Break-Dancer, Frisbee, Top Spin

Kult-Karussells kommen aus Bremen

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Kreischgarantie im Frisbee

Bremen - von Heinrich Kracke. Break-Dancer, Frisbee und TopSpin haben Freimarkt-Geschichte geschrieben, ihr Hersteller aber ist an der Langlebigkeit der Fahrgeschäfte gescheitert. Die Bremer Firma Huss beliefert jetzt Freizeitparks in China, USA, Australien und dem Rest der Welt.

Falls doch mal ein Ersatzteil gebraucht wird: Andre Warnecke mit einem Getriebe.

Er hat längst Kultstatus erreicht. Der Break-Dancer hat beispielsweise auf der Canstatter Wasen den Autoscootern den Rang als Treffpunkt Nummer eins abgelaufen. Und gelegentlich sitzt auch der Bremer André Warnecke in einer dieser Gondeln, die auf der großen Drehscheibe kreisen und in sich nochmals kreisen, und genießt die temporeiche Fahrt, er mit seinem Sohn. „Nicht oft, aber auf dem Freimarkt – warum nicht?“ Andre Warnecke hat eine besondere Beziehung zu diesem Fahrgeschäft, das in Bremens fünfter Jahreszeit auf keinen Fall fehlen darf. darf. Er ist Geschäftsführer bei der Firma Huss in Bremen und trägt damit die legendäre Fahrgeschäfte-Schmiede weiterhin im Namen, auch wenn es die ursprüngliche Firma mit dem Namen Huss-Anlagenbau seit deren Insolvenz vor knapp zehn Jahren nicht mehr gibt. Huss stellte das Kult-Fahrgeschäft einst her.

Damals, als es ihr noch gut ging. In den 80er Jahren, in deren Mitte erstmals die grell gelben und roten Farben auf den Jahrmärkten leuchteten, und die charakteristischen 16 Gondeln an vier Armen Schwung aufnahmen. Allein die erste Version des Fahrgeschäftes, das unter dem Namen Break Dance in den Katalogen stand, aber als Break-Dancer und damit mit einem R am Ende in den Kirmesjargon einging, wurde 69mal verkauft. Drei weitere Varianten verließen die seinerzeitigen Hallen in Sebaldsbrück, mehr als hundert Exemplare wanderte in alle Welt, aber eben auch zu den Jahrmarktsbeschickern der Region. „Unser erfolgreichstes Modell“, sagt André Warnecke.

Das besondere jedoch: Auch knapp 30 Jahre können der wilden und oft unvorhersehbaren Fahrt nicht viel anhaben. Selbst den Zwölf-Jahres-TÜV überstehen die Geräte locker, jene Überprüfung, bei der die Bolzen mit Ultraschall auf ihre Zähigkeit oder die Schweißnähte einzeln unter die Lupe genommen werden. „Höchstens, dass mal eine der Schleifkohlen in den Motoren erneuert, oder die Verriegelungen in den Schultergurten ausgetauscht werden muss, das wär's oftmals auch schon. Verschleißteile eben“, sagt Warnecke. Klartext: Nahezu alle Break-Dancer, die das Bremer Montageband verlassen haben, befinden sich noch im Einsatz.

Frisbee und Break-Dancer sind Stammgäste in Bremen

Und nicht nur sie. Auch der Frisbee, der auf dem Freimarkt zu sehen ist, oder der Top Spin, manchmal auch der Shot'nDrop, ein Turmfahrgeschäft, sie alle sind nicht etwa von den Jahrmärkten verschwunden. Im Gegenteil, sie drehen emsig ihre Runde. „Sämtliche Fahrgeschäfte aus unserem Hause haben eine hohe Dauerfestigkeit und lassen Abermillionen von Lastspielen zu,“ sagt Warnecke und meint damit die Statik, die eine hohe Langlebigkeit verhieß. Selbst die ersten Fahrgeschäfte, die zu Beginn der 70er Jahre von Bremen aus in die Welt gingen, sie sind noch im Einsatz. Der allererste Swing-Around feierte 1970 auf dem Oktoberfest Premiere. Nach 14 Jahren wurde er ausrangiert, aber nicht etwa verschrottet. Er kommt in Pittsburgh/USA weiterhin auf Touren. Zwölf Exemplare dieses Typs entstanden in jenen Jahren. Namhafte Geschäfte wie die Enterprise mit 75 Stück oder der Pirat mit sogar 87 Stück folgten. Troika, Tristar, UFO, Ranger oder Rainbow gehörten ebenfalls zu den Errungenschaften hanseatischer Ingenieurkunst.

