Freimarkt ohne Achterbahn nicht vorstellbar

Höhen und Tiefen im Achterbahngeschäft

+
Die Alpina-Bahn ist in diesem Jahr zu Gast auf dem Freimarkt.

Bremen - Langsam rattert der Zug die Steigung hoch, noch können die Fahrgäste den tollen Ausblick genießen. Oben angekommen, geht alles plötzlich ganz schnell: Gefühlter freier Fall - dann eine scharfe Kurve, die den Körper in die Sitze drückt - eine Fahrt mit der Achterbahn ist nicht nur auf dem Bremer Freimarkt einer der Höhepunkte.

Große Anlagen wie die Alpina-Bahn oder der Olympia-Looping sind schon aufgrund ihrer majestätischen Erscheinung ein Publikumsmagnet für jeden Festplatz. Doch, ob das so bleiben wird, steht in den Sternen. Allein der Umzug von einem Volksfest zum nächsten kann schon mal 80.000 Euro verschlingen. Hinzu kommen Personalkosten, Platzmiete und Strom. 60 Lkw-Transporte waren im vergangenen Jahr beim Olympia-Looping nötig, um die Bahn von München nach Bremen zu transportieren. Schausteller Rudolf Barth wird deshalb mit seiner Achterbahn möglicherweise nicht mehr nach Bremen kommen. In einem Interview mit der Aachener Zeitung sagte er: „Nach 16 Tagen blieben dann keine 20.000 Euro übrig. Das lohnt sich einfach nicht mehr.“

Alpina-Bahn auf dem Bremer Freimarkt

In diesem Jahr steht nach zwei Jahren Pause wieder die Alpina-Bahn der Schaustellerfamilie Oscar Bruch auf der Bürgerweide. Obwohl die Achterbahn als familienfreundlich gilt, weil sie keinen Looping durchfährt, bietet eine Fahrt genug Nervenkitzel: Auf dem 910 Meter langen Kurs in Form mehrerer achtförmiger Teilabschnitte wird eine Geschwindigkeit von bis zu 80 Stundenkilometern erreicht. Dabei rasen die Wagen aus einer Höhe von 27 Metern bei einem Gefälle von fast 50 Prozent in die Tiefe, und bescheren den Fahrgästen für Sekunden das Erlebnis der Schwerelosigkeit. (Mehr Info zur Alpina-Bahn)

Bis 2008 tourte auch der Eurostar durch Deutschland - ein Inverted Coaster, bei dem die Fahrgäste unter der Schiene hängen. Er wurde  2008 nach Moskau verkauft. Einzige Neuerscheinung bei den Großanlagen auf dem deutschen Markt ist die Teststrecke - eine Doppelloopingbahn, die ursprünglich 1979 gebaut wurde und nach einer kompletten Überarbeitung nun seit 2009 in Deutschland und den Niederlanden unterwegs ist.

Mobile Achterbahnen in Deutschland (Auswahl)

Olympia-Looping

Alpina-Bahn

Euro-Star (bis 2008 unterwegs)

Teststrecke

Höllenblitz

Cobra

Wilde Maus (mehrere Versionen - auch XXL)

Spinning Racer

Eurocoster

Black Hole

Rock 'n' Roller Coaster

Feuer & Eis

Neue Bahnen werden ins Ausland verkauft

Olympia-Looping

Doch auch, wenn die Alpina-Bahn (Premiere 1983) oder der Olympia-Looping (Premiere 1989) nach wie vor mit G-Werten von bis zu 5,2 und einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern begeistern - in einen Neubau wird kaum ein Schausteller investieren. Neue Achterbahnen mit Spezialeffekten werden zwar immer noch von einer Handvoll Firmen in Deutschland gebaut - verkauft aber fast nur noch an Freizeitparks im Ausland. Vor allem aus China kommen viele Bestellungen für den geplanten Nervenkitzel „Made in Germany“.

