Alligatoah im Interview beim Deichbrand-Festival

"Kunst, Lehrstunde oder kompletter Blödsinn"

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Schauspielrapper Alligatoah (Lukas Strobel) bei seinem Auftritt beim Deichbrand. 

Nordholz - Von Pascal Faltermann. Schauspielrapper Alligatoah (Lukas Strobel) spielt beim Deichbrand-Festival in Nordholz auf der kleinsten Bühne im Zelt. Es ist das Konzert mit der höchsten Sicherheitsstufe: Tausende Besucher wollen, können ihn aber nicht sehen.

Denn als der 24-jährige Berliner gebucht wurde, ahnten die Veranstalter nicht, dass sein Album "Triebwerke" mit einer goldenen Schallplatte für mehr als 100.000 und die Single "Willst du" für 150.000 Exemplare ausgezeichnet wird. Der Ansturm und das Gedränge waren riesig. Der aus Neuenwalde bei Bremerhaven stammende Alligatoah im Interview.

Bezeichnen Sie den Deichbrand-Auftritt als Heimspiel? 

Alligatoah: Wahrscheinlich könnte man es eher so nennen, wenn man schon in früheren Zeiten hier gespielt hätte und es jetzt ein Zurückkommen wäre. Als ich hier gelebt habe, habe ich aber noch nicht an Auftritte gedacht. Das, was von mir damals musikalisch erzeugt wurde, habe ich noch im Kinderzimmer produziert. Ich habe nicht daran gedacht, auf diesen Bühnen zu stehen.

Wie kamen Sie auf dem Dorf zum Hip-Hop? 

Alligatoah: Zu der Zeit lief im Radio wenig Hip-Hop, ich möchte fast sagen, er war verschrien. Das Gute war die Erfindung des Internets, dass hat mir neue Wege und Welten aufgetan haben. So lernte ich die Musik kennen und experimentierte damit.

Sie produzieren Musik, Beats und Texte selbst. Wie gehen Sie dabei vor? 

Alligatoah: Die Herangehensweise an das Liederschreiben hat sich im Laufe der Jahre verändert. Ich glaube, das ist gut, denn wenn ich immer nach den selben Schritten und den selben Grundregeln vorgehe, kommt irgendwann nur noch das Selbe heraus. Früher habe ich zuerst einen Beat gebaut und darauf einen Text geschrieben, heutzutage setze ich mich zuerst mit der Gitarre hin und versuche eine Melodie zu finden. Vielleicht werde ich in ein paar Jahren mit der Mundharmonika da sitzen und eine Kokosnuss gegen eine andere schlagen.

Gibt es solche Beispiele, dass Sie Gegenstände gegeneinander schlagen, um Klänge zu erzeugen? 

Alligatoah: Ja, durchaus. Ich nehme Geräusche, die ich in meinem Umfeld oder in der Natur finde, auf und baue sie in meine Songs ein. Das ist das Schöne. Wenn ich daran gebunden wäre, nur Gitarre, Schlagzeug, Bass zu haben, dann wäre das für mich zu langweilig. Ich bin froh, dass ich überall Sounds und Klänge finden kann.

Sehen Sie Sich als Künstler? 

Alligatoah: Es ist nicht meine Aufgabe, das einzuordnen. Was ich für mich mache, ist eine Art Handwerk, eine Art Beschäftigungstherapie. Wie die Leute das von außen betrachten, was es einem gibt und was man sich daraus nimmt an Emotionen, an Erfahrungen und Wissen - das kann jeder für sich selbst entscheiden. Dann ist es für den einen Kunst, für den anderen eine Lehrstunde oder kompletter Blödsinn.

Derzeit arbeiten Sie noch am Album ihrer Band Trailerpark. Wann gibt es das nächste Album von Ihnen? 

Alligatoah: Ich denke von Projekt zu Projekt. Das nächste ist eben das gemeinsame Album "Crackstreetboys 3". Sobald dieses Album abgeschlossen ist, werden ich mich auch wieder an eigene Sachen setzen. Soviel kann ich verraten.

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Stecken Sie sich mit Schauspielrap in ein Schublade? 

Alligatoah: Ich will in dieser Rap-Szene, in der viele andere auch versuchen ihre Nische zu finden, meine Eigenart herausstellen. Das herauskristallisieren und unterstreichen, was mich am meisten ausmacht und am besten trifft. Das ist bei mir das wiederkehrende Motiv, dass ich in meinen Lieder nicht ich bin, sondern Figuren verkörpere, die mich interessieren und die manchmal einen ganz schönen Dachschaden haben.

Ist es schwierig, die ganze Zeit so bedacht zu sprechen? 

Alligatoah: Wenn Sie mir Fragen stellten, die ich versuche ernsthaft zu beantworten, ist dies meine Art wie ich mich äußern kann. Ich versuche immer, alles so gut wie möglich auf den Punkt zu bringen. So spreche ich.

Also ist das keine Rolle jetzt? 

Alligatoah: Nein, ich bin nackt.

Drogen, Stalker, Transvestiten - wie kommen Sie auf die Auswahl ihrer Themen? 

Alligatoah: Vielleicht ist das die Unterschiedlichkeit Ich würde mich selbst eher als ruhigen gesetzten Menschen bezeichnen. Deswegen interessieren mich wahrscheinlich die Figuren, die es nicht sind und eine große Unruhe ins sich tragen. Menschen, die irgendeine Art von Konflikt oder Komplex in ihrem Kopf haben, den sie mit sich oder der Welt austragen müssen.

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