Das Karussell „Playball“ wartet mit 18 Umdrehungen pro Minute auf

Alles andere als harmlos

+
Chef Wolf Clauss (links) verkauft die Fahrkarten, während Tobias Körbs das Karussell steuert und die Fahrgäste bei Laune hält.

Bremen - Von Nina Seegers. Zwölf bunte, kugelförmige Gondeln drehen sich auf einer runden Plattform um ihre eigene Achse.

Die Fahrgäste kreischen, als sich die Plattform, die sich ebenfalls dreht, schräg anhebt. „Playball“ sei das Karussell mit der schnellsten Beschleunigung, sagt der Inhaber Wolf Clauss. Mit seinem Fahrgeschäft ist er für den Bremer Freimarkt extra aus Bayern angereist.

Kreiszeitung Syke

„Playball“ ist zum ersten Mal auf dem Freimarkt dabei. Laut Betreiber ist es 18 Umdrehungen pro Minute schnell und wirkt auf die Fahrgäste mit einer Kraft von 4,5 g. „. . . und los geht‘s, wir drehen noch eine Runde. . .“, kündigt Tobias Körbs mit nasaler Stimme durch das Mikrofon an. Der 23-Jährige sitzt mit seinem Chef Wolf Clauss Rücken an Rücken in dem kleinen Kassenhäuschen. Während Clauss die Fahrchips verkauft, übernimmt Tobias den Job des Steuermanns, auch „Rekommandeur“ oder „Operator“ genannt.

Vor ihm steht ein Mischpult mit vielen bunten Knöpfen. „Darüber kann ich unter anderem die Fahrtrichtung, die Geschwindigkeit und das Licht regeln“, erklärt Tobias. Zu seiner Aufgabe gehört es außerdem, die Fahrt zu kommentieren und die Gäste mit den typischen Schausteller-Floskeln bei Laune zu halten.

Wie man das macht, hat ihm sein Chef beigebracht. „Man muss die Leute animieren. Ein Fahrgeschäft hat eine Dramaturgie wie ein Schauspiel“, erklärt Clauss. Der muss es wissen, schließlich blickt er mit seinen 72 Jahren auf eine lange Karriere als Schausteller zurück. Der gebürtige Bayer war gerade noch auf dem Münchener Oktoberfest und ist von da aus mit seiner Frau und seinem Team direkt nach Bremen gereist. „Ich freue mich, nach 27 Jahren wieder auf dem Freimarkt zu sein, ich habe hier einen großen Freundeskreis und bin herzlich empfangen worden“, sagt er.

„Playball“ sieht relativ harmlos aus, ist aber das Karussell mit der schnellsten Beschleunigung, sagt Inhaber Wolf Clauss. · Fotos (2): Seegers

Schon seit der Mitte der 50er Jahre war Clauss mit seiner Familie über drei Jahrzehnte regelmäßig mit der „Bayern-Kurve“, angelehnt an die Bobbahn in Garmisch-Partenkirchen, auf dem norddeutschen Volkfest vertreten. „Die Bayern-Kurve war viele Jahre lang der absolute Renner“, sagt Clauss. Die Bürgerweide habe damals allerdings noch völlig anders ausgesehen. „Die Messehallen gab es damals noch nicht“, erinnert sich der Schausteller. Zuletzt war er Mitte der 80er Jahre auf dem Freimarkt, dann konzentrierte er sich auf den süddeutschen Raum und überließ die norddeutsche Region einem Kollegen und gutem Freund. Nach dem Freimarkt fährt Clauss auf direktem Wege wieder zurück nach Bayern. „Auch wenn die An- und Abreise lang ist, lohnt sie sich. Denn der Freimarkt ist schon eine große Hausnummer“, weiß Clauss.

Tobias Körbs bringt währenddessen das Karussell zum Stehen. Einige Fahrgäste sehen erleichtert aus, als sie die Sicherheitsstange über ihren Kopf klappen und aus der Gondel steigen. So auch die drei Feundinnen Denise (14), Nogay und Anastasia (beide 13) aus Bremen. „Das sieht von außen ja echt harmlos aus, aber das ist voll schlimm!“, sagt Nogay lachend.

Das könnte Sie auch interessieren

Bilder: Abfahrer Dreßen stellt die Ski-Welt in Kitzbühel auf den Kopf

Bilder: Abfahrer Dreßen stellt die Ski-Welt in Kitzbühel auf den Kopf

Fotostrecke: Abschlusstraining vor dem Bayern-Spiel

Fotostrecke: Abschlusstraining vor dem Bayern-Spiel

US-Bundesregierung im Zwangsstillstand

US-Bundesregierung im Zwangsstillstand

Das sind die 99 beliebtesten Strände der ganzen Welt

Das sind die 99 beliebtesten Strände der ganzen Welt

Meistgelesene Artikel

Kommentare