Über 100 Bands und Solokünstler

Musikalische Empfehlungen fürs Deichbrand: Ohne Kondition geht's nicht

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Alligatoah - Akustikspektakel mit 20er-Jahre-Optik

Syke - Von Mareike Bannasch. Zu Nothing But Thieves ins Palastzelt oder doch lieber zu den zugegebenermaßen sinnbefreiten Texten der 257ers vor der Water Stage abspacken? Eine schwierige Entscheidung.

Und nicht die einzige Überschneidung, wie ein Blick auf die vollgepackte Running Order des Deichbrand Festivals zeigt. Von Donnerstag bis Sonntag spielen mehr als 100 Bands und Solokünstler auf sechs Bühnen, und zwar bis in die frühen Morgenstunden. Klar, dass es da schwierig ist, den ultimativen Konzertplan aufzustellen. Um euch bei dieser Entscheidung ein wenig unter die Arme zu greifen, kommen hier nun die musikalischen Empfehlungen fürs lange Wochenende vom 19. bis 22. Juli – rein subjektiv natürlich. 

Los geht’s am Donnerstag (19.) mit den Lokalmatadoren von Versengold im Palastzelt. Fünf der sechs Musiker stammen aus Lilienthal sowie Osterholz-Scharmbeck und werden vor allem die Herzen von Folk-Fans höherschlagen lassen. Bei Versengold ist alles handgemacht – und live noch einmal um Klassen besser als auf dem Album. 

Sicher, Folk ist nicht jedermanns Sache, aber auch für Freunde härterer Klänge hat das Aufwärmprogramm einiges zu bieten. So zum Beispiel Kadavar, ebenfalls im Palastzelt. Das Berliner Trio kommt mit seinem neuen Album „Rough Times“ zum Deichbrand und will erneut seinem Status gerecht werden, nicht wie jede Rockband zu sein. 

Zebrahead sind für all jene das Richtige, die Lust auf Stagediving und Moshpit haben.

Das ist auch nicht das Richtige, und ihr habt mehr Bock auf Stagediving und Moshpit? Keine Angst, auch hier haben die Macher des Deichbrand vorgesorgt. Und zwar, in dem sie Zebrahead eingeladen haben. Die Punker aus Orange County geben nicht nur musikalisch alles, sondern haben auch eine abgefahrene Bühnenshow. Garantiert. 

Nach einer vermutlich kurzen Nacht geht es dann am Freitag (20.) auch auf der Fire Stage und der Water Stage so richtig los. Während die 257ers zur Spaßparty mit Kostümen, Konfetti und Bierrutsche laden, wird Amy MacDonald einmal mehr ihre Live-Qualitäten beweisen. Nicht ohne Grund stand die Schottin mit der Reibeisenstimme schon beim legendären Open Air im Londoner Hyde Park auf der Bühne. 

Im Anschluss an ihren Auftritt wird es wieder lauter – und zwar mit Wolfmother. Selbst wer kein Album der australischen Rocker im Schrank stehen hat, wird den einen oder anderen Song trotzdem wieder erkennen. Denn Wolfmother gehört zur ersten Wahl, wenn es um Soundtracks zur Streifen wie „Jackass“, „The Hangover“ oder aber auch „Shrek“ geht. 

Turbostaat-Frontmann Jan Windmeier wird auch an der Nordseeküste mit voller Kraft melancholischen Punk zum Besten geben.

Zum Abschluss am Freitagabend wird es auf der Fire Stage und der Water Stage dann noch einmal deutsch: Und zwar mit Clueso (Water) und Casper (Fire). Zwei Künstler, deren Live-Auftritte man auf keinen Fall verpassen sollte – egal, welche Platten man sonst so kauft. Immer noch nicht müde? Na dann auf zu Turbostaat. Die Punkrocker aus Flensburg sind ab 1.30 Uhr in der Jever Hafenbar zu hören. 

Auch wenn Schlaf ja bekanntlich überbewertet wird, solltet ihr vor dem Samstagsprogramm (21.) durchaus zu Kräften kommen – immerhin gibt es satte 15 Stunden Musik. Meine Favoriten spielen auch an diesem Tag auf der Fire und Water Stage. Los geht’s um 14 Uhr mit Skinny Lister, die vor einem Jahr mehr oder weniger um die Ecke, also beim Hurricane Festival, aufgetreten sind. 

Von da an heißt es munteres Springen zwischen Von wegen Lisbeth (Fire Stage), Kontra K (Water Stage), den Editors (Fire Stage) und Mando Diao. Dort auf der Fire Stage spielt dann ab 22.30 Uhr auch einer der Headliner: The Killers. Nicht nur, dass die vier Musiker aus Las Vegas mit mehr als 25 Millionen Alben zu den größten Rockbands dieser Tage zählen, ihr Sound ist auch absolut festivaltauglich. 

Lara Chedraoui von Intergalactic Lovers wird im Palastzelt zu sehen - und vor allem: zu hören - sein.

Sich für die Klänge einer Hammondorgel so früh aus dem Zelt schälen, dass ihr euch um 12 Uhr vor der Fire Stage einfinden könnt? Ja, das klingt brutal und eigentlich auch gar nicht machbar, ist aber nötig. Denn dann gibt es Alligatoah mit seinem Akustikspektakel zu hören. Geboten wird der gewohnte Wortwitz, nur dieses Mal eben gepaart mit dem Flair der 20er-Jahre. Also: hin da. Nach einem Zwischenstopp beim Poetry-Slam-Finale geht es dann mit den Intergalactic Lovers im Palastzelt weiter. 

Im Anschluss könnt ihr euren geschundenen Körpern eine wohlverdiente Pause gönnen, bevor Axel Bosse um 19 Uhr die Fire Stage betritt. Ja, ich weiß, seine Musik ist arg poppig, lohnt sich aber trotzdem. Denn Bosse mutiert bei Auftritten mit verlässlicher Regelmäßigkeit zum hemmungslosen Tanzbären, der absolut jeden mitzieht. 

Futter für den Geist verspricht um 21.20 Uhr der Auftritt von Gloria – ein Hauch Nachdenkliches, bevor es daran geht, sich in die Autoschlangen einzureihen. Zumindest, wenn man keinen Bock auf die Toten Hosen hat. Sicher, die Punkrocker sind aus der Musikgeschichte der Republik nicht wegzudenken und bestimmt für viele der musikalische Höhepunkt des Deichbrand. Aber nur für jene, die ignorieren können, wie weit sich „Die Hosen“ von ihren früheren Idealen entfernt haben.

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