Interview mit dem Booker des Reload

Warum Bands auf einer Wiese in Niedersachsen spielen

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The Gaslight Anthem mit Frontmann Brian Fallon gastieren in Sulingen.

Sulingen - Von Pascal Faltermann. Wie kommen Bands aus Connecticut, Kalifornien oder New York auf eine Wiese in Niedersachsen? Fern von Großstädten, Flughäfen oder großen Konzerthallen?

Wie schaffen es Veranstalter, Gruppen aus Schweden, England oder Amerika für ihr Festival im Grünen zu begeistern? Ein Interview mit Calvin Siemers, einem der Booker und Organisatoren des Reload-Festivals (4. bis 7. Juli, Sulingen).

In Interviews mit Veranstaltern wird deutlich, dass es immer härter wird, Bands für ein Festival zu gewinnen. Wie schwierig ist es, sich gegen die Großen der Branche durchsetzen?

Calvin Siemers

Calvin Siemers: Das kommt ganz drauf an. Die Bands sind alle aufgeteilt auf Agenturen. Es gibt keine große Gruppe mehr, die nicht bei einer der bekannteren Agenturen ist. Zu denen haben wir bessere oder schlechtere Kontakte. Das Ganze kann man in zwei Kategorien unterteilen: Es gibt Bands, die werden direkt von ihrem Agenten vertreten, und es gibt welche, da hängt noch eine deutsche Agentur dazwischen. Das macht den Kontakt manchmal leichter, aber die Band wird dadurch in der Regel auch teurer.

Wie groß ist die Konkurrenz durch große Festivals wie Hurricane, Deichbrand oder Rock am Ring? Buchen diese Ihnen Bands vor der Nase weg?

Siemers: Klar, denn es gibt in diesem Gewerbe stets einen Gebietsschutz für die Bands. Da sind wir beim Hurricane, das nur 90 Kilometer weg ist, voll drin. Das ist normal, das machen wir auch. Aber es ist keiner aggressiv. Mit dem Veranstalter FKP Scorpio konnten wir uns dieses Jahr einigen, dass wir The Gaslight Anthem bekommen, obwohl sie beim Hurricane gespielt haben. Das ist untypisch, aber es klappte, weil das Hurricane ausverkauft war. Somit hat der Veranstalter keine Einbußen beim Ticketverkauf, wenn die Band nochmal in der Gegend spielt. Große Veranstalter sind da sonst sehr rigoros. Sogar mittelgroße Bands haben teilweise eine komplette Deutschland-Exklusivität.

The Gaslight Anthem war also nicht mehr auf dem Markt. Wie haben Sie die Band trotzdem bekommen?

Siemers: Wir haben gesehen, dass sie noch einen Tag frei haben. Dann haben wir angefragt, ob es möglich wäre, dieses Mal eine Ausnahme zu machen, weil das Hurricane so früh ausverkauft war. Glücklicherweise hat es geklappt.

Hier gibt es Tickets für das Reload

Erklären Sie einmal für einen Laien, wie Sie Bands überhaupt buchen. Haben Sie Lieblingsbands? Wen kontaktieren Sie?

Siemers: Unser Festivalteam trifft sich weit im Voraus. Das Schwierigste ist, seinen persönlichen Geschmack auszuschalten. Den müssen wir außen vor lassen und schauen, wer das Zielpublikum sein soll und was die Stammbesucher gerne sehen würden. Wir wollen ja, dass die Leute wieder kommen. Wir erstellen eine Liste mit unserer Erst-, Zweit- und Drittwahl. Größere Festivals haben es da natürlich leichter. Aber ich denke, von den Bands, die wir uns ein Jahr vorher aufgeschrieben haben, bekommen wir die Hälfte. Eine gute Quote.

Sie haben einen Entwicklungsprozess hinter sich. Früher waren beim Reload eher kleinere Bands, dann kam Limp Bizkit und jetzt holen Sie sogar zwei, drei größere Bands.

Siemers: Das kann man so nicht sagen. Limp Bizkit hat 2009 bei Rock am Ring als Headliner gespielt. Es kamen 2011 ziemlich viele Zufälle zusammen, dass sie bei uns gelandet sind. Aber wir haben eine Entwicklung durchgemacht, wir haben uns das Vertrauen der Agenten aufgebaut. Wenn eine Band bei uns spielt und nicht zufrieden ist, macht das schnell die Runde. Das kam aber nicht vor.

Mit welchen Argumenten gehen Sie in solche Gespräche? Geld haben Andere sicherlich mehr. Wie preisen Sie das Reload-Festival an?

Siemers: Es gibt einige, die das Festival kennen. Wir verschicken Angebote. Bei uns sind die Bands dann vielleicht Headliner und damit besser gelistet als bei Rock am Ring, wo sie nur Nachmittagsband wären. Es ist für eine Gruppe interessant, auf einem Flyer oben zu stehen. Natürlich schreiben wir, wie das gesamte Programm aussehen soll. Es gibt Musiker, die kommen dann wegen anderen. Es kann aber auch nur ums Geld gehen.

Haben Sie ein Beispiel, bei dem eine Gruppe wegen einer anderen zugesagt hat?

Siemers: Ja, Hatebreed fand zum Beispiel Motörhead interessant – und, dass Terror und Sick of it all da sind. Die Hardcorebands kennen sich alle untereinander. At the Gates fanden es toll, dass sie nachts nach Motörhead spielen können.

Ist das Booking im Laufe der Zeit einfacher geworden?

Siemers: Wenn ich jetzt das Festival für 2007 buchen müsste, wäre es einfacher. Aber unsere Ansprüche sind ja auch gestiegen, und es ist der Wahnsinn, wie viele Festivals allein dieses Jahr gegründet wurden. Vor allem der August ist zugepflastert. Und man hört mittlerweile häufig, dass Festivals auch pleite gehen.

Können Sie schon etwas zum Programm 2014 sagen?

Siemers: Nein, wir haben zwar Ideen, aber es steht noch nichts fest.

Reload-Festival, Sulingen, 4. bis 7. Juli

Festivalimpressionen der Leser

Reload-Festival 2013: Das Line-Up

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