Veranstalter: Thema nicht totschweigen

Breminale: Weitere sexuelle Belästigungen

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Es gibt weitere Anzeigen wegen sexueller Belästigung auf der Breminale.

Bremen. Auf dem Kulturfestival Breminale sind mehr Frauen sexuell belästigt worden, als am Sonntag bekannt. Wie Polizeisprecher Nils Matthiesen am Montag sagte, liegen inzwischen zehn Anzeigen von Frauen vor. Sechs Jugendliche wurden vorübergehend festgenommen. Die Veranstalter der Breminale kündigten unterdessen an, die Ordner für die nächste Auflage der Veranstaltung im Juli 2017 noch stärker für das Thema Übergriffe zu sensibilisieren.

Insgesamt verlief das Festival mit rund 200.000 Besuchern an fünf Tagen weitgehend friedlich. Es gab eine Schlägerei, aber eben auch mindestens zehn sexuelle Übergriffe gegen Frauen. Einige Frauen hatten sich nach dem Aufruf der Polizei am Sonntag gemeldet, weil sie von jungen Männern belästigt worden seien, so Matthiesen. Im Klartext wurden die Frauen verschiedenen Alters umarmt, bedrängt, an die Brust und in den Schritt gefasst, und zwar auf den Tanzflächen und in den Zelten. Matthiesen schließt nicht aus, dass es weitere Anzeigen geben wird.

Die Ermittler rufen mögliche Opfer und Zeugen auf, sich zu melden. Bei den sechs Tatverdächtigen handelt es sich nach Polizeiangaben um einen Somalier (15) und fünf Afghanen (alle 18). Noch flüchtig ist ein Täter, der eine 28-Jährige im Festzelt „Tanzboden“ in der Nacht zu Sonnabend unsittlich berührt haben soll. Die Frau beschrieb ihn laut Polizei als etwa 30 Jahre alt, mit schwarzen Haaren und dunklem Teint. Zeugen und mögliche weitere Opfer werden gebeten sich, unter 0421/362-3888 an die Polizei zu wenden.

Laut Matthiesen war die Polizei auf der „Breminale“ mit 30 bis 40 Beamten in Zivil und in Uniform (mehr als auf dem Freimarkt) gut aufgestellt. Nach Übergriffen in anderen Städten wie Köln und Hamburg habe man sich bewusst mit dem Thema befasst. Daher seien die Beamten jeweils schnell vor Ort gewesen, um einzugreifen. Die Kleidung der jungen Männer sei sichergestellt worden, sie seien mit Gefährderansprachen und Betretungsverboten der „Breminale“ in ihre Unterkünfte entlassen worden.

Jetzt laufen Ermittlungen, ob die Übergriffe möglicherweise dazu dienten, Diebstähle zu begehen. Matthiesen vermutet, dass es auch früher zu sexuellen Belästigungen auf der „Breminale“ gekommen sei, Frauen heute nach den Vorfällen in anderen Städten jedoch sensibler reagierten und sofort Alarm schlügen. Es werde eher angezeigt, „was auch richtig ist“.

Auch der „Breminale“-Organisator „Sternkultur“ hat sich im Vorfeld über mögliche Übergriffe Gedanken gemacht. Susanne von Essen: „Wir haben bewiesen, wie gut unsere enge Zusammenarbeit mit Polizei und Security greift.“ Entscheidend sei Kommunikation: „Es geht darum, Grenzen aufzuzeigen, den Finger zu heben und Hilfe zu holen.“ Das habe am Freitag sehr gut geklappt. Als Veranstalter müsse man sich für die nächste Auflage Gedanken machen: „Sicherlich werden wir das Ordnungsteam noch stärker für solche Themen sensibilisieren.“ Dass man Gruppen in orangefarbenen Westen herumlaufen lasse, könne sie sich jedoch nicht vorstellen. Generell setzt von Essen auf Transparenz. Es sei niemandem damit gedient, das Thema totzuschweigen.

Die Band „Alltag“, während deren Auftritt sich drei Übergriffe zutrugen, könnte sich vorstellen, in Zukunft bei Auftritten dieser Art ein „Awareness-Team“ zu stellen, das als Ansprechpartner gut sichtbar Unterstützung biete. Sänger Nicolai Gonther: „Als uns die Vorfälle noch auf der Bühne zu Ohren gekommen sind, haben wir eine Ansage gemacht, dass wir das verabscheuen und diejenigen, die dafür verantwortlich sind, über Mikro aufgefordert, das Konzert zu verlassen.“ Die Band wolle entschieden gegen Übergriffe dieser Art vorgehen: „Sexismus muss bekämpft werden. So, wie es momentan ist, kann es nicht bleiben!“

gn/hey

Die Bilder des Festivals:

29. Breminale - der Sonntag

29. Breminale - der Samstag

29. Breminale - der Freitag

29. Breminale - der Donnerstag

Auftakt der 29. Breminale

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