Der Achterbahn-Hersteller Zierer aus dem niederbayerischen Deggendorf verkauft mehr als 90 Prozent seiner Fahrgeschäfte ins Ausland. Besonders stolz ist die Firma mit 60 Beschäftigten auf ihre neueste Erfindung: Eine Achterbahn mit einer Art eingebauter Fallgrube - dem sogenannten „Vertical Drop“. Auf freier Strecke bleibt die Bahn stehen und dann geht es abwärts: Fünf Meter im freien Fall. „Das gibt einen schönen Bauchkitzler“, sagt Zierer-Projektleiter Martin Weichselgartner.

Zwei Bahnen mit dem Effekt hat Zierer schon verkauft: Eine ins Legoland in Dänemark und eine in die USA. Jede Bahn ist eine Maßanfertigung und wird nach Kundenwunsch dekoriert und häufig in eine kleine Show eingebettet. Im Legoland heißt die Bahn Polarexpress und fährt an lebenden Pinguinen vorbei, in den USA wurde sie von einem Freizeitpark in Virginia im Schwarzwald-Design gewünscht.

Auch der Hersteller Mack Rides aus Waldkirch in Baden-Württemberg, der vor allem auf familientaugliche Achterbahnen und Fahrgeschäfte setzt, findet seine Kunden fast nur im Ausland.

Die meisten Schausteller in Deutschland können es sich nicht leisten, drei Millionen Euro oder mehr für eine neue Achterbahn auf den Tisch zu legen. Sie fahren lieber die bewährten Modelle noch ein paar Jahre länger durchs Land oder kaufen sich eine Second-Hand-Achterbahn von einem Berufsaussteiger. „Die Anlagen, die hier laufen, sind meist schon älter“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schaustellerbundes, Frank Hakelberg. Für viele der rund 3200 Schausteller, die der Verband vertritt, werde die wirtschaftliche Lage wegen steigender Kosten und neuer Regularien immer schwieriger.

Längst nicht jeder hat einen Platz auf dem Oktoberfest oder den anderen XXL-Volksfesten in Deutschland: Die Cranger Kirmes im Ruhrgebiet, der Hamburger Dom, der Bremer Freimarkt oder das Düsseldorfer Schützenfest gehören mit jeweils mehr als drei Millionen Besuchern zu den Spitzenreitern. „Das ist die erste Liga“, sagt Hakelberg. Wer diese Volksfeste auf dem Tourplan habe, könne auch seine Bank einfacher von einem Millionenkredit für ein neues Riesenrad oder die neue Achterbahn überzeugen.

Aber auch die Oldies unter den Fahrgeschäften bescheren den Herstellern in Deutschland noch ein bisschen Umsatz mit dem Ersatzteilgeschäft. Und nicht zuletzt sind sie ein Beweis für die Qualität und Langlebigkeit der Anlagen. „Es ist ein Kulturgut“, sagt Maximilian Röser vom Hersteller Mack. Für viele Ingenieure gilt die Konstruktion einer Achterbahn noch immer als Krönung der Kunst - auch wenn sie am Ende in China oder Kalifornien ihre Runden dreht.

Daniela Wiegmann / Harald Hinze

Das könnte Sie auch interessieren

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Diese Dinge sollten Sie schleunigst aus Ihrem Wohnzimmer entfernen

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Deichbrand-Festival: Party am Freitag

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Fotostrecke: Werder verliert Testkick gegen Köln

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Deichbrand Festival am Freitag: Beste Stimmung unter den Festivalisten

Meistgelesene Artikel

Der Freitag beim Deichbrand Festival: Glückssteine und Bier-Yoga

Der Freitag beim Deichbrand Festival: Glückssteine und Bier-Yoga

Baustellen und Ersatzverkehr auf dem Weg zum Deichbrand

Baustellen und Ersatzverkehr auf dem Weg zum Deichbrand

Hier kannst du das Deichbrand Festival im Livestream verfolgen

Hier kannst du das Deichbrand Festival im Livestream verfolgen

Taschenregelung beim Deichbrand: Das darf mit aufs Gelände

Taschenregelung beim Deichbrand: Das darf mit aufs Gelände

Kommentare