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WHO-Notlage wegen Affenpocken: Hotspot in Europa

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Von: Carolin Gehrmann

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Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpocken-Viren, Ultradünnschnitt
Affenpocken-Erreger unter dem Elektronenmikroskop © Freya Kaulbars/dpa

Da die Fälle von Ansteckungen mit Affenpocken seit Juni rasant steigen, hat die WHO nun die Gesundheitsnotlage ausgerufen. Vor allem Europa ist inzwischen von dem Ausbruch betroffen – auch deutsche Hotspots.

Genf – Es ist die höchste Alarmstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Am Samstag, den 23. Juli, hat das Expertenkomitee um WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus wegen des Ausbruchs der Infektionskrankheit Affenpocken die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite ausgerufen.

WHO erklärt Affenpocken-Ausbruch zu einer internationalen Notlage

Die Fachleute seien sich nicht einig gewesen, ob die oberste Stufe tatsächlich angemessen ist. Doch angesichts der Tatsache, dass sich das Tempo der Übertragungen seit Ende Juni enorm beschleunigt hat, hat WHO-Generaldirektor Tedros entgegen der Mehrheit im Expertenrat entschieden, dass es notwendig sei, den Notstand auszuhängen. Direkte Folgen in Form von Maßnahmen hat diese Entscheidung zunächst nicht. In erster Linie ist sie als Appell gedacht.

„Aufruf, tätig zu werden“ – Durch die WHO-Notlage sollen Regierungen und Kliniken sensibilisiert werden und Maßnahmen ausarbeiten.

„Das ist ein Aufruf, tätig zu werden“, sagte WHO-Experte Mike Ryan. Die Einstufung solle die Regierungen der Mitgliedsländer dazu bewegen, Maßnahmen zu ergreifen, um den Ausbruch einzudämmen. Ärzte und Kliniken sollten so stärker für den Ausbruch der Krankheit sensibilisiert werden, um bei Verdachtsfällen schneller Schutzmaßnahmen zu treffen. Außerdem sei es wichtig, die Bevölkerung aufklären, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen kann.

Dieser Ruf geht vor allem in Richtung Europa, wo sich die Krankheit gerade besonders stark ausbreitet. Weltweit gibt es jetzt „mehr als 16.000 gemeldete Fällen in 75 Ländern und Territorien, sowie fünf Todesfälle“, so Tedros. Doch Europa stelle inzwischen einen Hotspot der Krankheit dar. Nach Daten der WHO seien vor allem  Deutschland, Großbritannien und Spanien mit jeweils mehr als 1000 Fällen betroffen.

Affenpocken: WHO warnt vor allem in Richtung Europa. Auch Deutschland ist stark vom Ausbruch betroffen.

In Deutschland meldete das Robert Koch-Institut am Freitag knapp 2300 Fälle. Vor allem in Berlin trete die Krankheit gehäuft auf, wie Tagesschau.de schreibt. Inzwischen haben aber alle Bundesländer Fälle gemeldet. Aufgetreten war die Krankheit ursrpünglich in mehreren west- und zentralafrikanischen Ländern.

Auf so stark einschränkende Maßnahmen wie beim Coronavirus müssen sich die Menschen zunächst aber nicht einstellen. Die Übertragung des Affenpocken-Erregers erfolgt nämlich in erster Linie über direkten Hautkontakt und Körperflüssigkeiten – anders als Corona, womit man sich durch die Aerosole auch über die gemeinsame Atemluft in Innenräumen anstecken kann.

Affenpocken-Ausbruch: Symptome können sehr unangenehm sein. Aber meist milde Verläufe.

Bei den Affenpocken handelt es sich um einen weiterentwickelten Erreger der Menschenpocken, die seit mehreren Jahrzehnten als ausgerottet gelten. Sie führt meist nur zu milden Verläufen, die innerhalb kurzer Zeit ausheilen. Dennoch können die Symptome einer Affenpocken-Infektion auch sehr unangenehm werden, wie der Tagesspiegel berichtet.

Der Infektiologe Hartmut Stocker erklärte gegenüber der Zeitung, dass manche seiner Patienten so starke Schmerzen hätten, dass sie in der Klinik mit morphinhaltigen Schmerzmitteln behandelt werden müssten. Das liege vor allem daran, dass sich die Infektion an der Körperregion, die Eintrittspforte des Erregers war, besonders stark ausbreite. Da sich viele Patienten beim Sex anstecken, bildeten sich die eitrigen Pusteln sehr häufig auf den Schleimhäuten der Genital- und Analregion – was zu erheblichen Schmerzen führen kann. Weitere Symptome der Krankheit sind neben dem typischen Hautausschlag auch Fieber und Gliederschmerzen.

WHO-Chef Tedros: Über gezielte Maßnahmen „die Gesundheit, die Menschenrechte und die Würde der Betroffenen schützen“

Die WHO fordert Forscher auf, neue Impfstoffe gegen das Coronavirus zu entwickeln. Weltweit sollen mehr Menschen geimpft werden.
WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus warnt vor Ausbreitung des Affenpocken-Erregers – und vor der Stigmatisierung Betroffener (Symbolbild). © Xinhua/IMAGO

Obwohl sich das Virus derzeit offenbar noch hauptsächlich unter Männern ausbreitet, die wechselnde Sexualpartner haben – ebenfalls meist Männer –, warnt WHO-Chef Tedros laut Tagesschau.de vor einer Stigmatisierung und fordert zugleich von allen Ländern wirksame Maßnahmen – die auf diese Personengruppen zugeschnitten sind und die „Gesundheit, die Menschenrechte und die Würde der betroffenen Gemeinschaften“ schützen. Das Ziel: Eine Ausweitung des Ausbruchs möglichst einzudämmen, solange der Personenkreis noch überschaubar ist.

Nicht nur Geschlechtsverkehr, sondern jegliche Form des engen Körperkontakts können zu einer Ansteckung führen, stellt der Virologe Hartmut Stocker im Gespräch mit dem Tagesspiegel klar. So hätten einige seiner Patienten „nur“ geknutscht und seien trotzdem erkrankt. Zudem berichtet er auch von Fällen bei heterosexuellen Patienten in Partnerpraxen. Die Krankheit wird sich also mit großer Wahrscheinlichkeit in die breite Gesellschaft ausweiten, wenn nicht entsprechend gegengesteuert wird.

Ständige Impfkommission empfiehlt die Impfung gegen Affenpocken – für Risikogruppen.

Das Interesse an einer Impfung wächst indes international immer mehr. Die gute Nachricht: Es gibt einen bei uns zugelassenen Impfstoff. Die Stiko empfiehlt die Impfung ausdrücklich – allerdings wegen begrenzter Verfügbarkeit zunächst nur für Risikogruppen, also Menschen, bei denen es eher wahrscheinlich ist, dass sie mit dem Erreger in Berührung kommen könnten oder die vorerkrankt sind. Allerdings haben Personen, die noch gegen den ursprünglichen Pockenerreger geimpft wurden, einen gewissen Schutz gegen das Virus.

Die Entscheidung der WHO, die gesundheitliche Notlage auszurufen, ist also kein Grund zur Panik. Auch ist in der nächsten Zeit nicht mit Einschränkungen im Alltag zu rechnen – zumindest wegen des Affenpocken-Erregers. Zur Zeit halten die WHO noch weitere Krankheiten auf Trab. Derzeit gilt neben der Notlage internationaler Tragweite wegen Corona seit 2020 auch eine Notlage wegen Polio-Ausbrüchen.

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