Doch das eigentlich gute Verkaufsargument mit der generationsübergreifenden Langlebigkeit entwickelte sich zunehmend zum Boomerang. „Warum überhaupt in neue Fahrgeschäfte investieren, wenn die vorhanden noch perfekt in Schuss sind und sich Neuerungen nicht unbedingt aufdrängen?“, fragten sich offenbar viele Schausteller. Klartext: Die Bremer Erfolgsgeschichte mit den Fahrgeschäften ging endgültig zu Ende. 2006 war Schluss.

Vor 27 Jahren hatte der Break-Dancer in Bremen Premiere - damals noch unter dem Namen "Projekt 17"

Das Know-How der Bremer Konstrukteure verstreue sich dennoch nicht in alle Welt. Im Osten der Hansestadt gründete sich am alten Standort zwei Firmen neu. Die Huss-Parkattraktion, ein reines Konstruktions- und Vermarktungsbüro für Fahrgeschäfte, und die Huss-Service-Gesellschaft, die Aufbau und Reparatur der Anlagen übernimmt. Aus der Herstellung mobiler Fahrgeschäfte hat sich das Unternehmen inzwischen verabschiedet. Hier haben der niederländische KMG („Afterburner“, „XXL“) und die italienischer Moser-Gruppe („Schneezirkus“, „Energy Rush“) die Marktführerschaft übernommen. Das Spezialgebiet der Hanseaten nun: Fahrgeschäfte, die nicht mehr von einem Jahrmarkt zum nächsten transportiert werden müssen. Huss rüstet Freizeitparks aus. Im Heidepark bespielsweise laufen „TopSpin“ und „Flipper“, im Hansapark etwa „Sky Tower“ und „Ranger“. Rund 40 Fahrgeschäfte stehen inzwischen wieder zur Auswahl, darunter auch der „Condor“, der einst schon bei der Huss-Anlagenbau zu den Bestsellern gehörte. Das Turmfahrgeschäft ist gegenwärtig in der zweiten Generation zu haben.

Das Hauptgeschäft betreibt das Bremer Unternehmen allerdings schon lange nicht mehr auf dem europäischen Kontinent. Anlagen wurden in den USA genauso aufgebaut wie in Südamerika, in Australien oder Japan. Selbst in einem üppig dimensionierten Freizeitpark in Abu Dhabi steht irgendwo das Siegel „Made in Germany“ mit dem Huss-Symbol. Rund 750 Attraktionen für Freizeitparks sind inzwischen ausgeliefert worden, alle nach Plänen aus der Bremer Konstruktionsabteilung. Montiert werden sie in Budapest in einem firmeneigenen Stahlunternehmen.

Den Wachstumsmarkt Nummer eins haben die Hanseaten in Wuhan, Peking und Shogun entdeckt, in China also. Die Handelsbeziehung hat inzwischen derartige Ausmaße angenommen, dass Monteure schon mit einem Ganz-Jahres-Visum ausgestattet sind. „Man merkt zwar im Umgang mit den zuständigen Stellen, dass überall Staatsunternehmen am Werk sind mit mehr Bürokratie, aber unsere chinesischen Partner haben sich als sehr zuverlässig erwiesen,“ sagt Warnecke.

Gut möglich, dass deshalb auch just zu dem Zeitpunkt, an dem Breakdancer, Frisbee und all die anderen wieder mal Station in Bremen machen, zum Freimarkt nämlich, diejenigen, die an deren Bau beteiligt waren, auf der anderen Seite der Welt diensttun. Kopfunten also.

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