nur ein Bringdienst

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Im Schnelldurchgang belädt Mona Scheufele ihren Wagen. Ein Ofen hält das Essen warm. Eine Dreiviertelstunde später ist die Fahrerin bei Erika Glander angekommen. ·

Verden - Von Katrin Preuß. Routiniert steuert Mona Scheufele den Kastenkombi durch die schmalen Straßen. Heute stehen Hönisch, Wahnebergen und Verdens Kernstadt auf ihrem Tourenplan.

43 Menüs muss sie ausliefern. Knapp drei Stunden benötigt sie dafür. Ein Ofen im Kofferraum garantiert, dass auch der letzte Kunde sein Essen warm bekommt. Seit 14 Jahren verteilt die sympathische Blondine für das St. Johannisheim Essen auf Rädern. Die Verdener Senioreneinrichtung bietet diesen Service mittlerweile seit vier Jahrzehnten an. Auf der Domweih soll dieser runde Geburtstag gefeiert werden.

„Die regelmäßige Lieferung fertig zubereiteter Mahlzeiten bis an die Wohnungstür oder sogar in die Wohnung des Kunden“, so definiert Wikipedia Essen auf Rädern. Für die Nutzer bedeutet dieser Service aber oft mehr als eine Erleichterung des Alltags.

Beim Schreiben der Tourenpläne sei sie um Konstanz bemüht, sagt Mona Scheufele: „Damit die Fahrer Kontakt zu den Kunden kriegen.“ Zwar ist die Zeit beim Ausliefern knapp bemessen. Doch ein paar nette Worte sind immer drin, wenn das Essen persönlich überreicht wird.

Für manche Kunden ist das einer der wenigen regelmäßigen Kontakte zur Außenwelt. „Da sind wir dann auch so ein bisschen Polizei“, sagt Mona Scheufele. Denn wenn niemand die Tür öffnet oder wenn ein Essen am nächsten Tag noch unberührt ist, werden die Fahrer tätig. „Ich habe auch schon mal den Krankenwagen rufen müssen“, erinnert sich die Mitarbeiterin.

In der Regel sind es Senioren, die den Bringdienst in Anspruch nehmen. Meistens, weil sie aufgrund körperlicher Einschränkungen nicht mehr dazu in der Lage sind, einzukaufen und zu kochen. Oder weil sich das für eine Person einfach nicht lohnt.

„Ich hatte aber auch schon eine junge Mutter“, weist Mona Scheufele darauf hin, dass im Bedarfsfall jeder Essen auf Rädern bekommen kann. Allerdings dürfe dabei ein gewisser Anteil an den Gesamtbestellungen nicht überschritten werden, betont sie.

Mehr als 140 Kunden zählt das Johannisheim zurzeit, verteilt auf die Stadt Verden, die Ortschaft Walle, auf Luttum und Kirchlinteln. Sie können zwischen drei Menüs plus Salat und Nachtisch auswählen, die jeden Morgen frisch in der Küche des Johannisheims gekocht werden. Wer will, ordert für die gesamte Woche, möglich sind aber auch Bestellungen für einzelne Tage.

Was auf den Tisch kommt, entscheidet die Speiseplan-Gestaltungsrunde, der Bewohner der Senioreneinrichtung angehören. Meist fällt die Wahl auf die vertraute Hausmannskost. Die Einflussmöglichkeiten der Essen-auf-Rädern-Kunden sind relativ gering und beschränken sich in der Regel auf kurze Hinweise an die Fahrer. Und die hören oft den Wunsch nach Knipp.

An diesem Tag stehen Forelle in Dillsoße mit Salzkartoffeln und Tomatensalat, Rührei mit Spargel und Kassler mit Rosenkohl und Kartoffelpüree auf dem Speiseplan. Erna Rippe hat sich das Kassler ausgesucht. Eigentlich seien ihr die Fleischportionen immer zu groß, sagt die Wahnebergerin. Aber sie esse gerne Rosenkohl, begründet die Seniorin ihre Wahl. Und so bleibt eben noch eine Portion für den nächsten Tag übrig.

Ausgeliefert wird das Essen auf Porzellantellern samt Deckel. Jeder Kunde hat zu Hause einen dazu passenden Styroporbehälter. Darin bleibt die Mahlzeit rund eine Stunde warm. Das ist wichtig, denn die Fahrer starten schon gegen 10 Uhr, fürs Mittagessen ist es da noch zu früh.

Erika Glander schätzt die Portionsteller sehr. „Es schwimmt nicht alles durcheinander“, sagt sie.

Die Familie freut sich, dass bei der (Groß-)Mama dank Essen auf Rädern nicht nur Brot auf den Tisch kommt. Auf warme Mahlzeiten können sie im Grunde genommen getrost verzichten, gibt die 79-Jährige unumwunden zu. Das ist ihrer Tochter aber zu unausgewogen. Für die Mutter mitzukochen, scheiterte jedoch an zu unterschiedlichen Geschmäckern.

Die Verdenerin ist seit etwa fünf Jahren Kundin der Johannisheim-Küche und mit dem Service sehr zufrieden. Natürlich schmecke es anders als das Selbstgekochte, sagt Erika Glander, aber „es ist gut“. Und: „Alle, die mir das Essen bringen, sind sehr nett.“

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