Einmal war der Sarg weg

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Stefan de Lahr ehrt Franz-Josef und Renate Jurdzik für 25-jährige Mitgliedschaft. ·

Verden - Seit nunmehr 25 Jahren sind Renate und Franz-Josef Jurdzik der Beerdigungs-gemeinschaft Verdener Domweih treu verbunden. Für ihr langjähriges Engagement wurde das Ehepaar bei der kürzlichen Mitgliederversammlung im Akzent-Hotel Höltje geehrt. Als Dank erhielten sie einen digitalen Bilderrahmen.

Von 1992 bis Februar 1995 war Renate Jurdzik Mitglied des aus zwei Personen bestehenden Vorstandes, ihre Funktion übernahm Ehemann Franz-Josef, der bis heute, zur Zeit mit Sabine Thies und Stefan de Lahr, die Gemeinschaft leitet. Und seit 25 Jahren ist zum Abschluss der Domweih das Ehepaar in Trauer gekleidet: Es gilt dann, mit weiteren Mitgliedern, das Volksfest zu beerdigen.

Vier Stunden ist die Gemeinschaft mit dem Sarg unterwegs, an der Spitze eine Gruppe des Bläsercorps Dörverden und ein „Pastor“. Während dieser Zeit gibt es etliche Erlebnisse zumeist lustiger Art und oft auch Begegnungen mit Touristen, die staunend und manchmal auch befremdlich diesen Trauerzug über den Festplatz verfolgen und mit Fragen die Trauergemeinde löchern.

Eine lustige Begebenheit trug sich vor vielen Jahren zu, ein Schausteller machte sich einen Jux daraus, sein Karussell „über Kopf“ einfach stehen zu lassen. Erst nachdem die Musiker, die ebenfalls in der prekären Situation waren, die Nationalhymne gespielt hatten, ging die Fahrt weiter. Bevor der Trauerzug aber weiter voran kam, wurde erst mal ein Mundstück im Bereich des Karussells gesucht. Mit dem Sarg wurde in der Vergangenheit auch öfter Karussell gefahren, sei es im Ketten- oder im Kinderkarussell.

Nicht so gerne erinnert sich das Ehepaar an ein Erlebnis des Jahres 1999. Zum einen konnte die Domweih nicht „beerdigt“ werden, da die Verdener Feuerwehr, die gegen Mitternacht den Sarg aus der Aller bergen sollte, zu einem Großbrand alarmiert wurde. Der Sarg musste mit auf Kneipentour und der Frust wurde noch größer, als das Requisit auf einmal verschwunden war. Erst einige Wochen tauchte er wieder auf. Daraus wurde der Slogan: „Wer den Sarg klaut, bezahlt die Domweih.“

Seit 1989 bildet die Beerdigungsgemeinschaft auch den Schluss des Domweih-umzuges, und seit etlichen Jahren geht es mit einer Lafette umschichtig mit zwei Särgen über den Platz. Alle zwei Jahre wird der „gläserne Sarg“ aus dem Fundus geholt. Unter dem durchsichtigen Sargdeckel ist eine Domweih im Miniformat aufgebaut, die von den Besuchern der „Verdener Sixdays“ gebührend bewundert wird.

Aus einer „Bierlaune“ heraus wurde der Brauch der Domweihbeerdigung wieder ins Leben gerufen, nachdem schon Anfang der fünfziger Jahre von Fußballern der Liga-Reserve des TSV Verden die Domweih beerdigt wurde. 1975 waren es Carl-Bernhard Gramm und Kurt Rosenbach, die sich auch von einem ähnlichen Zeremonie zum Abschluss des Bremer Freimarkts inspirieren ließen.

Gefunden wurden die Mitglieder der Beerdigungsgemeinschaft Verdener Domweih unter den Mitgliedern der Fanfarenzüge des Verdener Schützenvereins und der Verdener Feuerwehr. Nach zehn Jahren wurde diese ursprüngliche Gruppe aufgelöst. Die 1986 neu gegründete Gemeinschaft steht jedem Interessierten offen, der gut in diese Gemeinschaft passt. Die Zahl der Mitglieder soll dabei die 30 nicht überschreiten. ·

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