Marktmeister Rüdiger Nodorp kann nichts aus der Ruhe bringen

Domweih-Aufbau: Die Macht des Maßbandes

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Bis hier und keinen Meter weiter: Marktmeisteer Rüdiger Nodorp ist der Herr des Meters und des Maßbandes. Foto: Buschmann

Verden - Von Ulf Buschmann. Rüdiger Nodorp kann nichts aus der Ruhe bringen. Selbst dann, wenn es irgendwie nicht passt, hat der Verdener Marktmeister ein Lächeln auf den Lippen. „Mir fehlt gerade ein Meter“, sagt Nodorp. Er, seine Kollegen aus dem Rathaus und die Schausteller gehen an diesem Mittwochmorgen buchstäblich jeden Meter der Domweih-Festmeile ab. Seit nunmehr 8 Uhr geht es an die Platzverteilung für Buden und Karussells.

Wer indes glaubt, sowas sei Routine, der täuscht. Jetzt gerade zum Beispiel: An der Ecke Johanniswall/Katharinenstraße ist Nordorp auf der Suche nach dem fehlenden Meter. Zum einen ist die Katharinenstraße einer der ausgewiesenen Fluchtwege für das Volksfest, zum anderen seien in das dortige Eckhaus gerade neue Mieter eingezogen – Geschäftsleute, „die gerne einen Zugang zur Straße hätten, auch während der Domweih“, erklärt der Marktmeister. Damit es mit der an der Stelle vorgesehenen Bude klappt, müssen die Beteiligten nachfragen, ob sie damit einverstanden seien, für die wenigen Domweih-Tage hinter den Fahrgeschäften und Buden entlang zu laufen.

Währenddessen sind die Schausteller an anderer Stelle des Johanniswall schon ein Stück weiter. Die Betreiber des „Crash-Ball“ probieren ihre hunderte von Glühlampen aus. Es blinkt und leuchtet in unterschiedlichen Rhythmen. Vor dem Wagen steht ein Mitarbeiter und ruft seinem Kollegen an der Elektronik zu, wo es einen Blink-Aussetzer gibt. „Oben rechts, etwas weiter vorne“, schallt es nach hinten.

Der „Crash-Ball“ steht an einer mit Kreide auf die Straße gemalte Linie. Sie bildet die gemeinsame Flucht für die Geschäfte auf dieser Seite des Johanniswall. Die Schausteller müssen bei der Bewerbung ihre Maße angeben, dann heißt es für Marktmeister Nodorp rechnen und messen. Jeder bekommt nämlich nur so viel Platz wie unbedingt notwendig. Und da ist das Maßband das Maß aller Dinge beziehungsweise aller Buden.

Dort wo das Nodorp-Team bereits vorbei gekommen ist, können die Schausteller richtig loslegen – siehe „Crash-Ball“. Weiter vorne, am Beginn der Festmeile, ist ein ganzes Schaustellerteam noch mit der Feinjustierung beschäftigt. Noch ein bisschen vor mit dem Geschäft, dann ein bisschen wieder zurück. Das alles machen die Männer mit schierer Muskelkraft, einer gehörigen Portion Humor und einem flotten Spruch auf den Lippen.

Vor allem ist es wichtig, dass einer – meistens der Chef – genau hinschaut, wenn darum geht, die einzelnen Wagen des Fahrgeschäftes auf den vorgesehenen Platz zu bugsieren. Spätestens dann bleibt der gemeine Zeitgenosse mit Domweih-Sozialisierung stehen und schaut den Schaustellern zu. Sie nämlich sind nicht nur beim Aufbau der Karussells und Buden wahre Künstler, sondern auch beim Rangieren. Während der Anhänger vorne mit dem Spezial-Lkw über den Bordstein gedrückgt wird, schauen die Mitarbeiter genau, was unten geschieht. Das Abrutschen von der Gehwegbegrenzung könnte fatale Folgen haben. „Jetzt schnell einen Balken!“, ruft der Chef.

Das sind die Karussells auf der Domweih

Nebenan beim Kinderkasrussell von Stummer geht es etwas ruhiger zu. Das Grundgerüst des Fahrgeschäftes steht bereits, jetzt ist einer der Männer des Familienbetriebes damit beschäftigt es auszurichten. Dazu dienen kleine und große Holzkeile sowie hier und dort die klassische Wasserwage. Elektronische Hilfsmittel, nein, die sind dabei nicht notwendig. Aber durchaus im Einsatz.

Wer sich einmal die Zeit nimmt, links und rechts des Johanniswalls zu schauen, kann übrigens wahrlich lustige Motive entdecken. Zum Beispiel den Mann, der – natürlich fachmännisch gesichert – auf einem Pfahl der „Almhütte“ sitzt und die Seile des Zeltes anbringt.

Eher bodengebunden ist da eher Anjej Laschinsky. Der Mitarbeiter von Landwehrmann-Süßwahren putzt eines der Vorderteile mit den vielen bunten Glühlampen. Mit seinem Lappen rückt er jedem noch so kleinen Stück Schmutz zuleibe. Diese Aufgabe gehört sicherlich nicht zu den schönsten im Leben eines Schausteller, aber schließlich soll es ja zur Domweih-Eröffnung am Sonnabend blitzen und blinken. Allein dieser Umstand ist Ansporn genug für die Schausteller, also lacht Anjej Laschinsky unentwegt.

Auch Marktmeister Nordorp ist am Ende zufrieden: Seinen Meter hat er doch irgendwie gefunden.

Domweih-Aufbau

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