Mehr als nur Party

„Kein Bock auf Nazis“-Kampagne macht Station auf dem Deichbrand

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Joscha von der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“ wirbt auf dem Deichbrand um Spenden.

Von Katia Backhaus. „Seid ihr zum Feiern da? Ja? Wollt ihr feiern?“ Klar - was sonst passiert auf dem Infield des Deichbrand Festivals? Aber neben dem Partyzentrum gibt es nicht nur Campingplätze, Duschen und Aldi. Kurz vor dem Eingang zum Camp Central ist die politische Meile des Festivals angesiedelt. Dort steht der Pavillon der Kampagne „Kein Bock auf Nazis“.

Es sieht ziemlich leer aus auf dem Tisch des Viererteams, das den Stand seit Mittwoch betreut. „Wir haben normalerweise Merch dabei, aber beim Deichbrand dürfen wir die Sachen nicht verkaufen, um dem Festivalmerch keine Konkurrenz zu machen“, sagt Joscha. Und so haben die Ehrenamtlichen nur Aufnäher, Buttons, Aufkleber und Getränkedosenhalter mit zum Festival gebracht - bis auf drei Anstecker ist bereits am Samstagnachmittag alles weg. Sie hätten locker das Doppelte verkaufen können, sagen die Vier. Das Signal ist klar: Deichbrand-Besucher sind auch Fans der Kampagne gegen rechts.

Das Geld, was die vier Ehrenamtlichen einnehmen, fließt in die Finanzierung politischer Bildungsprojekte gegen rechts an Schulen. „Kein Bock auf Nazis“ gibt es seit 2006, gegründet von der Berliner Punkband ZSK und dem Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum e.V. (apabiz). 

Eigenen Aussagen nach hat die Kampagne seitdem bereits 250.000 DVDs und mehr als eine Million Schülerzeitungen bundesweit verteilt. Vor vier Jahren kam die „Kein Bock auf Nazis“-CD heraus, 30.000 Stück wurden mit finanzieller Unterstützung vor allem der Gewerkschaften gepresst und gratis verteilt. 

Von Deichkind über Kraftklub und Révoltés bis hin zu WIZO sind darauf zahlreiche bekannte Künstler vertreten, die klare Kante zeigen. Viele bekannte Künstler unterstützen die politische Arbeit der Kampagne. Auf rund 100 Festivals und Konzerten sind die Ehrenamtlichen in diesem Sommer für die Kampagne unterwegs und sammeln Spenden. Beim Deichbrand treten als Unterstützer von „Kein Bock auf Nazis“ zum Beispiel Casper und Die Toten Hosen auf. Auch andere positionieren sich: Kettcar haben am Samstagabend mit ihrem Song „Sommer 1989“ klar gemacht, dass für sie Humanismus nicht verhandelbar ist. Geflüchtete sind willkommen - heute jene aus der ganzen Welt, damals jene aus der DDR, das ist ihre Botschaft. 

Die „Refugees Welcome“- oder „FCK NZS“-T-Shirts, die immer wieder auf dem Infield zu sehen sind, bestätigen, dass Kettcar damit nicht alleine dasteht. Das Deichbrand Festival ist nicht nur eine große Party, es hat auch eine politische Seite.

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