Poetry Slam auf dem Deichbrand

Ein politisches Schmink-Tutorial mit Rhythmus und klaren Worten

+
Jean-Philipp Kindler hatte einige „Schmink-Tipps“ mitgebracht.

Cuxhaven - Von Jan Dirk Wiewelhove. Kritische Worte in Richtung Politik und ausgelassene Stimmung im Publikum geht, und zwar auf jeden Fall. Das zeigte der sechste Mikrokosmos-Poetry Slam auf dem Deichbrand Festival bei Cuxhaven ganz deutlich.

Von wegen Politikverdrossenheit in der jungen Bevölkerung, Politik interessiert und polarisiert, zeigte Wortakrobat Jean-Philipp Kindler. Mit seinem Vortrag qualifizierte er sich in der ersten Vorrunde am Freitag eindeutig für die Finalrunde am Sonntag.

Dabei schaffte es der junge Tübinger die richtige Mixtur aus Rhythmus und klaren Worten mit Tiefgang anzurühren, die das Publikum in Begeisterung versetzte und zu Standing Ovations verführte. Sein Vortrag war sozusagen ein politisches Schmink-Tutorial a la „Bibis Beauty Palace“, das die Flüchtlingspolitik von Thomas de Maizière kritisierte, ohne diffamierend zu sein. Ob diese Grenze überschritten wurde, als Frauke Petry als lästiger Pickel beschrieben wurde, muss jeder für sich selbst entscheiden. Dem Applaus tat dies keinen Abbruch.

Acht Poeten im ersten Vorentscheid

Neben Kindler hatten sieben weitere Poetinnen und Poeten ihren Auftritt im gut gefüllten Palastzelt auf dem Infield des Deichbrand Festival, das mit 55.000 Besuchern ausverkauft ist. Sie kämpften um insgesamt vier Finalplätze, auch am Samstag werden weitere vier Sieger gekürt, die am Sonntag um die vorderen Plätze beim Mikrokosmos kämpfen.

Sandra Davina 

Unter ihnen wird auch die erfahrene Slammerin Sandra Davina aus Essen sein. Sie schwadronierte über den ersten Kuss. Ihr Verlangen, einen Mann zu küssen, wobei es sehr viel Mut erfordert, um nicht den richtigen Moment zu verpassen. Davina beschreibt die Mystik, die diesem Moment innewohnt, wenn man als Mädchen noch denkt, dass Frau davon schwanger werden könnte, oder wenn Teenager sich danach verzehren zu küssen, um endlich eine Frau zu sein. Einfach machen, statt ständig darüber nachzudenken, ist ihr Fazit.

Wichtig ist, dass man sich wohl fühlt

Großartig trumpfte Victoria Helene Bergemann auf. Die gut gebaute Poetin wetterte gegen ein Schönheitsideal, dem viele Frauen hinterherlaufen, ohne sich wohlzufühlen. Dann isst sie eben gerne Pommes und hat ein Doppelkinn. Solange sie sich wohlfühlt, ist ihr egal, was andere über sie denken. Sie will einfach normale Sachen machen, ohne dafür verurteilt zu werden. Sie sei vielleicht dick, na und?

Poetry-Slam-Vorrunde am Freitag

Als vierter Finalist komplettiert Matti Seydel aus Hamburg das Finalfeld. Er scherzte über Themen wie Ehe für alle, Abtreibungen oder auch Politik. Es reichte zwar knapp zum Finale, auch wenn seine Witze oft reichlich flach daherkamen.

Poetry Slam auf einem Festival an der Nordseeküste - ja, bitte, immer wieder. Auch für Anfänger ist es ein Erlebnis, wenn Wortakrobaten zaubern.

Deichbrand Festival: Party am Donnerstag 

Deichbrand Festival: Gute Laune bei Flunkyball-Meisterschaft

Das könnte Sie auch interessieren

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Simbabwe: Regierungspartei leitet Mugabes Amtsenthebung ein

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Fotostrecke: Werder-Mitgliederversammlung 2017

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Kommentare